Überflieger aus Norwegen

Opa Björndalen ist der König des Biathlon

Mit 40 Jahren ist Ole Einar Björndalen der älteste Winter-Olympionike, der je einen Einzel-Wettbewerb gewinnen konnte. Der Norweger hat sogar noch Chancen auf weitere Medaillen.

Foto: Kay Nietfeld / dpa/Kay Nietfeld

Andächtig stieg Ole Einar Björndalen auf das Siegespodest, dann riss der Biathlon-Altmeister die Arme in die Höhe und schrie seine unbändige Freunde über den Gold-Coup in den Nachthimmel. „Das war mein bestes Rennen“, sagte er. Nach der beinahe schon unglaublichen Energieleistung des Rekordweltmeisters aus Norwegen blieb den deutschen Skijägern am Ende nur die Rolle der artigen Gratulanten.

Während der 40-jährige Björndalen am Sonnabend trotz eines Schießfehlers sein siebtes Olympia-Gold seit Nagano 1998 vor dem Österreicher Dominik Landertinger und dem Tschechen Jaroslav Soukop gewann, war Simon Schempp im Auftakt-Sprint in den Bergen über Sotschi als 15. der beste Starter des enttäuschenden deutschen Quartetts.

„Das hatten wir uns etwas anders vorgestellt“, sagte Bundestrainer Mark Kirchner und zog den Hut vor Björndalen, gegen den er noch selbst gekämpft hatte: „Hochachtung!“

Ski gut, alles gut

„Das ist einfach toll, das war sehr wichtig für mich. Ich bin sehr, sehr zufrieden“, meinte Björndalen und freute sich über seine gut gewachsten Ski. „Ich habe mir das Rennen sehr gut eingeteilt, und das war der Schlüssel zum Erfolg“, sagte der stolze Sieger. Er hat mittlerweile 93 Weltcupsiege im Biathlon und sogar einen als Langläufer geschafft. Am 27. Januar hat er seinen 40. Geburtstag gefeiert. In Sotschi jagt er nun den größten Rekord.

Gewinnt der Norweger am Montag auch das Verfolgungsrennen, krönt sich Björndalen zum erfolgreichsten Sportler in der Geschichte von Olympischen Winterspielen. Noch liegt sein Landsmann Björn Dählie an der Spitze der ewigen Wertung.

Der ehemalige Langläufer gibt sich aber kaum Illusionen hin, dass es dabei bleibt. „Ole Einar wird meine Rekorde nur so zerbröseln“, sagte der 46-Jährige, der seine Karriere schon 2001 beendete, aber als Zuschauer in Krasnaja Poljana dabei ist. Er scherzte: „Die anderen hätten wohl nicht gedacht, dass der alte Mann mit 40 noch gewinnen kann.“

Besonders eines nötigte ihm Respekt ab: „Dass er so schnell in der Loipe ist – da werfe ich mich vor ihm in den Staub“, sagte Dählie, „einfach fantastisch.“ Björndalen selbst blieb so ruhig und bescheiden, wie man ihn kennt. „Ich hatte so viele schöne Großereignisse, eine echte Märchenkarriere“, sagte er, „ich freue mich immer noch auf jeden Lauf und bin motiviert wie bei meinen ersten Spielen. Der Druck war groß, aber ich war ganz ruhig.“

Einen älteren Sieger gab es nie

Nach seiner Galavorstellung, bei der er trotz eines Schießfehlers 1,3 Sekunden Vorsprung auf Landertinger hatte, wurde er förmlich mit Glückwünschen überschüttet. „Der Älteste ist der Beste! Fantastisch, ich gratuliere“, twitterte Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg.

Der klar geschlagene Gesamtweltcup-Führende Martin Fourcade aus Frankreich lobte: „Wenn er im Ziel gewesen wäre, als ich reinkam, hätte ich ihm die Hand gegeben und ihm gesagt, dass er der König ist.“ Dazu kann sich Björndalen in Sotschi in der Tat krönen. Nicht nur in der Verfolgung, auch in der Staffel und im Mixed-Wettbewerb könnte weiteres Edelmetall hinzukommen, vermutlich sogar goldenes.

„Es ist keine Frage des Alters, sondern der Qualität. Ganz ehrlich, ich hätte nie gedacht, dass Ole mit einer Strafrunde Olympiasieger werden kann“, sagte Michael Greis, der mit seinen drei Goldmedaillen bei den Spielen in Turin dem Norweger die Show gestohlen hatte. Björndalen hat nur vor acht Jahren kein olympisches Gold gewonnen.

Deutsche Athleten ohne Chance

Nun aber ist er mit 40 Jahren und 12 Tagen nicht nur der älteste Biathlet, der bei Winterspielen in einem Einzelrennen triumphierte. Er ist nun auch der älteste Winter-Olympionike überhaupt, der je einen Einzel-Wettbewerb gewann. Björndalen übertraf den kanadischen Skeleton-Piloten Duff Gibson, der sich 2006 im Alter von 39 Jahren und 190 Tagen Gold sicherte.

Von einer solchen scheinen die deutschen Biathleten diesmal weit entfernt zu sein. 42,9 Sekunden nach Björndalen kam Schempp ins Ziel, obwohl er fehlerfrei schoss. „Es ging vom ersten Meter an sehr zäh. Ich hatte keinen Vergleich, ob es an mir lag oder am Ski“, sagte Schempp, der bei der Generalprobe in Antholz noch einen Doppelsieg geschafft hatte. Wie der auf Platz 21 angekommene Erik Lesser hat Schempp im Verfolgungsrennen am Montag nur noch Außenseiterchancen.

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