Kommentar

Herthas 125-Millionen-Deal: Paukenschlag mit Fragezeichen

Hertha BSC geht mit seinem Finanzdeal ein hohes Risiko ein. Fans dürften Bauchschmerzen bekommen, meint Jens Anker.

 Immer, wenn Hertha hoch hinaus wollte, landete der Klub am Ende doch wieder in der Zweiten Liga, meint Jens Anker.

Immer, wenn Hertha hoch hinaus wollte, landete der Klub am Ende doch wieder in der Zweiten Liga, meint Jens Anker.

Foto: dpa/Reto Klar

Berlin. Es war ein unerwarteter Paukenschlag, der weit über die Grenzen Berlins hinaus zu hören war: Hertha BSC verkauft fast die Hälfte seiner Anteile an den Finanzinvestor Lars Windhorst. Der Deal soll zunächst 125 Millionen Euro in die Kassen des Hauptstadtclubs spülen. Den größten Teil davon will der Verein in sein kickendes Personal investieren. Das ist ein großer Schritt für den im Mittelfeld darbenden Bundesligisten. Aber in welche Richtung?

Lesen Sie auch: Lars Windhorst steigt mit 125 Millionen Euro bei Hertha ein

Im Milliardengeschäft Fußball drehen sich die Uhrzeiger schneller als anderswo. Dreistellige Millionensummen für einzelne Spieler und aberwitzige Vereinsübernahmen unter dem Schirm eines korrupten und verstörenden Weltverbandes haben sich in ungeahnte Sphären entwickelt. Wer da oben mitspielen will, der muss ins Risiko gehen. Und das macht Hertha nun.

Denn mit Lars Windhorst steigt ein Investor ein, dem – gelinde gesagt – nicht der beste Ruf vorauseilt. Der umtriebige Unternehmer verfügt über ein unüberschaubares Firmengeflecht, hat schon mehrere Pleiten samt Privatinsolvenz hingelegt und immer wieder verblüffende Comebacks vollbracht.

Hintergrund: Wer ist der neue Hertha-Finanzier?

Das Interesse des 42-Jährigen am Einstieg bei Hertha ist klar: Er will einen schnellen Wertanstieg für seine Anteile erreichen und dann möglichst gewinnbringend weiterverkaufen. An Sport ist der gebürtige Ost-Westfale nicht interessiert. Da helfen auch seine übermittelten Aussagen nichts, Hertha könne zu einem „Big City Club“ wie Real Madrid oder Chelsea London werden.

Im Gegenteil: Wer die Geschicke der Blau-Weißen in den vergangenen Jahrzehnten verfolgt hat, der dürfte angesichts des Deals eher Bauchschmerzen bekommen. Immer, wenn Hertha hoch hinaus wollte, landete der Klub am Ende doch wieder in der Zweiten Liga.