Ex-Neonazi

Drygalla-Freund Fischer droht Freiheitsstrafe

Der Ex-NPD-Mann Michael Fischer soll in Rostock eine Gedenkkundgebung für NSU-Opfer angegriffen haben.

Foto: dpa-Zentralbild

Dem ehemaligen Neonazi Michael Fischer, Lebensgefährte der Ruderin Nadja Drygalla, drohen eine Anklage und im Fall einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe. „Wir ermitteln gegen Herrn Fischer und zwölf weitere Personen wegen des Verdachts des besonders schweren Landfriedensbruchs“, bestätigte die Staatsanwaltschaft Rostock Morgenpost Online.

Dem 24-jährigen Fischer und seinen Gesinnungsgenossen wird vorgeworfen, am 25. Februar 2012 in Rostock eine Gedenkkundgebung für ein Mordopfer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) angegriffen zu haben. Dabei verwendeten die mehrheitlich Vermummten, mutmaßlich Angehörige der Kameradschaft Nationale Sozialisten Rostock, auch Schlaggegenstände.

„Deshalb besteht der Verdacht des besonders schweren Landfriedensbruchs, für den das Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vorsieht“, sagte Staatsanwältin Maureen Wiechmann. Die Ermittlungen (Az.: 418 Js 5340/12) seien noch nicht abgeschlossen. Fischer ließ eine Anfrage von Morgenpost Online bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Keine Sippenhaft

Ruderin Nadja Drygalla war vergangene Woche von den Olympischen Spielen in London abgereist, nachdem bekannt wurde, dass ihr Freund Michael Fischer ein führendes Mitglied der rechten Szene in Mecklenburg-Vorpommern gewesen ist.

Die rechtsterroristische Vereinigung NSU, die auch als Zwickauer Zelle bekannt wurde, soll unter anderem für neun Morde an Kleinunternehmern ausländischer Herkunft sowie den Mord an einer Polizistin in Heilbronn verantwortlich sein. Die Verbrechen wurden zwischen 2000 und 2007 begangen.

Das Bundesinnenministerium teilte indes mit, dass es von Spitzenathleten keine Demokratieerklärung einfordern wolle. Zwar habe es derartige Gedankenspiele auf Arbeitsebene gegeben, jedoch habe sich das Ressort schließlich dagegen entschieden. Ein Sprecher sagte: „Zum einen soll es keine Gesinnungsschnüffelei geben.“ Zum anderen existiere bereits eine Athletenvereinbarung zwischen Sportlern und dem Deutschen Olympischen Sportbund mit einem Bekenntnis zu „demokratischen Grundsätzen“.

Unterdessen forderte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolas Schneider, für Drygalla ein „Recht auf Umkehr“. In Sippenhaft für ihren Freund „darf sie schon gar nicht genommen werden“, sagte Schneider. Allerdings müsse die Umkehr „tatsächlich errungen und ernst gemeint sein, weshalb ich es ein bisschen schade fand, dass sich Frau Drygalla erst so spät geäußert hat“.