Stefan Leitl konnte nicht mehr hinschauen. Geblendet von der Sonne kniff der Trainer von Hertha BSC die Augen zusammen und rieb sich mit der flachen Hand über die Stirn. Nicht nur das gleißende Licht bereiteten dem 47-Jähirgen am Sonntag Kopfschmerzen. Auch das, was seine Mannschaft in den vorangegangen 90 Minuten bei der SV Elversberg fabriziert hatte. 0:4 (0:4) – eine Demütigung sondergleichen. Ein desolater Auftritt, der den Berliner Fußball-Zweitligisten in den Abstiegskampf zieht.

Montag
Immer Hertha-Newsletter
Bestellen Sie hier den wöchentlichen Newsletter zu Hertha BSC
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
„Uns haben alle Grundtugenden gefehlt“, monierte Fabian Reese. „Wir waren in allen Mannschaftsteilen unterlegen.“ Chefcoach Leitl blickte nach seinem zweiten Spiel beim Hauptstadtklub sofort nach vorn: „Wir wussten im Vorfeld, dass es keine einfache Situation ist, das haben wir heute bestätigt bekommen. Jetzt müssen wir punkten, um in dieser Liga zu bleiben.“
Auch interessant
Hertha BSC mit höchster Zweitliga-Niederlage seit 1990
Vier Punkte Vorsprung sind es nur noch auf Eintracht Braunschweig und Relegationsrang 16, Preußen Münster lauert mit drei Punkten Rückstand schon auf Platz 15. „Wir müssen dieser Wahrheit ins Gesicht gucken“, forderte Reese. „Keiner kann es mehr schönreden, es sind jetzt die Wochen der Wahrheit. Wir brauchen Siege.“
Einen solchen gab es zum sechsten Mal in Folge auch deshalb nicht, weil Elversberg mit einer Effizienz auftrat, gegen die Hertha keine Mittel fand. SVE-Trainer Horst Steffen sprach von einem „fantastischen Spiel“ seiner Mannschaft.
Die höchste Zweitniederlage der Berliner, seit einem 1:5 im Mai 1990 bei der SG Wattenscheid 09, war bereits nach den ersten 45 Minuten besiegelt. In einer völlig unzureichenden ersten Hälfte offenbarten die Gäste massive Unzulänglichkeiten und wurden nur sich selbst gefährlich.
Dardai und Gechter mit einem Arbeitstag zum Vergessen
Erst bekam Muhammed Damar, der gebürtige Berliner im Dress der SVE, im Zentrum zu viel Platz und lief nach einem Zuspiel von Maurice Neubauer allein aufs Tor zu. Weder Deyovaisio Zeefuik noch Keeper Tjark Ernst konnten Gegentor Nummer eins verhindern (11. Minute).
Auch interessant
Dann klärte Marton Dardai eine Hereingabe der Hausherren nicht sorgfältig genug. Der Ball landete wieder beim Gegner, der durch Robin Fellhauer abzog (29.). Acht Minuten später war es Tom Zimmerschied, der einen Chipball von Elias Baum ebenfalls per Chip über Hertha-Torhüter Ernst ins Netz beförderte (37.).
Und zu allem Überfluss brachte Linus Gechter in der Nachspielzeit seinen Gegenspieler Lukas Petkov regelwidrig zu Fall. Schiedsrichter Frank Willenborg zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt. Eine Entscheidung, die der VAR bestätigte. Semih Sahin trat an und vollendete (45.+4).
Toni Leistner bringt inklusive Fünferkette mehr Stabilität
Drei Torschüsse, ein Elfmeter, vier Gegentore – Hertha hatte zu diesem Zeitpunkt rein gar nichts gezeigt. „Da war viel dabei von dem, was wir nicht sehen wollen. Es hat wenig funktioniert“, erklärte Leitl, der nach der Pause umstellte.
Toni Leistner und Diego Demme kamen für Pascal Klemens und Florian Niederlechner in die Partie. Hertha setzte auf eine Fünferkette, um den Totalausfall in der Defensive aufzufangen. „Dann hat man gesehen, dass zumindest das Engagement da war“, befand Leitl. Der Trainer hatte in der Halbzeit an die Ehre seiner Spieler appelliert, wie Reese nach der Partie verriet. „Es war eine desolate Vorstellung, die nicht in Worte zu fassen war“, gab der Flügelspieler die Ansage seines Übungsleiters wieder.
Die Hoffnung, an die Vorstellung vom vergangenen Wochenende, an das 0:0 gegen Nürnberg anknüpfen zu können, zerschlug sich früh. Stattdessen zeigte Hertha eine besorgniserregende Leistung, die zu viele Mängel offenbarte.
- Testspiel-Doppelpack: Gleich mehrere Profis verpassen neuen Schwung
- Überraschende Entwicklung: Wie sich die Leihprofis von Hertha BSC in der Fremde schlagen
- Immer Hertha News: Aktuelles rund um Hertha BSC im Blog
- Meinung: Wer bei Hertha BSC der große Gewinner des erfolgreichen Saisonstarts ist
- Kolumne Immer Hertha: Wie mit Hertha BSC inzwischen Politik gemacht wird
- Podcast: Döner-Lohn dank Thorsteinsson
Die mitgereisten Fans stellen Support nach 0:3 ein
Fehlende Zweikampfhärte, fehlende Konzentration, fehlenden Ideen, fehlende Mentalität. Mit der Situation, im unteren Teil der Tabelle festzustecken, statt um die Aufstiegsplätze mitzuspielen, kommt ein Großteil des Kaders offensichtlich nicht zurecht.
„Es wird wichtig sein, dass wir jetzt die richtigen und passenden Worte finden“, nahm sich auch Trainer Stefan Leitl in die Pflicht. Dass es nicht allein die Personalie an der Seitenlinie war, die für die unzureichenden Leistungen in dieser Saison verantwortlich ist, wurde in Elversberg noch einmal besonders deutlich.
Mehr über Hertha BSC lesen Sie hier.
Die 1600 mitgereisten Fans, die die 700 Kilometer lange Reise aus der Hauptstadt ins Saarland auf sich genommen hatten, waren schon nach dem 0:3 verstummt. Und hatten auch nach Schlusspfiff nicht mehr viel zu sagen.







