Es war ein schöner, sonniger Tag in Peking. Im Stadion vom Chaoyang-Park feierten knapp 10 000 Fans. Und das 0:2 wirkte auch eindeutiger, als die Partie es verdient hatte, schließlich hatten Klemperer und Koreng nach dem 13:21 im ersten Satz den zweiten sehr ausgeglichen bestritten, bevor sie mit 23:25 Olympia auf dem fünften Platz beendeten. "Natürlich sind wir enttäuscht", sagte Koreng, "aber insgesamt müssen wir mit unseren ersten Olympischen Spielen zufrieden sein. Wir haben die Chinesen geschlagen, als keiner mit uns gerechnet hat, wir sind weiter gekommen als alle anderen und wir hatten gegen die Weltmeister einige Mega-Aktionen."
Wenn der Kieler Klemperer (28) und der in Bautzen wohnende Koreng (27) von ihren Spielen berichten, lässt sich der besondere Charakter Olympias erahnen. Athleten staunen über das große Treffen des Weltsports wie Fans und Touristen. So sind Klemperer und Koreng bei der Eröffnungsfeier mit ihrer Videokamera einmarschiert, und haben die neben ihnen spazierenden Pascal Roller aus der Basketball-Nationalmannschaft und Tischtennisspieler Timo Boll interviewt, als wären sie ein Fernsehteam. "Eric hat Timo gefragt, wie er beim Tischtennis seine Rückhand verbessern kann", sagt Klemperer. Koreng hat "eine Gänsehaut bekommen, als das Team China einlief, alle schreien und das ganze Stadion bricht zusammen".
Zwischen den Wettbewerben nach den besten Promifotos jagen
Anschließend hat Klemperer amüsiert beobachtet, "wie gestandene Welt- und Europameister sich mit anderen Sportstars fotografieren lassen wie Touristen". Kollege Koreng hat mit dem befreundeten Österreicher Florian Gosch, mit dem das deutsche Paar auch gemeinsame Trainingslager auf Fuerteventura durchgeführt hat, eine Wette laufen: Wer sich mit mehr Promis fotografieren lässt: Ich und Roger, ich und Kobe, ich und Dirk.
Seit Koreng einmal zu einem glücklichen Zeitpunkt Essen war, hat er in seiner Sammlung sogar einen Schnappschuss mit dem Schweizer Tennisprofi Roger Federer, der eigentlich gar nicht im Olympischen Dorf wohnt. Und mit dem US-Basketball-Star Kobe Bryant gar. "Der ist super entspannt", sagt Klemperer, "aber er hat immer einen Freund dabei, der irgendwann einschreitet, damit es nicht zuviel wird."
"Die mussten Öl trinken und Seepferdchen essen"
Seit sie am Sonntag Abend ein rechtes Spektakel von ihrem Balkon beobachtet haben, sind die beiden Beach-Volleyballer froh, keine Schwimmer zu sein: Die Chlorwasserfraktion pflegt ihre Olympianeulinge zu taufen. Weil die Zeremonie nach Britta Steffens zweiter Goldmedaille im Freien vor dem Wohnblock C9 öffentlich abgehalten wurde, staunten Klemperer und Koreng: "Die mussten Öl trinken und Tabasco auf die Zunge nehmen, sie mussten Seepferdchen essen und marinierte Krähenfüsse und irgendwas, was aussah wie ein rohes Herz", sagt Klemperer, "es war völlig ekelig."
Nun droht den Strandjungs wieder der deutsche Alltag mit seinem größten Ereignis, das nun piefig und klein wirkt: Deutsche Meisterschaften in Timmendorf an der Ostsee. "Das hier", schwärmt Klemperer, "hat Lust auf mehr gemacht."





