London 2012

Blinde Berlinerin trägt deutsche Fahne bei Paralympics

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Foto: DPA

Paralympics in London: Die blinde Schwimmerin Daniela Schulte führt die deutsche Mannschaft bei der Eröffnungsfeier am Mittwoch an.

Die Paralympics treten aus dem Schatten von Olympia heraus. Die Jahrzehnte der No-Name-Athleten bei Behindertenspielen sind vorbei. Die Stars der 14. Paralympics in London sind schon vor der ausverkauften Eröffnungsfeier am Mittwoch bekannt: 400-Meter-Läufer Oscar Pistorius mit seinem viel diskutierten Doppelstart, der frühere Formel-1-Pilot Alex Zanardi bei seinem Comeback im Handbike und Olympiasiegerin Ilke Wyludda mit dem Diskus.

„Das i-Tüpfchen meiner Karriere”

Die Fahne bei der Eröffnungsfeier trägt Schwimmerin Daniela Schulte aus Berlin. Die 30-Jährige, die bereits zum vierten Mal an Paralympics teilnimmt, hat durch einen Gendefekt seit ihrem neunten Lebensjahr nach und nach ihr Augenlicht verloren. „Es ist das i-Tüpfelchen meiner Karriere und ich freue mich sehr“, sagte Schulte. 1996 in Atlanta hatte sie als jüngste Teilnehmerin mit 14 Jahren zwei Goldmedaillen und Silber gewonnen. In Sydney 2000 und in Peking 2008 kamen je einmal Silber und Bronze hinzu. 2003 legte sie ihre Karriere nach der Geburt ihrer Zwillinge für vier Jahre auf Eis, weswegen sie auch in Athen 2004 nicht am Start war.

„Die internationale Professionalisierung geht schneller voran als uns lieb ist, so dass wir manchmal denken, nicht mithalten zu können“, gibt Beucher zu. Während die Briten mit einer Finanzspritze in den Leistungssport der Behinderten von 60 Millionen Euro in der Nationenwertung an China vorbeiziehen wollen, könnte das junge deutsche Team mit Achtungserfolgen auf sich aufmerksam machen. Schlechter als Platz elf wie 2008 soll es aber nicht werden. Mit 150 Athleten und 100 Betreuern ist das deutsche Team um 20 kleiner als vor vier Jahren. Die bekanntesten sind die mehrfachen Siegerinnen Marianne Buggenhagen und Kirsten Bruhn (42). Nach ihrem Rücktritt vor vier Jahren greift die 59-jährige Buggenhagen bei ihren sechsten Paralympics im Kugelstoßen nach Edelmetall.

Tickets sind heiß begehrt

Das Fernsehen will so viel berichten wie niemals zuvor, die Tickets sind heiß begehrt. „Die Welt hat in Peking begonnen, die Paralympics wahrzunehmen, in London geht's jetzt richtig los“, sagte Philip Craven, Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC). „Es sind mehr als zwei Millionen Eintrittskarten verkauft worden, das zeigt die Wahrnehmung von Behinderten in der Mitte der Gesellschaft“, ergänzte Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes. 4200 Athleten treten an elf Wettkampftagen bis zum 9. September an. „Wir haben uns für Daniela Schulte entschieden, weil sie auf eine sehr erfolgreiche Karriere zurückblicken kann. Zudem ist sie eine sehr sympathische Athletin, die neben ihren Spitzenleistungen auch eine hohe soziale Verantwortung trägt und ihr Privatleben als zweifache Mutter und Ehefrau vorbildlich meistert“, erklärte Karl Quade, der Chef de Mission.

( BMO )