Sie lagen sich jubelnd in den Armen. Verschwitzt, abgekämpft und überglücklich. Diese drei Punkte auf dem Betzenberg, die hatte sich Hertha BSC am späten Sonnabend hart erarbeitet. In einem wilden Topspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern hieß es am Ende 4:3 (1:2) im Fritz-Walter-Stadion.

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„Das war brutal“, bilanzierte Doppeltorschütze Luca Schuler. „Es hat auf dem Feld wahnsinnig viel Spaß gemacht, mit dem glücklichen Ende für uns. Trotz allem auch verdient, finde ich. Ein geiler Fußball-Abend für alle.“

Es war Spiel eins nach den Irrungen und Wirrungen der Transferperiode. Nach einer letzten turbulenten Woche, in der sich Stammspieler verabschiedeten, Leistungsträger blieben und Verstärkung andockte.

Veränderter Kader offenbart neue Chancen

Vor allem die Abschiede von Haris Tabakovic und Marc Kempf schmerzten das blau-weiße Herz. Und warfen zumindest im Fall von Innenverteidiger Kempf die Frage auf, wer die Lücke füllen würde, die der Abwehrchef hinterlassen hat. Trainer Cristian Fiél entschied sich für Marton Dardai.

„Unser Kader ist groß, unser Kader hat Qualität und wir werden versuchen, das aufzufangen“, sagte der Spanier, der Kempf gern behalten hätte. „Wir haben offen miteinander geredet. Solche Situationen können im Laufe einer Transferperiode entstehen“, erklärte Sportdirektor Benjamin Weber auch zum Austausch mit dem Chefcoach. „Wir sind nun mal in einer wirtschaftlichen Situation, in der wir auf Transfererlöse angewiesen sind.“

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Die hat Hertha erwirtschaftet – auch dank etlicher Spieler, die ablösefrei nach Berlin gewechselt waren. So wie Luca Schuler. Der Stürmer, der sich schon beim Heimsieg gegen Jahn Regensburg (2:0) als Tabakovic-Ersatz versuchen durfte, bekam gegen Kaiserslautern eine neue Chance.

Trubel nach Eckbällen, Gechter-Patzer wird bestraft

Diesmal wusste der 25-Jährige diese Möglichkeit zu nutzen. 28 Minuten waren gespielt, als Schuler eine Hereingabe von Jonjoe Kenny mit dem Kopf versenkte – 1:0, auch wenn FCK-Keeper Julian Krahl mit der Hand noch dran war.

Schulers erstes Tor im Trikot der Blau-Weißen sollte allerdings schnell wieder egalisiert werden – ein erster Hinweis darauf, was dieser Abend noch bereithalten sollte. Nach einer Ecke herrschte ordentlich Trubel in Herthas Strafraum, bis der Ball bei Lautern-Mittelfeldmann Philipp Klement landete, der mit einem Schlenzer ins lange Eck vollendete (32.).

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Ein Rückschlag für die Fiél-Elf, die nach den jüngsten Transfers nicht nur in der Abwehr umgestellt wurde. Michael Cuisance kehrte in die Startformation zurück, teilte sich die Arbeit auf dem rechten Flügel mit Kenny. Auch Ibrahim Maza, der erst am Freitag seinen Vertrag verlängert hatte, tauchte auf Rechtsaußen hin und wieder auf. Marten Winkler saß dafür auf der Bank.

Schuler schnürt seinen ersten Doppelpack für Hertha BSC

Eine unkonventionelle Lösung für den Flügel, die aber durchaus funktionierte. Problematisch war eher die Abstimmung in der Defensive. Nach einem Patzer von Linus Gechter, dessen Pass zu Diego Demme viel zu kurz geriet, schnappte sich Klement den Ball und legte ab auf Aaron Opoku. Der Stürmer vollendete kurz vor dem Pausenpfiff (45.).

So turbulent wie die erste Hälfte endete, ging der zweite Durchgang weiter. Michal Karbownik sprintete Richtung Strafraum, steckte den Ball durch auf Derry Scherhant, der von der linken Seite vollstreckte – 2:2 (51.). Der Ausgleich in einem temporeichen Spiel, das dem Beinamen Topspiel absolut gerecht wurde.

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Und weil die Kombination zu Anfang der Partie schon so exzellent funktioniert hatte, arbeiteten Kenny und Schuler noch einmal zusammen. Cuisance sah den herbeieilenden Kenny auf der rechten Seite, der nimmermüde Engländer flankte und fand erneut Schuler, der seinen ersten Doppelpack schnürte (64.). Die erneute Führung, die wieder nur vier Minuten Bestand haben sollte.

Isländer Thorsteinsson feiert Debüt für Hertha BSC

Diesmal nutzte Boris Tomiak das etwas schlampige Abwehrverhalten von Deyovaisio Zeefuik und beförderte den Ball mithilfe der Schulter von Tjark Ernst ins Tor (68.). Zu diesem Zeitpunkt war das Spiel nur noch ein Hin und Her von Strafraum zu Strafraum, ein offener Schlagabtausch mit einer hochkarätigen Chance nach der anderen.

Da ging beinahe unter, dass Jon Dagur Thorsteinsson sein Debüt für Hertha feierte. Doch der Isländer fügte sich gleich so gut ein, dass er fast zweimal den nächsten Treffer für die Berliner vorbereitete. Aber eben nur fast.

Auch Cuisance feiert seinen Premierentreffer in Blau-Weiß

Stattdessen legte sich Cuisance die Zweitverwertung nach einer Ecke vor und traf in einer mittlerweile völlig irren Partie zum 4:3 (79.). Das erste Pflichtspieltor für den Franzosen in Diensten von Hertha und nach dem Schuler-Doppelpack die zweite Premiere eines rasanten Abends.

Am Ende blieb vor allem festzuhalten, dass Hertha eine völlig neue Mentalität präsentierte. Nach Rückschlägen zurückzukommen, war keine Stärke der vergangenen blau-weißen Jahrgänge. Eine Qualität, die in dieser Saison noch sehr wertvoll werden kann.

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