Die Feierlichkeiten vor der Ostkurve zogen sich. Der Freudentaumel in Blau-Weiß war einfach noch zu frisch. Erst in der 90. Minute war Hertha BSC am Sonnabend gegen Jahn Regensburg auf die Siegerstraße abgebogen. Das 2:0 (0:0), der erste Erfolg dieser Zweitliga-Saison, musste also ausgiebig bejubelt werden.

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„Wir mussten Geduld haben bis zum Schluss. Aber dann haben wir uns spät, aber nicht ganz unverdient belohnt“, erklärte Sportdirektor Benjamin Weber. Der 44-Jährige hatte aufregende 36 Stunden hinter sich, als er am Sonnabend ins Stadion kam.
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Tabakovic-Abschied hängt noch über dem Verein
Der Abgang von Toptorjäger Haris Tabakovic zum Bundesligisten TSG Hoffenheim war innerhalb weniger Tage über die Bühne gegangen. Ein Transfer, „auf den wir gern verzichtet hätten“, wie Weber noch einmal erklärte. „Trotzdem ist unsere wirtschaftliche Situation so, dass wir auf Transfereinnahmen angewiesen sind.“
Sportlich stand über dem Heimspiel gegen Aufsteiger Regensburg somit die große Frage, wer den Torschützenkönig der Vorsaison ersetzen würde. Das Spiel war also so etwas wie ein Casting – für die Rolle des Tabakovic-Nachfolgers.
Wie schwer es ist, sich nach dem Abgang des bosnischen Nationalspielers umzustellen, war Anfang der zweiten Hälfte zu sehen. Auf der Videowand. Da stand der Name Tabakovic noch in Großbuchstaben vermerkt, als die Aufstellung der Berliner angezeigt wurde. Doch so schnell wie sich der gebürtige Schweizer verabschiedet hatte, verschwand auch die fehlerhafte Anzeige.
Hertha BSC legt einen Hochgeschwindigkeitsstart hin
„Auf der Neun habe ich die Qual der Wahl“, wusste Trainer Cristian Fiél. Die Entscheidung des Spaniers fiel auf Luca Schuler. „Für mich war nach den Eindrücken klar, dass ich Luca bringe. Er ist einfach der Spieler, der in die Tiefe geht, den Ball dort fordert.“
Das tat der 25-Jährige auch von der ersten Sekunde an. Nach nur vier Minuten schoss Schuler aus aussichtsreicher Position drüber, dann machte er es zu kompliziert und kam im Strafraum nicht zum Abschluss (5. Minute).
Ein Hochgeschwindigkeitsstart für die Berliner, nach dem die 42.355 Zuschauer erst einmal kurz durchatmen mussten. „Wenn er das Tor am Anfang macht, läuft es für ihn auch anders. So läufst du hinterher. Der Junge hat Qualität und wir werden noch viel Freude an ihm haben“, war sich Chefcoach Fiél sicher.
Rot für Regensburg ist der Wendepunkt
Für Schuler war nach gut einer Stunde und keiner weiteren Torchance Schluss. „Am Ende zählt der Sieg, ob ich dazu beigetragen habe oder nicht, ist nebensächlich“, so der Stürmer, der bei seinem Startelf-Debüt dennoch einen vielversprechenden Eindruck hinterlassen hat.

Für ihn kam Florian Niederlechner. Der Routinier, der Allrounder im Kader des Hauptstadtklubs. Und der 33-Jährige stand auch gleich im Mittelpunkt des Geschehens. Als Regensburgs Mansour Ouro-Tagba in der 76. Minute angerauscht kam und Herthas Angreifer rüde abräumte, spielten die Gastgeber in Überzahl weiter. Rot für den 19-Jährigen vom SSV Jahn.
Schwarzer Tag für Regensburg-Keeper Gebhardt
Die Initialzündung für ein Spiel, das – vor allem wegen Temperaturen jenseits der 30 Grad – über gut 60 Minuten fast komplett eingeschlafen war. Hertha kannte nur noch eine Richtung, fuhr Angriff um Angriff Richtung Regensburgs Tor. Sehr zum Leidwesen von Keeper Felix Gebhardt, der zum Pechvogel der Partie werden sollte.
Der genesene Michael Cuisance passte den Ball in den Strafraum, wo er Ibrahim Maza fand. Der Youngster spielte Doppelpass mit Jonjoe Kenny und beförderte den Ball beinahe von der Auslinie ins Tor – dank Gebhardt, der entscheidend ablenkte und schließlich als Eigentorschütze gelistet wurde.
In der sechsten Minute der Nachspielzeit legte Niederlechner nach, zog von der Strafraumkante ab. Der Ball rutschte Jahn-Torhüter Gebhardt an der Seite vorbei und landete mithilfe des Pfostens im Netz. „Da hatte ich ein bisschen Glück“, erklärte Herthas Torschütze. „Aber ich habe mir das Glück erarbeitet, weil ich Vollgas gebe. Als Stürmer sind Tore wichtig.“
Niederlechner erzielt seinen ersten Treffer in der Liga
Zwei davon hatte er schon am vergangenen Wochenende im Pokal bei Hansa Rostock erzielt. Jetzt folgte der erste Saisontreffer in der Liga. Argumente in eigener Sache.
„Ich tue alles dafür, dass ich so viele Spiele wie möglich von Anfang an mache“, so Niederlechner. „Schau’n wir mal, wie es der Trainer in den nächsten Spielen machen wird.“ Teil zwei des Stürmer-Castings steigt am kommenden Sonnabend, im Topspiel beim 1. FC Kaiserslautern (20.30 Uhr, Sport1 und Sky).





