HERTHA BSC

„Ein Umbau des Olympiastadions wäre ein fauler Kompromiss“

Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann über Herthas Stadionpläne, die Probleme von Sohn Jonathan in Berlin und die WM-Chancen der DFB-Elf

Sportliche Architekten des Sommermärchens 2006: Der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann (l.) und sein einstiger Co-Trainer Joachim Löw

Sportliche Architekten des Sommermärchens 2006: Der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann (l.) und sein einstiger Co-Trainer Joachim Löw

Foto: Marius Becker / dpa

Berlin.  Er ist Ehrenmitglied bei Hertha BSC, war im vergangenen Sommer Ehrengast beim festlichen Empfang zum 125. Vereinsjubiläum im ­Roten Rathaus und weilt derzeit so oft in Berlin wie nie: Die Rede ist von Jürgen Klinsmann (53), der regelmäßig in der Hauptstadt vorbeischaut, seitdem sein Sohn Jonathan als dritter Torwart bei Hertha BSC unter Vertrag steht. Deshalb verfolgt Klinsmann, der mit seiner Familie eigentlich in Huntington Beach im Großraum Los Angeles lebt, die Entwicklung von Hertha genau.

In einem „Kicker“-Interview sagte der Teamchef der deutschen Fußball-Nationalmannschaft von 2004 bis 2006 zum Traum der Hertha-Verantwortlichen, ab 2025 in einer Fußball-Arena zu spielen: „Ich wünsche Hertha ein reines Fußballstadion, ein kleines Juwel für 50- bis 60.000 Plätze auf dem Areal neben dem Olympiastadion.“

Kritik der Berliner Trainer wird als Anstacheln empfunden

Bekanntlich untersuchen der Senat und Hertha als Alternative zum Neubau einen Umbau des für die Spiele 1936 ­errichteten Olympiastadions. Auch dazu hat Klinsmann eine klare Meinung: „Ein Umbau des Olympiastadions wäre ein fauler Kompromiss.“

Sohn Jonathan (21) erlebt bei Hertha gerade eine schwere Phase. Aktuell ist der Torwart an der Schulter verletzt, Ende der Woche soll entschieden werden, ob eine Operation nötig ist. Zudem hatte Torwarttrainer Zsolt Petry Klinsmann junior öffentlich kritisiert. Er stagniere bei der Persönlichkeitsentwicklung und müsse seriöser arbeiten.

Papa Klinsmann erzählte dem „Kicker“, er habe sich auf einen Kaffee mit Zsolt Petry zusammengesetzt. „Jonathan ist bei Pal Dardai und Zsolt in guten Händen. Natürlich hat Zsolt recht. Jonathan muss lauter werden, mehr coachen. Wenn ein Trainer so etwas öffentlich sagt, will er dich anstacheln. Das hat ­Jonathan verstanden.“

Lob für Mertesacker und Löw

Bei der WM in Russland sieht der ehemalige Bundestrainer Titelverteidiger Deutschland nicht als Topfavorit. „Wir sind einer der Favoriten, aber nicht der Topfavorit.“ Für Klinsmann zählen auch Brasilien, Argentinien, ­Spanien, Frankreich und Portugal zu den Titelanwärtern.

Klinsmann lobt im „Kicker“ die offenen Worte von Per Mertesacker über den psychischen Druck, den er als Profi empfand: „Da hat Per vermutlich vielen seiner Kollegen aus der Seele gesprochen.“ Ebenfalls gefalle ihm die Leichtigkeit und Offenheit von Joachim Löw, seinem Nachfolger als Bundestrainer. Den Weltmeister-Coach von 2014 könne er sich durchaus auch als Trainer bei einem der Top-fünf-Klubs der Welt vorstellen: „Wenn Real Madrid oder der FC Barcelona bei ihm anklopfen, reizt ihn das vermutlich auch.“