Die Tatsachen liegen auf dem Tisch. Nach dem eindrucksvollen Auswärtssieg in Leverkusen (2:0) enttäuschte Hertha BSC bei der Heimpleite gegen Mainz (0:2) auf ganzer Linie. Wieder einmal vertan die Chance, in die obere Tabellenhälfte einzuziehen. Wieder einmal die Erwartungen der ohnehin nur 30.900 Zuschauer im Olympiastadion enttäuscht. Wieder einmal nach einer guten Leistung eine schwache folgen lassen.

„Diese Achterbahnfahrten, das ist einfach viel zu viel“, haderte Offensivspieler Valentino Lazaro. „Es fühlt sich auf dem Platz einfach scheiße an, so ein Weitschusstor zu bekommen, wo der Ball mit gefühlt fünf Stundenkilometern ins Eck rollt und unseren Plan über den Haufen wirft.“ Einmal in Fahrt legte Lazaro nach: „Mainz war in Zweikämpfen besser als wir. Und wir verballern vorn jede Chance.“

Kritik an der Aufstellung von Skjelbred/Lustenberger

Der Österreicher schimpfte über den seit Monaten miserablen Rasen im Olympiastadion: „Dass wir als Hauptstadt nur so einen Platz zur Verfügung haben, da müssen wir uns schämen.“ Lazaro, im Sommer von RB Salzburg gekommen, wundert sich über die Mentalität bei Hertha: „Wenn wir ­etwas gut machen können, vergeigen wir die Spiele. Aber wenn der Baum brennt, dann sind wir wieder da.“

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Alle Beschreibungen treffen zu. Auch die Kritik vieler Fans ist berechtigt, Trainer Pal Dardai habe in dem Heimspiel mit den eher defensiv ausgerichteten Mittelfeldspielern Per Skjelbred und Fabian Lustenberger das ­verkehrte taktische Signal gegeben.

Weiser fehlt die Power

So klar die Tatsachen, so schwer fällt die Ursachenforschung für die Gründe der Achterbahn-Vorstellungen von Hertha. Was es gibt, sind Gründe, warum manches nicht passt. Trainer Dardai antwortet auf die Frage, warum er gegen Mainz nicht den offensiv­starken Mitchell Weiser in der Startelf aufgeboten habe: „Seitdem Mitch von seiner Verletzung zurück ist, sehe ich nicht, dass er sich anbietet: Es fehlt ­noch etwas bei ihm, die Power, die Kraft.“ Ehe diskutiert werde, ob Weiser am stärksten sei als Spielmacher, als Flügelspieler oder als rechter Außenverteidiger, „muss Mitch sich erstmal selbst finden“, so Dardai.

Ondrej Duda, als Spielmacher geholt, verfügt auch in seiner zweiten Saison in Berlin nach wie vor nicht über die nötige Wettkampfhärte für die Bundesliga. Natürlich schmerzt es in so einer Situation, wenn Youngster Arne Maier mit einem fiebrigen Infekt ausfällt. Es kann sein, dass Maier auch am Sonnabend im Auswärtsspiel gegen Tabellenführer FC Bayern nicht zur Verfügung steht. „Wir sind so weit, dass uns schon ein 19-Jähriger fehlt mit seinem Mut und seiner Spielweise“, sagt Dardai über Maier.

Dardai kündigt Einzelgespräche an

Die Qualität des Kaders stellt der Trainer nicht in Frage, im Gegenteil. „Wir haben eine gute Mannschaft, mit viel Potenzial“, sagte Dardai. „Es ist ein sehr mutiger Weg, aber es ist kein ­einfacher Weg.“ Als Beispiel nannte er Niklas Stark (22) und Jordan Torunarigha (20). Die jüngsten Innenverteidiger der Liga, in Leverkusen bärenstark, boten gegen Mainz „eine Leistung, die weit entfernt war von top“, so Dardai. Diese Schwankungen seien der Preis, der zu bezahlen ist, wenn man auf ­jüngere Profis mit Perspektive setzt.

Wenn das Potenzial gut ist, ist es Aufgabe des Trainerstabs (und der Spieler), dafür zu sorgen, dass das Potenzial einigermaßen regelmäßig auf den Platz gebracht wird. Dardai redet die Lage nicht schön: „Gegen Mainz, das war das schlechteste Heimspiel, in den drei Jahren, in denen ich hier ­Trainer bin.“ Erklärungen, warum es nicht läuft, sind das eine. Gesucht ­werden aber vor ­allem Wege, wie ­Hertha seine Stärken mehr und kontinuierlicher abrufen kann.

Ehe die Frage aufkam, ob der Trainer die Mannschaft noch erreiche, sagte Dardai – seit Februar 2015 im Amt – wie er dieser Gefahr entgehen will: „Wir sollen die Fans und uns nicht anlügen: Wir brauchen 40 Punkte.“ Und ja, nach „drei Jahren, sind wir zu einem Punkt gekommen, wo ich nächste Woche einige Sachen in Einzel­gesprächen besprechen werde. Es gibt einiges anzusagen, was nicht vor der ganzen Mannschaft passieren muss.“

Rasen im Olympiastadion wird gewechselt

Immerhin: Der Rasen im Olympiastadion soll, wenn das Wetter mitspielt, Ende Februar getauscht werden. Ein Wechsel, von dem nicht nur die deutsche Nationalelf im Testspiel gegen Brasilen am 27. März profitieren soll, sondern auch Hertha im nächsten ­Heimspiel gegen Freiburg (10. März).