Meterweit flogen die Tennisbälle aus der Ostkurve. Über die blaue Bahn hinweg – bis auf den Rasen. Zwanzig Minuten lang. Dann hatte Schiedsrichter Daniel Schlager keine Lust mehr auf das Theater und bat die Mannschaften in die Kabine. Das Topspiel der Zweiten Liga am Sonnabend zwischen Hertha BSC und dem Hamburger SV pausierte.

Selbst als Trainer Pal Dardai persönlich an der Ostkurve vorstellig wurde, beruhigte sich die Lage nicht. Auch mehrere Durchsagen des Stadionsprechers blieben ungehört. „Die Kritik ist angekommen, jetzt lasst die Mannschaft weiterspielen, ich bitte euch, das ist für die Spieler jetzt keine leichte Situation“, erklärte Fabian von Wachsmann mehrfach.

Die Uhr wird auf Minute 53 zurückgesetzt

Der Grund für die ungewohnt kleinen Bällen, die teils sogar mit Schleudern auf den Platz flogen: Protest gegen den Investoreneinstieg in der Deutschen Fußball-Liga (DFL). In allen deutschen Stadien sind und waren an diesem Wochenende Aktionen geplant. Doch keine führte zu einer solch ausufernden Unterbrechung wie am späten Sonnabend im Berliner Olympiastadion.

In der 53. Minute hatte Schlager die Partie gestoppt, in der 82. Minute kehrten die Mannschaften zurück. Die Uhr wurde zu Minute 53 zurückgesetzt – und weiter ging‘s.

Pal Dardai kehrt zum 4-2-3-1 zurück

Immerhin bekamen die 58.013 Zuschauer danach endlich etwas Sportliches geboten. Nach einer wenig unterhaltsamen ersten Hälfte hieß es am Ende 1:2 (0:0).

Hertha-Trainer Dardai hatte sein Personal im Vergleich zum Pokal-Aus am Mittwoch gegen Kaiserslautern (1:3) auf vier Positionen getauscht. Tjark Ernst kehrte für Marius Gersbeck ins Tor zurück. Andreas Bouchalakis ersetzte Marton Dardai, Palko Dardai feierte nach viereinhalb Monaten sein Startelf-Comeback und verdrängte Deyovaisio Zeefuik. Marten Winkler durfte für Derry Scherhant ran.

Die Konsequenz: Zurück ins 4-2-3-1. Das Experiment der Fünferkette, mit dem Dardai im Pokal hatte anfangen lassen? Gescheitert. Trotzdem hatte Hertha offensiv erst mal wenig bis gar nichts anzubieten. Man konzentrierte sich aufs Verteidigen – und gelegentliche Befreiungsschläge in die gegnerische Hälfte. Dass es mit 0:0 in die Pause ging, war der Fahrlässigkeit der Hamburger zu verdanken.

Hertha BSC bietet in der ersten Hälfte wenig an

Nach einer Flanke köpfte HSV-Stürmer Andras Nemeth an die Latte, der Abpraller landete vor den Füßen von Teamkollege Laszlo Benes, dessen Versuch aber von Florian Niederlechner von der Linie gekratzt wurde (17. Minute). Pech für die Gäste aus der Hansestadt, Glück für die Hausherren aus der Hauptstadt.

Herthas Keeper Ernst war in dieser Szene mit dem Kopf an den Pfosten geprallt. Ein Schockmoment, auf den bald Entwarnung folgte. Nach kurzer Behandlungspause konnte der 20-Jährige weitermachen. Und war auch zur Stelle, als ein Kopfball von Stephan Ambrosius in seine Richtung flog (36.).

Eine eigene zaghafte Annäherung mit dem Tor des Gegners gab es vor dem Pausenpfiff dann aber doch noch. Nach einer Niederlechner-Flanke stand Haris Tabakovic in der Mitte bereit. Sein Kopfball prallte aber an den Pfosten (42.).

Alle Hoffnungen ruhen auf Reese

Die vier Minuten Nachspielzeit in Durchgang eins hätte es angesichts des Unterhaltungswertes der Partie wahrlich nicht gebraucht. Weil aber schon in der 26. Minute Dutzende Tennisbälle aus dem Gästeblock geflogen waren, ließ Schiedsrichter Schlager nachsitzen.

Und so kam es wie im Pokal. Alle Hoffnungen ruhten auf Fabian Reese. 50 Minuten lang feierte der Schlüsselspieler des Hauptstadtklubs am Mittwoch sein Comeback. 50 Minuten lang hatte er versucht die lahmgelegte Offensive der Berliner zu beleben. Vergeblich.

Am Sonnabend bekam er nur 30 Minuten, war aber ein wenig erfolgreicher. Die Führung des HSV durch Miro Muheim (57.) glich Reese mit seiner starken Vorarbeit, die Tabakovic abstaubte, aus. 1:1 (62.). Ein Ausgleich, der allerdings nicht bis zum Ende Bestand haben sollte.

Hamburg klettert in der Tabelle auf Rang zwei

Nach einer Flanke von Hamburgs Immanuel Pherai köpfte Ludovit Reis den Ball mit voller Wucht aus gut acht Metern ins Netz (82.). Das konnte dann auch Reese nicht mehr kontern.

Der HSV kletterte dank des Sieges auf Rang zwei, direkt hinter Stadtrivale St. Pauli. Hertha wartet weiter auf den ersten Sieg im Jahr 2024 und bleibt zumindest bis Sonntagnachmittag auf Platz zehn. Dann könnte die SV Elversberg noch vorbeiziehen.