Mit diesem Erfolg hatte wohl niemand gerechnet – der neue Berliner Schwimmstar Britta Steffen vielleicht am wenigsten. Die 23-Jährige aus Schwedt hat am Sonntag ihren zweiten Gold-Coup bei den olympischen Schwimm-Wettbewerben in Peking gelandet. Zwei Tage nach dem Triumph über 100 Meter gewann die Berlinerin auch über 50 Meter Freistil und holte das neunte Gold für die deutsche Mannschaft.
„Einfach nur Hammer“, sagte Steffen nach ihrem Sieg in Europarekord-Zeit vor der 41-jährigen Amerikanerin Dara Torres. Steffen schwamm bei ihrem Sieg in 24,06 Sekunden Europarekord. „Das ist gigantisch“, sagte sie. „Einfach nur Hammer.“ Wenn ihr jemand vor den Spielen gesagt hätte, dass sie in China zweimal Gold gewinnen würde, hätte sie entgegnet: „Träum weiter!“
Die erste Goldmedaille war ihr wichtig: „Danach war alles Zugabe“, sagte sie in der ARD. Sie habe sich nicht einmal mehr ein- und ausgeschwommen. Jetzt wisse sie. „Wenn sie etwas 100prozentig will, dann kriege ich das auch“, sagte die 23-Jährige nach ihrem Sieg über 50 Meter. „Diesmal hatte ich auf dem Startblock nie das Gefühl, dass andere besser sind als ich. Jetzt weiß ich, das ist Quatsch. Ich kann es",
ARD-Expertin Franziska van Almsick meinte nach Steffens Sieg: „Gigantisch, unglaublich. Sie hat so eine Lockerheit bekommen, das ist großartig.“
20 Jahre nach dem Olympiasieg von Kristin Otto in Seoul holte Steffen das zweite deutsche Gold auf der 50-Meter-Strecke. Steffen ließ jedoch die Frage nach einer Fortsetzung ihrer Karriere offen: „Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich weitermache oder nicht. Ich muss jetzt erst mal feststellen, wo ich bin und wo ich hin will. Dafür muss ich tief in mich hineinschauen“, sagte die Doppel-Olympiasiegerin. Ihre Gedanken will die Berlinerin im Urlaub ordnen. „Ich will mich erst mal treiben, die Seele baumeln lassen“, sagte Steffen.
„Es gibt im Schwimmen immer neue Herausforderungen, das sieht man ja an Michael Phelps. Obwohl ich so etwas sicher nicht erreichen will.“ Der US-Amerikaner hatte am neunten Wettkampftag Geschichte geschrieben, als er mit der US-Lagenstaffel sein achtes Gold in Peking gewann und seinen 1972 in München sieben Mal erfolgreichen Landsmann Mark Spitz in der olympischen Bestenliste hinter sich ließ.
Britta Steffen rätselt wie andere darüber, dass Michael Phelps unaufhaltsam von Sieg zu Sieg und von Gold zu Gold schwimmt. „Man kann sich gar nicht vorstellen, dass so etwas geht“, sagte sie. Das sei schon „wie ein Automat“. Doch die Leistungen von Phelps sind für die Berlinerin schlicht „gigantisch“.
„Ich weiß nicht, ob man sich bei der achten Goldmedaille noch so freuen kann“, sagte sie über den 23-jährigen Amerikaner, der seit Peking mit 14 Mal Gold erfolgreichster Olympionike der Geschichte ist. Sie selbst sei froh, „wenn man sich einmal richtig freuen“ könne.
Einen intensiveren Kontakt hatten die beiden Goldmedaillen-Gewinner in der chinesischen Hauptstadt nicht, und auch Small-Talk gab es keinen. „Mein Englisch ist so schlecht, da halte ich lieber die Klappe“, sagte Britta Steffen. Die Ein-Mann-Show des Superstars aus den USA ordnete sie auf eine spezielle Weise ein: „Das ist ja für ihn wie eine Landesmeisterschaft.“
dpa/hed



