Um 22.46 Uhr war der große Traum vom Pokalfinale geplatzt. Die Spieler von Hertha BSC blickten enttäuscht zu Boden, hilfesuchend zum Himmel oder vergruben ihren Kopf in den Trikots. 1:3 (0:2) gegen den 1. FC Kaiserslautern im Viertelfinale des DFB-Pokals. Halbfinaleinzug verpasst – und damit auch die Riesenchance auf das erste Endspiel im heimischen Olympiastadion.

„Das ist total enttäuschend. Der Traum ist geplatzt“, erklärte Sportdirektor Benjamin Weber. „Wir wollten etwas erreichen, wir wollten eine Runde weiterkommen. Aber wir sind nicht gut ins Spiel gekommen, haben die Energie, die uns das Stadion geben sollte, nicht auf den Platz gebracht.“

Es war eine emotionale Partie für den Berliner Fußball-Zweitligisten. Das zelebrierten auch die Fans, die vor Anpfiff eine große Choreo präsentierten. „Wir Herthaner“ stand in großen Buchstaben über die Ostkurve verteilt. Umrahmt von Bannern mit der Aufschrift: „Lasst uns diese Gemeinschaft pflegen und stärken, um daraus Kraft zu gewinnen, die uns nicht nur träumen, sondern auch Ziele erreichen lässt.“

Emotionale Choreo und berührende Worte von Bernsteins Frau

Ein Satz, den Präsident Kay Bernstein zum Jahreswechsel auf X, vormals Twitter, gepostet hatte. Das Pokalfinale im eigenen Stadion, das wollten sie in Westend allein schon für ihren verstorbenen Vereinsboss im Bereich des Möglichen halten.

Das hatte auch die Witwe des 43-Jährigen am Mittwoch noch erklärt. Im Klub-Newsletter meldete sich Eileen Bernstein-Rose mit emotionalen Worten: „Nicht nur uns hat Kay täglich mit seiner bedingungslosen Liebe als Ehemann und Papa berührt, sondern auch euch, mit dem von ihm eingeschlagenen Berliner Weg, für Hertha BSC“, schrieb sie: „Also lasst uns den Berliner Weg bitte gemeinsam weitergehen! Für Kay, für Hertha BSC – im Herzen! Doch heute heißt es erst mal: Sieg! Und somit Kays und unserem Traum vom Pokal ein Stück näherkommen! Ihr seid da, ich bin da.“

Schon nach fünf Minuten kassiert Hertha BSC das erste Gegentor

Eileen Bernstein-Rose verfolgte die Partie von der Tribüne des ausverkauften Olympiastadions aus. Doch das, was sie und die 74.244 anderen Fans zu sehen bekamen, ließ die Chancen auf das Halbfinale beträchtlich schrumpfen.

Schon nach fünf Minuten schlug der Ball im Berliner Tor ein. Ex-Unioner Tymoteusz Puchacz leitete einen herausgeköpften Freistoß in den Strafraum zurück, wo Jan Elvedi zum Einschuss bereitstand. 0:1 aus Hertha-Sicht (5. Minute) – ein herber Dämpfer.

Und wer auf eine Reaktion hoffte, wartete vergeblich. Der Hauptstadtklub fand keine Antworten, fühlte sich in seinem neuen System sichtlich unwohl. Trainer Pal Dardai hatte angesichts mangelnder Flügelspieler auf Fünferkette umgestellt. Eine Formation, die der Ungar im Winter-Trainingslager in Spanien einstudieren ließ.

Berliner fühlen sich im neuen System nicht wohl

Im Vergleich zur Liga-Niederlage am vergangenen Sonnabend in Wiesbaden (1:3) veränderte der Coach seine Startelf zudem auf zwei Positionen. Marius Gersbeck feierte sein Pflichtspieldebüt zwischen den Pfosten. Florian Niederlechner kehrte nach seiner Rotsperre zurück, verdrängte Andreas Bouchalakis auf die Bank.

Die ungewohnte Formation führte allerdings zu einer Menge Unsicherheit. Hertha fehlten Ideen und Lösungen – gegen ein Kaiserslautern, das weit davon entfernt war, ein übermächtiger Gegner zu sein. Die gesamte Offensive wirkte wie abgeschnitten vom Rest des Teams. Im Mittelfeld klaffte ein großes Loch.

Das nutzten die Gäste aus Rheinland-Pfalz gnadenlos aus. Gersbecks Abschlag landete beim Gegner, zwei schnelle Pässe nach vorn und Richmond Tachie netzte unbehelligt von Marton Dardai ein (38.). Der gebürtige Berliner im Trikot der „Roten Teufel“ feierte seinen Treffer per Salto, während Herthas Profis bedröppelt danebenstanden. 0:2 – eine erhebliche Hypothek für Durchgang zwei.

Reese feiert Rückkehr und trifft – kann aber auch nichts mehr retten

Weil aber auch Trainer Dardai nicht verborgen geblieben war, dass seine Mannschaft so nicht funktionierte, stellte er nach der Halbzeit um. Viererkette, Niederlechner auf die Zehn, Bouchalakis für Deyo Zeefuik auf die Doppelsechs und – ganz entscheidend – die Einwechslung von Fabian Reese.

Und so stand ein Team auf dem Platz, das überhaupt nichts mehr mit dem Konstrukt aus Hälfte eins zu tun hatte. Allein in den ersten fünf Minuten strahlte Hertha mehr offensive Gefahr aus als im gesamten ersten Durchgang. Vor allem dank Reese, den sie suchten, fanden und schmerzlich vermisst hatten.

Doch die hochkarätigen Chancen von Haris Tabakovic (48.) ans Außennetz, Niederlechner (60.) und Aymen Barkok aus der Distanz (66.) sowie von Jonjoe Kenny von der Strafraumkante (67.) führten nicht zum ersehnten Erfolg. Stattdessen legte Kaiserslautern nach einem schlampigen Rückpass von Bouchalakis nach und erhöhte durch Filip Kaloc (69.). Reeses Treffer kam zu spät (90.+1).