Wie ernst die Lage ist, war schon vor Anpfiff in der Ostkurve zu lesen. „Volle Verantwortung für die Fahne auf der Brust! Abstiegskampf annehmen!“, stand da auf einem Banner. Eine Botschaft, die allerspätestens 90 Minuten später bei den Profis von Hertha BSC angekommen sein sollte. 1:2 (0:1) gegen den FC Schalke 04, die achte Heimniederlage in dieser Saison, die sechste Pleite in der Rückrunde.

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„Wir haben eine verbesserte Leistung gezeigt, aber wieder verloren“, fasste es ein resignierter Fabian Reese zusammen und warf damit nur noch kurz einen Blick auf das Debakel des Berliner Fußball-Zweitligisten in der vergangenen Woche in Elversberg (0:4).
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Als Reaktion darauf hatte Trainer Stefan Leitl seine Startelf auf drei Positionen umgestellt. Kapitän Toni Leistner ersetzte Michal Karbownik, woraus eine neue Abwehrformation entstand. „In der Dreierkette verfallen wir nicht so sehr in das Mann-gegen-Mann“, erklärte Herthas Chefcoach seine Entscheidung. „Wir wollen Struktur und gute Kommunikation auf dem Platz.“
Offensiv bekam Michael Cuisance nach zwei Spielen als Joker einen Platz in der Anfangsformation, verdrängte Derry Scherhant. Statt Florian Niederlechner sollte Luca Schuler die Torflaute der Berliner beenden. „Wucht, Größe, Tempo, Physis“, nannte Leitl die Attribute, die für einen Stürmerwechsel gesprochen hatten.
Diego Demme fehlte wieder einmal im Kader, diesmal aber nicht wegen einer Verletzung. „Wir wollten noch eine weitere offensive Option haben“, sagte Leitl mit Verweis auf Youngster Luca Wollschläger (22), der erstmals seit der Relegation 2022 im Profi-Aufgebot auftauchte.
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70.159 Zuschauer im Berliner Olympiastadion
An den offensiven Optionen sollte es bei allerbestem Frühlingswetter im fast vollbesetzten Olympiastadion (70.159 Zuschauer) auch nicht mangeln. Vielmehr an der Durchschlagskraft der Berliner Abteilung Attacke – in einem Duell, das sich nach Bundesliga anhörte, aber Abstiegskampf in Liga zwei war.
In einer noch recht ereignisarmen ersten Hälfte nutzten die Gäste aus Schalke die erste und einzige Torchance. Ein Eckball von Paul Seguin segelte in den Berliner Strafraum, Hertha-Keeper Tjark Ernst flog drunter durch, Schalkes Tomas Kalas gewann das Kopfballduell gegen Linus Gechter und köpfte ein (27. Minute). Das 17. Gegentor nach einem Standard für den Hauptstadtklub.
Deyovaisio Zeefuik hatte noch per Kopf die Möglichkeit zum Ausgleich (40.), verpasste aber nach einer Hereingabe von Reese. Ein Bild, das sich im zweiten Durchgang gleichen sollte. Wieder Flanke Reese, wieder setzte Zeefuik den Ball nur ans Außennetz (69.).
Maza trifft Ba, Schiedsrichter Gerach gibt Elfmeter
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich das Spielgeschehen aber schon mehrfach gedreht. Kurz nach der Pause bediente Zeefuik den losstürmenden Reese. Der Flügelspieler ließ Schalkes Kalas aussteigen und vollendete selbst zum Ausgleich. Loris Karius, der gefeierte Schlussmann der „Königsblauen“, hatte keine Chance (51.).
Die Freude über den ersten Treffer unter Stefan Leitl und das erste Tor seit 308 Minuten sollte nicht allzu lange währen. Nur zwei Minuten später setzte Ibrahim Maza im eigenen Strafraum zur Grätsche an, spielte erst den Ball, traf im zweiten Versuch dann aber auch Schalkes Pape Meissa Ba. Schiedsrichter Timo Gerach ließ den VAR checken und blieb bei seiner Entscheidung: Elfmeter. S04-Kapitän Kenan Karaman trat an und verwandelte sicher (55.).
Danach war Hertha zwar die spielbestimmende Mannschaft, hatte hochkarätige Chancen durch Zeefuik (69.), Reese (75.) oder den eingewechselten Wollschläger (84.), verfehlte den Kasten aber immer knapp. „Wir nutzen die Chancen nicht und stellen uns hinten zu dämlich an“, monierte Kapitän Toni Leistner. „Das darf so nicht passieren. Wir hatten vorn so viele Möglichkeiten, die müssen wir einfach über die Linie drücken.“
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Eine Meinung, die auch Chefcoach Leitl teilte, der engagiert gestikulierend an der Seitenlinie auf- und ablief. „Aktuell brauchen wir zu viele Hundertprozentige“, sagte der 47-Jährige. „Aber wenn du die Tore nicht machst, darfst du keine Gegentore bekommen. Wir müssen disziplinierter spielen, besser verteidigen. Heute waren es aber vor allem individuelle Dinge, die zur Niederlage geführt haben.“
Zur sechsten Niederlage im siebten Spiel – und der neuerlichen Erkenntnis, dass es bald ganz düster in Westend aussehen könnte. Sollte Eintracht Braunschweig im Derby am Sonntag gegen Hannover 96 gewinnen, hätte Hertha nur noch einen Zähler Vorsprung auf Relegationsplatz 16.
„Jeder hat den Abstiegskampf angenommen“, versicherte Leistner, „das heißt es jetzt auch für die letzten neun Spiele.“







