Hertha BSC

Hertha feiert einen geglückten Jahresabschluss

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Inga Böddeling
Die Torschützen Wilfried Kanga (l.) und Marco Richter feiern den dritten Saisonsieg von Hertha BSC.

Die Torschützen Wilfried Kanga (l.) und Marco Richter feiern den dritten Saisonsieg von Hertha BSC.

Foto: Boris Streubel / Getty Images

Hertha gewinnt im letzten Spiel des Jahres gegen Köln und überwintert deshalb außerhalb der Abstiegszone.

Berlin.  Kevin-Prince Boateng setzte zu einem kleinen Tänzchen an. Dodi Lukebakio und Wilfried Kanga freuten sich mit ihren Kids. Und der Rest der blau-weißen Meute ließ sich vor der Ostkurve einfach nur feiern. Nach dem 2:0 (1:0) gegen den 1. FC Köln vor 60.827 Zuschauern im Olympiastadion herrschte bei Hertha BSC kollektive Erleichterung. Über den dritten Saisonsieg, über das erste Heimspiel ohne Gegentor, über Platz 15 statt Abstiegszone. Aber vor allem über den geglückten Abschluss im letzten Spiel dieses Bundesliga-Jahres.

„Wir sind überglücklich, die drei Punkte feiern zu können“, erklärte Marco Richter, der das 2:0 erzielt hatte. „Es ist gut, mit einem positiven Gefühl aus dieser Saisonhälfte zu gehen.“ Trainer Sandro Schwarz war ähnlich heilfroh. „Es war ein leidenschaftlicher Fight meiner Mannschaft“, sagte der 44-Jährige. „Die drei Punkte waren wichtig heute. Ich bin sehr stolz auf die Jungs.“

Kanga mit seinem zweiten Treffer für Hertha BSC

Es stand eben viel auf dem Spiel. Boateng hatte vor dem Spiel eine emotionale Ansprache in der Kabine gehalten. „Er hat uns richtig Feuer unterm Hintern gemacht“, wie Richter erzählte. Nach dem Aufwärmen machte die Mannschaft noch einen Abstecher in die Ostkurve. Signal: Ohne euch geht’s nicht. Zusammenhalt wurde auch auf der Bank demonstriert: Selbst der verletzte Stevan Jovetic (Zerrung) saß im beigen Mantel am Spielfeldrand.

Allerdings nicht allzu lange. Neun Minuten waren gespielt, als Kanga, für Selke in die Startelf rotiert, den Ball per Kopf einnickte – 1:0. Vorausgegangen war ein Einwurf von Kapitän Marvin Plattenhardt, den er von Richter wieder bekam und per Flanke in die Mitte servierte. Kanga nahm die Vorlage dankend und ungehindert an.

Das zweite Saisontor des ivorischen Stürmers nahm etwas Druck vom blau-weißen Kessel. Köln aber hatte den Karnevalsauftakt am Freitag ganz ohne Kater überstanden und spielte munter mit. Gleich dreimal hatte Hertha Glück, dass der Ausgleich nicht fiel.

Köln vergibt gleich drei Großchancen

Erst hebelte Sargis Adamyan den Ball unerklärlicherweise aus allerkürzester Distanz über die Latte (15. Minute), dann bekam Keeper Oliver Christensen nach einer Ecke doch noch eine Hand an den Ball (23.), ehe Linton Maina den leeren Kasten nur um Zentimeter verpasste (25.).

Der Hauptstadtklub hatte sich eine kleine Verschnaufpause gegönnt, riss sich dann aber wieder zusammen. Nach einem langen Abwurf von Christensen lief sich Lukebakio auf der rechten Seite frei, flankte in die Mitte und fand Kanga. Herthas Angreifer konnte aber nicht nachlegen, weil noch ein Kölner Fuß dazwischen war (28.).

Da war Ivan Sunjics Chance zum 2:0 größer. Der Kroate, der Suat Serdar zum ersten Mal in dieser Saison auf die Bank verdrängte, wurde kurz vor dem Pausenpfiff von Lukebakio bedient, bekam aber nicht genug Druck auf den Ball (45.).

Richter trifft nach Vorlage von Toptorjäger Lukebakio

Und als die Berliner mit dem Kopf schon in der Kabine waren, lag der Ball plötzlich im eigenen Tor. Benno Schmitz hatte einen Abstoß von Christensen abgefangen und auf Maina durchgesteckt. Der stand aber deutlich im Abseits. Der Ausgleich zählte also nicht (45.+2).

Das Glück, was sie in den vergangenen Wochen in Westend vergeblich gesucht hatten, es war am Sonnabend da. Und so saß Jovetic in der zweiten Halbzeit wieder nur neun Minuten auf der Bank, ehe sich die nächste blau-weiße Jubeltraube bildete.

Lukebakio setzte sich auf der linken Seite durch, passte aus spitzem Winkel in die Mitte. Köln-Keeper Marvin Schwäbe schob sein Bein dazwischen. Dann aber stand Richter goldrichtig und zimmerte den Ball aus zehn Metern zum 2:0 in die Maschen (54.).

Plattenhardt verletzt, Lukebakio im neuen Jahr gesperrt

Als auf der Videotafel die Zwischenergebnisse der anderen Bundesliga-Partien angezeigt wurden, ging plötzlich ein Raunen durchs Olympiastadion. Bochum führte gegen Augsburg – das 2:0 war also doppelt wichtig. Bei Niederlage oder Remis drohte jetzt der direkte Abstiegsplatz.

Dass Hertha stattdessen über der roten Zone überwintern darf, war am Ende einer Mischung aus Kampfgeist, Willen und Glück zu verdanken. Und der Tatsache, dass Köln der Berliner Führung nicht mehr viel entgegensetzen konnte. Steffen Baumgart – trotz der kühlen Temperaturen im T-Shirt – tobte vergeblich an der Seitenlinie.

Zwei Wermutstropfen hatte der glückliche Jahresabschluss dann aber doch: Plattenhardt musste nach 24 Minuten ausgewechselt werden, hatte muskuläre Probleme im Adduktorenbereich. Für den Kapitän kam Maxi Mittelstädt.

Und dann war da noch die Gelbe Karte gegen Lukebakio, die sich Herthas Toptorjäger in der 62. Minute nach einem Foul einhandelte. Es war die fünfte Verwarnung für den Flügelspieler, der zum Auftakt in die zweite Saisonhälfte am 21. Januar (15.30 Uhr) beim VfL Bochum zuschauen muss.

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