Timo Boll schüttelte den Kopf, zuckte mit den Schultern und war den Tränen nahe. Das Ende des Traums von der Olympia-Medaille kam für den deutschen Tischtennis-Star wie ein Blitz.
Der Rekordeuropameister scheiterte gegen Adrian Crisan im Achtelfinale. Wie bereits in Peking 2008, muss Boll die Hoffnung auf seine erste Einzel-Medaille bei einem olympischen Turnier erneut begraben. Dagegen hat es Dimitrij Ovtcharov ins Viertelfinale geschafft. „Die Enttäuschung ist natürlich erst mal riesig. Ich würde am liebsten losheulen“, sagte Boll nach seiner Vorstellung. Er verlor 1:4 gegen den Rumänen Adrian Crisan, der normalerweise für einen Weltklassespieler keine unüberwindbare Hürde ist. Der deutsche Vorzeige-Spieler fügte hinzu, er probiere aber, sich zusammenzureißen.
Seine erste Erklärung für das Aus: „Ich habe einfach keinen Weg gefunden, über mich hinauszuwachsen.“
Bundestrainer ist „brutal enttäuscht“
Bundestrainer Jörg Roßkopf sagte, er sei „brutal enttäuscht“. Boll habe „eine optimale Vorbereitung“ gehabt: „Wir müssen jetzt versuchen, ihn schnell wieder aufzubauen, wir brauchen ihn für die Mannschaft.“ Nach dem Matchball hatte Roßkopf wie versteinert auf seinem Stuhl gesessen. Am Ergebnis gab es nichts zu rütteln: Timo Boll muss nun auf ein Erfolgserlebnis im Teamwettbewerb hoffen. Der 31-Jährige hatte zum Auftakt in London 4:0 gegen die iranische „Wundertüte“ Noshad Alamiyan gewonnen - doch Crisan war überraschend an diesem Abend zu stark. Oder Boll war zu schwach.
Sein Kollege Ovtcharov dagegen, der sogar ohne Satzverlust blieb, spielte stark auf. Er ließ mit zwei hochkonzentrierten Auftritten erst Paul Drinkhall (Großbritannien) und im Abendspiel im Achtelfinale Chen Weixing (Österreich) keine Chance. Der 23-Jährige hat allerdings am Dienstag im wiedererstarkten Ex-Europameister Michael Maze einen harten Brocken vor sich. Der Däne schaltete im Achtelfinale den Weltranglisten-Fünften Jun Mizutani (Japan) überraschend deutlich mit 4:0 aus.
Dabei war Boll mit seiner Premiere in der Londoner ExCel-Arena zufrieden gewesen. „Beim ersten Olympia-Spiel hat man schon Adrenalin in sich, die Sehnen und Muskeln sind angespannt“, sagte der Düsseldorfer. Die fünf Stunden bis zu seinem zweiten Auftritt hatte Boll mit Essen und Ausruhen überbrückt. Böse Erinnerungen an Olympia 2008 wurden wach, als der ehemalige Weltranglisten-Erste nach einer ebenso langen Pause überraschend in der Runde der letzten 16 gescheitert war. „Das ist eine gefährliche Situation, man muss die Spannung hochhalten“, sagte Boll und verlor prompt haushoch gegen Cirsan.
Ovtcharov strotzt vor Selbstbewusstsein
Ovtcharov strotzte dagegen nach seinem makellosen Start vor fast 6000 Zuschauern in London vor Selbstbewusstsein. „Ich habe mich so gut wie noch nie auf ein Turnier vorbereitet“, sagte der Weltranglisten-Zwölfte, der 2008 in Peking zusammen mit Boll und Christian Süß Team-Silber gewonnen hatte.
Bei den Damen schied auch die zweite deutsche Starterin Jiaduo Wu (Kroppach) aus. Die frühere Europameisterin unterlag im Achtelfinale Feng Tianwei 2:4. „Ich habe alles gegeben, deshalb ist es okay. Jetzt konzentrieren wir uns auf die Mannschaft“, sagte die 34-Jährige. Im Team-Wettbewerb trifft Wu mit Kristin Silbereisen und Irene Ivancan am Freitag zunächst auf Australien.
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