Männer Turnen Ringe

Turn-Weltverband verteidigt umstrittene Entscheidung

Die Silbermedaille beim Turnen der Männer für Japan war erneut eine Entscheidung, die am grünen Tisch gefällt wurde.

Foto: DAPD

Der Turnweltverband FIG hat die nachträgliche Notenkorrektur zugunsten des dreimaligen Mehrkampf-Weltmeisters Kohei Uchimura bei beim Turnen der Männern Kunstturner in London verteidigt. „Man muss immer mit Fehlern rechnen, das kennt man ja aus dem Fußball. Zum ersten Mal hat eine solche Korrektur bei Olympia Einfluss auf eine Medaillenentscheidung gehabt, dennoch denke ich, dass unser aktuelles System den Athleten vor Ungerechtigkeiten schützt“, sagte FIG-Generalsekretär Andre Geisbühler.

Nach einem Protest der japanischen Mannschaftsleitung war der Schwierigkeitswert der Seitpferdübung Uchimuras nachträglich um 0,7 Punkte angehoben worden. Dadurch rückten die zuvor viertplatzierten Asiaten noch auf den zweiten Platz hinter Weltmeister China vor. Gastgeber Großbritannien rutschte vom Silber- auf den Bronzerang, die zuvor drittplatzierten Ukrainer gingen leer aus.

Geisbühler bestätigte, dass das zuständige Kampfgericht erst nach zehnmaligem Videostudium zu einer Entscheidung gekommen sei. In der North Greenwich Arena warteten 15.500 Zuschauer, darunter auch die Prinzen William und Harry, eine Viertelstunde lang auf den endgültigen Beschluss der Jury. Alle Übungen werden auf Video aufgezeichnet, der Videobeweis kommt jedoch nur nach einem offiziellen Einspruch zum Tragen.

Deutsche Turner ohne Chance

Die deutschen Turner verpassten die Bronzemedaille dagegen überdeutlich: Philipp Boy war nach seinen Patzern untröstlich, der überragende Fabian Hambüchen analysierte ruhig den für alle enttäuschenden Abend. Die drei Fehler der deutschen Riege waren im olympischen Teamfinale einfach zu viel. Statt der erhofften Medaille reichte es in der Londoner North Greenwich Arena mit 268,019 Punkten nur zu Platz sieben. Von Vorwürfen wollte der Turnstar aus Wetzlar aber nichts wissen. „Wir sind alle nur Menschen, Fehler passieren jedem“, meinte Hambüchen, „aber die Punktzahl, mit der hier Medaillen weggingen, hatten wir im Training schon mehrfach erreicht.“ Boy schüttelte dagegen immer wieder den Kopf und wollte nur noch weg.

Seine völlig verkorkste Saison fand ausgerechnet bei Olympia ihr unrühmliches Ende. In der Qualifikation weit von seiner Bestform entfernt, leistete er sich im Endkampf einen Patzer am Seitpferd und einen erneuten Absturz am Reck – das Ding war gelaufen. „Ich habe seit Herbst vorigen Jahres eine Blockade im Kopf und weiß nicht, wie ich sie lösen kann“, gestand der Vizeweltmeister und erklärte vielsagend: „Ich weiß nicht, ob mir mein Körper irgendwas sagen will.“

„Ich habe weiter wahnsinnige Schmerzen“

Der Cottbuser hatte sich in der Qualifikation eine Einblutung im rechten Sprunggelenk zugezogen und danach Zweifel über die Fortsetzung seiner Karriere geäußert. Boy bekam schmerzstillende Spritzen, sein Start war lange unklar, aber darum ging es ihm nicht. „Ich habe weiter wahnsinnige Schmerzen, doch das Hauptproblem ist nicht der Fuß: Das sind Herz und Kopf“, offenbarte er.

Olympiasieger wurden zum dritten Mal nach 2000 und 2008 die Chinesen (275,997 Punkten) vor Japan (271,952) und den völlig berauschten Briten (271,711). Hambüchen trug es mit Fassung. Deutschlands Vorturner konnte zumindest mit sich mehr als zufrieden sein. Der 24-Jährige überzeugte an allen Geräten und turnte am Reck seine schwierige Übung mit Ausgangswert 7,5 sicher in den Stand.

16,166 Punkte waren der verdiente Lohn, mit denen er gleich ein Zeichen für den Medaillenkampf am Königsgerät setzte. „Es war noch nicht alles perfekt, aber ich habe ja im Mehrkampf und im Reckfinale zu zeigen, was ich kann. Mit meinen fünf Geräten war ich heute zufrieden“, kommentierte Hambüchen, der sich als einziger aus dem Team individuell auf die Spiele vorbereitet hatte und jetzt weiter von Medaillen träumen darf.

Beim Kunstturnen der Männer sind sechs Geräte üblich. In olympischer Reihenfolge sind dies: Boden, Pauschenpferd, Ringe, Sprung (über Sprungtisch, Pferd, Kasten oder Bock), Barren und Reck.

Cheftrainer Andreas Hirsch hatte die Mannschaft gegenüber der Qualifikation auf einigen Positionen dem Final-Modus angepasst, in dem drei Turner an jedes Gerät gingen und auch in die Wertung kamen. So turnten Hambüchen und Marcel Nguyen nicht am Pauschenpferd, Boy verzichtete auf Ringe und Barren. Doch zwei Stürze bei vier Geräten brachten ihn zur Verzweiflung.

Google widmet fünftes Doodle Männer Turnen Ringe

Als fünftes Doodle zu Olympia 2012 schaltete Google am Dienstag eine Zeichnung für das das Turnen an Ringen unter dem Suchstring „Männer Turnen Ringe“ anstelle des üblichen Google-Logos. Dabei hängen die Ringe, an denen die Sportler ihre akrobatischen Übungen zeigen, in 2,75 Meter Höhe. Der Abstand zwischen den Ringen beträgt 50 Zentimeter. Das Ringeturnen ist eine reine Männersportart. Im Gegensatz dazu haben die Frauen das Turnen an einem Schwebebalken gleichgesetzt, was ebenfalls eine Geräteturn-Sportart und Olympische Disziplin ist.

Das fünfte Google Doodle bildet nicht das Geräteturnen in einer Sporthalle ab. Vielmehr wird eine Art Zirkuszelt gezeigt, das nach oben hin geöffnet ist, da man den Sternenhimmel sieht. Im Mittelpunkt der Zeichnung steht der Athlet mit einem scheinbar idealen Körper des männlichen Geräteturners: schmale, wenig trainierte, Beine, dafür ein durchtrainierter Oberkörper mit starken Schultern und muskulösen Armen.

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