Morgenpost Online: Frau Steffen, Sie haben an der Schulter Ihrer früheren Mannschaftskollegin Franziska van Almsick Freudentränen vergossen. Im Gegensatz zu ihr haben Sie Olympiagold geholt...
Britta Steffen: Die Menschen sind verschieden. Franzi ist eine außergewöhnliche Sportlerpersönlichkeit, die ich sehr respektiere, die Unglaubliches geleistet hat. Sie stand viel mehr in der Öffentlichkeit. Ich habe nie unter so einem Druck gestanden wie sie.
Morgenpost Online: Allerdings hatten auch Sie im Vorfeld öfter über die hohe Erwartungshaltung geklagt. Wie haben Sie diese im olympischen Finale ausgeschaltet?
Steffen: Das Feld war erstklassig besetzt, außerdem war mein Staffelrennen nicht so überragend. Ich stand also gar nicht so sehr unter Druck. Zudem habe ich viel mit meiner Mentaltrainerin geredet. Als ich einmarschiert bin, war ich wie in Trance.
Morgenpost Online: Sie lagen beim Wechsel nur auf dem achten und letzten Platz, ziemlich abgeschlagen. War das so geplant?
Steffen: Es war ziemlich lustig, neben Lisbeth Trickett (Olympiazweite aus Australien – d.R.) zu schwimmen. Ich wusste, dass sie sehr schnell angehen würde und dass meine Stärke eher auf der zweiten Bahn liegt. Am Ende bin ich mit Augen zu geschwommen und habe mich nicht ablenken lassen.
Morgenpost Online: Wie nervös waren Sie denn vor dem größten Rennen Ihrer Karriere als Schwimmerin?
Steffen: Der Wecker war zwar auf 7.25 Uhr gestellt, aber ich bin 2.00 Uhr aufgewacht und konnte nur schlecht wieder einschlafen. In Gedanken bin ich immer wieder das Rennen geschwommen. Halb sieben war ich dann komplett wach, habe Musik gehört und gelesen.
Morgenpost Online: Sie haben in olympischer Rekordzeit 53,12 Sekunden gewonnen. Ärgert es Sie ein wenig, dass Sie den Weltrekord von Lisbeth Trickett nicht zurückerobern konnten?
Steffen: Mein Freund hat mir gesagt: „Der Weltrekord ist das eine, aber einen Olympiasieg kann dir keiner mehr nehmen.“ Da hat er Recht.
Morgenpost Online: Sie haben die bislang einzige deutsche Medaille für den deutschen Schwimmsport geholt. Warum schwimmen die anderen hinterher?
Steffen: Alle haben sich Mühe gegeben, aber im Sport gibt es nun mal Sieger und Verlierer. Ich hoffe, dass das Ergebnis eine große Lehre ist, und dass es dann zu einer großen Stärke in den nächsten Jahren führen wird.




















