Bundesliga

Lars Windhorst steigt mit 125 Millionen Euro bei Hertha ein

Investor Windhorst: „Wir wollen Geld verdienen.“ Hertha BSC hat den Unternehmenswert von 2014 bis heute auf 450 Millionen verdoppelt.

Lars Windhorst, der neue Investor bei Hertha BSC .

Lars Windhorst, der neue Investor bei Hertha BSC .

Foto: Foto: BREUEL-BILD/Reetz / pA

Berlin. Bei Hertha BSC bricht eine neue Zeitrechnung an. Wieder dreht der Fußball-Bundesligist an einem neuen, wieder größerem Finanz-Rad. 125 Millionen Euro sind in die Klubkasse geflossen. Mit dieser Summe hat der Finanz­investor Lars Windhorst (42) 37,5 Prozent der Anteile an der Hertha BSC Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) erworben. Zudem hat Windhorst über seine Beteiligungsgesellschaft Tennor die Möglichkeit, seine Anteile auf 49,9 Prozent zu einem höheren Preis aufzustocken. Über den bisher größten Finanz-Deal der Bundesliga-Geschichte hatte zuerst der „Spiegel“ berichtet.

Die Verantwortlichen beim Hauptstadt-Klub sind stolz. „Ein guter Tag für Hertha BSC“, sagte Präsident Werner Gegenbauer. „Ein Meilenstein für die Zukunft von Hertha BSC“, sagte Torsten-Jörn Klein, der Vorsitzende des Aufsichtsrates. „Diese Zusammenarbeit ist richtungsweisend für unseren Verein“, sagte Manager Michael Preetz.

Kopf hinter dem Deal war Finanzchef Ingo Schiller. Der hatte bereits Anfang 2014 den Vertrag mit Finanzinvestor KKR (New York) eingefädelt. Damals erhielt Hertha von KKR 61,2 Millionen Euro und verkaufte dafür 9,7 Prozent der Hertha-Anteile (plus der Option für KKR zum Aufstocken). Es war das erste Mal, das sich ein Private-Equity-Unternehmen in der Bundesliga engagiert hatte.

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Lars Windhorst bei Hertha: Wert des Klubs klettert von 220 auf 450 Millionen

Das Interessante an dem neuen Deal: Grund­lage 2014 war ein Unternehmenswert von Hertha von 220 Millionen Euro. Nun, im Sommer 2019, wird Herthas Unternehmenswert auf 2019 auf 450 Millionen Euro taxiert. Anders gesagt: Obwohl die Blau-Weißen seit Jahren sportlich im Liga-Mittelfeld mitschwimmen, hat sich der Marktwert verdoppelt.

Das bilden die Zahlen ab: Hertha überwies im November 2018 an KKR 71,2 Millionen Euro für den Rückkauf „von 36,3 Prozent der Anteile, inklusive Optionen“, wie es in einer Hertha-Mitteilung heißt. Diese Transaktion ging vom Bundesligisten aus und nicht, wie in Fan-Kreisen spekuliert wird, von KKR.

Der neue Geldgeber Tennor hat nun 125 Millionen Euro bezahlt. Im Gegenzug erhält Tennor zwei Sitze im Aufsichtsrat der Hertha-KGaA. Darüber hinaus, das beteuern alle Hertha-Verantwortlichen, habe der Investor keinen Einfluss auf sportliche Entscheidungen. Die strategische Partnerschaft ist auf unbegrenzte Zeit angelegt. Schiller, Geschäftsführer Finanzen bei Hertha BSC, sagte: „Ich bin stolz und glücklich, dass sich unsere kontinuier­liche Arbeit bei Hertha BSC bereits so zeitnah nach dem Rückkauf der KKR-Anteile­ bezahlt gemacht hat.“

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Warum engagiert sich Lars Windhorst?

Tradition im Fußball, Mäzenatentum, wie es Dietmar Hopp bei der TSG Hoffenheim macht – damit hat der Unternehmer nichts am Hut. Der „Spiegel“ zitiert Windhorst: „Wir wollen Geld verdienen. Das muss bei unseren­ Investitionsentscheidungen der Hauptgrund sein.“

Der eine oder andere Fan wird hier innehalten: Bisher kostet Profifußball vor allem. Bei Hertha BSC liegen seit Jahrzehnten die Ausgaben zumeist über den Einnahmen.

Lars Windhorst: „Es gibt bei Hertha low hanging fruits“

Doch Hertha lockt mit dem ewigen Dreiklang: Mehr Geld erhöht die Wahrscheinlichkeit auf mehr Tore. Mehr Tore erhöhen die Wahrscheinlichkeit auf mehr Erfolg. Mehr Erfolg erhöht die Wahrscheinlichkeit auf attraktive Sponsoren.

Windhorst sieht reichlich Perspektiven: „Hertha BSC ist eines der attraktivsten Investments, die man in diesem Segment in Europa machen kann.“ Ob Merchandising, Sponsoring oder VIP-Vermarktung – Hertha soll möglichst rasch in neue Dimensionen aufsteigen. Windhorst formuliert­ es so: „Es gibt bei Hertha low hanging fruits.“

Dahinter steckt der Traum, den einst Manager Dieter Hoeneß träumte, ihn aber ebensowenig umsetzen konnte wie seit zehn Jahren das Führungsduo Gegenbauer/Preetz: der Traum von Hertha BSC als einem der Topvereine in Deutschland. Der Hauptstadt-Klub als regelmäßiger Europacup-Starter, als Wettbewerber, der um Titel mitspielen kann. Irgendwann muss sich der Briefkopf „Hertha BSC deutscher Meister 1930 und 1931“ doch aktualisieren lassen.

Was macht Hertha mit dem Geld von Lars Windhorst?

Die 125 Millionen sind bereits beim Klub angelandet. So viel Geld auf einen Schlag hat wohl noch kein deutscher Klub erhalten. Die Summe ist für zwei Zwecke gedacht: Die Berliner haben, auch um KKR auszuzahlen, einen Schuldenberg von etwa 117 Millionen Euro aufgetürmt. Zum 31. Dezember 2018 weist Hertha­ neben einer 40-Millionen-Euro Anleihe (die bis November 2023 läuft) Bankschulden aus in Höhe von 46,2 Millionen Euro, „sonstigen Verbindlichkeiten“ über 25,4 Millionen Euro und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (6,8 Mio. Euro). Nach Morgenpost-Informationen will Hertha seine Verbindlichkeiten deutlich zurückführen.

Und Hertha will, verteilt über die nächsten Jahre, deutlich mehr Geld für Spieler ausgeben. Ziel ist es, so Manager Preetz, „in Reichweite internationaler Plätze zu kommen“.

Wie viel sind die ausstehenden Anteile wert?

Bleibt die Frage, was die ausstehenden Hertha-Anteile wert sind, die Investor Windhorst in der nächsten Saison erwerben wird. Nach heutigem Stand sind 12,4 Prozent 41,9 Millionen Euro wert. Aber es werden ja demnächst die TV-Rechte der Bundesliga von 2021 bis 2025 verhandelt – gut möglich, dass der Wert von Hertha weiter steigen wird.