In der gespielten Empörung über seinen geklauten ersten Treffer für Hertha BSC wechselt Matheus Cunha blitzschnell von seiner portugiesischen Muttersprache ins Deutsche. „Das ist mein Tor, das ist unglaublich“, echauffiert sich der 20 Jahre alte Brasilianer augenzwinkernd am Dienstag.

Bei seinem ersten Einsatz für den Berliner Fußball-Bundesligisten hatte Cunha direkt sehenswert per Hacke zum 2:1 beim SC Paderborn getroffen. Da der Schuss aber von Paderborns Abwehrspieler Jamilu Collins abgefälscht wurde, wertete die Deutsche Fußball Liga (DFL) Cunhas Treffer als Eigentor.

Doch auch ohne erstes eigenes Erfolgserlebnis deutete der diesen Winter von RB Leipzig gekommene Stürmer an, auf welche Qualität der Hauptstadtklub hoffen darf. „Er ist technisch ein unheimlich guter Spieler, er hat einen sehr guten Abschluss, ist laufstark, hat einen guten Tempowechsel“, lobte Hertha-Coach Alexander Nouri am Dienstag. „Er arbeitet fürs Team, das hilft uns.“

Matheus Cunha kam, als Jürgen Klinsmann ging

Cunha war für rund 18 Millionen Euro noch unter Trainer Jürgen Klinsmann geholt worden. Als er vergangene Woche nach der erfolgreichen Olympia-Qualifikation mit Brasiliens U23 in Berlin landete, hatte der Weltmeister von 1990 bereits seinen spektakulären Rücktritt verkündet. Cunha beteuerte, dass er nicht nur wegen Klinsmann in die Hauptstadt gewechselt sei, „sondern wegen Hertha“. Der Kurzzeit-Chefcoach sei dafür allerdings „auch wichtig“ gewesen.

Vor anderthalb Jahren war Cunha vom FC Sion zu RB gewechselt, konnte sich diese Saison aber nicht im Team von Julian Nagelsmann durchsetzen. Bei Hertha will er die Tradition brasilianischer Lieblinge wie Marcelinho, Alex Alves und Raffael fortsetzen, dabei aber eigene Akzente setzen. „Jeder Spieler hat seine eigene Geschichte. Ich weiß, was sie gemacht haben“, sagte Cunha. „Ich möchte meine eigene Geschichte schreiben. Ich glaube fest daran.“

Matheus Cunha träumt von Olympia in Tokio

Cunha war zuletzt mit insgesamt fünf Treffern maßgeblich daran beteiligt, dass die U23 seiner Heimat den Sprung zu den Olympischen Spielen im Sommer in Tokio geschafft hatte. Beim entscheidenden 3:0 über Argentinien vor anderthalb Wochen hatte er zwei Tore erzielt.

Nun träumt Cunha auch von der Teilnahme an den Sommerspielen. „Die Nationalmannschaft ist sehr wichtig für alle, besonders für einen Brasilianer. Wenn man das gelbe Trikot anhat, ist man super happy“, sagte der 20 Jahre alte Stürmer am Dienstag in Berlin.

„Ich hoffe, dass ich wieder eingeladen werde und dass ich die Erlaubnis (von Hertha) bekomme.“ Vorher gelte es aber, für den Hauptstadtklub gute Leistungen zu zeigen. Und dann auch wirklich den ersten eigenen Treffer zu erzielen.

dpa