Bundesliga

Andere Vereine holen Hertha BSC bei der Jugendarbeit ein

Hertha BSC galt lange als erfolgreichster Ausbildungsverein. Andere Klubs wie der nächste Gegner Köln haben inzwischen aufgeholt.

Maximilian Mittelstädt (l.) und Jordan Torunarigha (r.) wurden bei Hertha ausgebildet und sind nun Leistungsträger bei den Profis.

Maximilian Mittelstädt (l.) und Jordan Torunarigha (r.) wurden bei Hertha ausgebildet und sind nun Leistungsträger bei den Profis.

Foto: Jan Huebner/Taeger via www.imago-images.de / imago images/Jan Huebner

Berlin. Als Davie Selke (25) im Sommer 2017 nach Berlin kam, folgte er mit seiner Vereinswahl einem strikten Karriereplan. Angebote hatte er auch andere vorliegen, der Stürmer entschied sich aber bewusst für Hertha BSC, weil, wie er sagte, „hier die besten Voraussetzungen herrschen, sich als junger Spieler durchzusetzen“.

So wie Selke, der inzwischen bei Werder Bremen spielt, sahen es viele junge Fußballer. Hertha hatte sich in den vergangenen Jahren zu einer beliebten Adresse für ambitionierte Fachkräfte entwickelt, die nach einem geeigneten Umfeld für die eigene Fortbildung suchten. Es lockte die Aussicht auf Spielzeit bei einem Bundesligisten, und zum guten Ruf der Berliner trug auch bei, dass es immer wieder Talente aus der eigenen Nachwuchsabteilung zu den Profis schafften. Die Durchlässigkeit war im Vergleich zu anderen Bundesligisten hoch.

Bei Hertha haben sich die Dimensionen verschoben

Inzwischen möchte Hertha BSC kein reiner Ausbildungsverein mehr sein. Die Ansprüche haben sich verschoben durch den Einstieg des Investors Lars Windhorst, der dem Klub 224 Millionen Euro zukommen ließ. Aus dem Verkäufer Hertha BSC ist ein Käufer geworden. Allein in der vergangenen Winterpause gab der Verein 80 Millionen Euro aus. Gekommen sind dafür zwar auch nur jüngere Spieler, aber nicht mehr mit dem primären Ziel, diese in zwei, drei Jahren gewinnbringend zu veräußern. Sie sollen Hertha in die Spitzengruppe der Bundesliga führen – und nach Europa.

So weit die Zukunftsvisionen. Die Realität ist aber noch eine andere, sie lautet Abstiegskampf. Um den erfolgreich zu bestreiten, wäre ein Sieg am Sonnabend gegen den 1. FC Köln (15.30 Uhr/Sky) sehr wichtig. Köln gilt als direkter Konkurrent, mit einem Erfolg könnte Hertha den Abstand zum Relegationsplatz weiter vergrößern. Momentan beträgt die Differenz neun Punkte.

Kölns Coach Gisdol setzt auf drei große Talente

Dass die Gäste mittlerweile auf einem Nichtabstiegsplatz stehen, hat auch mit Trainer Markus Gisdol (50) und dessen Bereitschaft zu tun, ähnlich wie Hertha auf eigene Talente zu setzen. Seit er Mitte November den Posten des Cheftrainers übernahm, stellte er Ismail Jakobs (20), Jan Thielmann (17) und Noah Katterbach (18) regelmäßig auf. Alles Spieler, die aus der eigenen Nachwuchsabteilung stammen und im Fall von Thielmann und Katterbach sogar noch bei den Junioren auflaufen könnten. Sie haben mit guten Leistungen dazu beigetragen, dass sich die Kölner aus dem Tabellenkeller befreien konnten.

Hertha schien den Fokus auf die eigenen Talente in den vergangenen Wochen unter Jürgen Klinsmann (55) etwas zu verlieren, gegen Paderborn standen nach dessen Abschied in Person von Maximilian Mittelstädt (22), Arne Maier (21) und Jordan Torunarigha (22) aber wieder drei hauseigene Internatsabsolventen auf dem Platz.

Karim Rekiks Bruder drängt in Herthas Profimannschaft

Michael Preetz möchte verhindern, dass andere Klubs wie Köln Hertha in Zukunft den Rang ablaufen, wenn es um die Förderung der eigenen Spieler geht. „Wir werden weiterhin großes Augenmerk auf unsere Ausbildungsarbeit legen“, sagt Herthas Manager. Nur dürfte es für begabte Fußballer bei Hertha immer schwerer werden, bei den Profis Fuß zu fassen.

Die Konkurrenzsituation hat sich durch die neuen finanziellen Möglichkeiten erheblich verschärft. An den teuren Zugängen vorbeizukommen, wird nicht einfach für kommende Generationen. „Wir wollen das weiter sehr, sehr pflegen und fördern, allein der letzte Schritt ist der schwierigste“, sagt Preetz. Die besten Aussichten, es Mittelstädt, Torunarigha oder Maier in Zukunft gleichzutun, besitzen Lazar Samardzic (17) und Omar Rekik (18), der Bruder von Abwehrspieler Karim Rekik (25), die beide schon regelmäßig mit den Profis trainieren.

Herthas Stürmer Kalou prüft Wechsel in die MLS

Dort könnten sie bald einen prominenten Trainingspartner verlieren. Salomon Kalou (35) beschäftigt sich derzeit intensiv mit einem Wechsel in die nordamerikanische Major League Soccer (MLS). Dorthin können Spieler noch bis zum 5. Mai wechseln. „Das ist die Liga, die meines Wissens nach Sala am meisten interessiert. Nach dem, was ich weiß, prüft er gerade Optionen mit seinem Berater in diese Richtung“, sagt Manager Preetz.

Kalou, der von Jürgen Klinsmann aussortiert wurde und auch unter dessen Nachfolger Alexander Nouri (40) keine Rolle spielt, ist auch gegen Köln keine Option. Im Kader wird der Ivorer aller Voraussicht nach nicht stehen. Herthas Hoffnungen ruhen in der Offensive eher auf Spielern wie Krzysztof Piatek (24) oder Matheus Cunha (20). Junge Spieler, für die Hertha zuletzt viel Geld ausgegeben hat.

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