Die Krawalle im Pokalspiel zwischen Hertha BSC und Hansa Rostock werfen viele Fragen auf. Die Morgenpost versucht, Antworten zu geben.
Wie werden die Vereine bestraft?
Der Kontrollausschuss des DFB hat Ermittlungen eingeleitet. Beide Klubs waren zuletzt mehrfach auffällig geworden. Es droht eine erhebliche Geldstrafe für Hertha sowie Auswärtsspiele ohne eigene Fans. Die Frage ist, ob das dann nur für den Pokalwettbewerb gilt, oder auch für die Bundesliga. Der FC Hansa ist gerade vom DFB-Sportgericht wegen diverser Vorfälle auf den Tribünen zu zwei Auswärtsspielen ohne Anhänger verurteilt worden und spielt auf Bewährung. Daher dürften härtere Strafen folgen. Doch der Gästefan-Ausschluss lässt sich umgehen. Für die Partie beim 1. FC Magdeburg am 9. September sollen FCM-Anhänger 1000 Karte für Rostock-Fans besorgt haben. Das gab es zuletzt auch bei der Partie Heidenheim gegen Braunschweig in der Zweiten Liga.
Warum griff die Polizei nicht ein?
Eine versperrte Tür zur Rostocker Fan-Tribüne soll der Grund für das zurückhaltende Auftreten der Polizei während sein. Wie eine Polizeisprecherin am Dienstag erklärte, haben die Beamten versucht, durch einen Tribünenzugang in den Block zu gelangen. Die Tür sei jedoch mit einem Schloss von innen verriegelt worden. Später sei die Tür gewaltsam geöffnet worden. Durch die Sitzreihen hätten die Beamten nicht vorgehen können, so die Sprecherin. „Ein Eingriff auf einer vollen Tribüne, auf der auch Unbeteiligte sind, ist immer das letzte Mittel.“ 1700 Polizisten und 300 Ordner waren im Einsatz.
Was haben die Spieler während der Unterbrechung gemacht?
Beide Mannschaften mussten in der 76. Minute in die Kabine. Dort wies Hertha-Trainer Pal Dardai sein Team an, sich zu bewegen, um nicht kalt zu werden. Auf Fragen einiger Spieler, ob man nicht besser die Partie abbrechen und nach Hause fahren solle, antwortete der Ungar: „Nein, wir gehen raus, gewinnen, dann fahren wir nach Hause.“ So kam es. Hansas Kapitän Amaury Bischoff sagte später: „Was passiert ist, ist unnormal. Leute, die so etwas tun, müssen Stadionverbot kriegen.“
Wie kamen die Pyrotechnik, Böller und das Hertha-Banner ins Stadion?
Das bleibt zu klären. Der Vorwurf der Rostocker Polizei, wonach Hansa-Offizielle involviert gewesen sein müssen, damit das 30 Meter lange, 2014 aus der Ostkurve im Berliner Olympiastadion gestohlene Hertha-Banner ins Stadion gelangen konnte, muss nicht zutreffend sein. Möglich ist auch, dass ein Mitarbeiter der externen Sicherheitsfirma, welche die Ordner stellte, für die Hansa-Ultras das Banner sowie die Böller, Raketen und Pyrotechnik deponiert hat. Eine Polizeisprecherin berichtete, dass während der Halbzeitpause ein Gegenstand, der vermutlich das Banner war, aus einem verschlossenen, sonst nicht zugänglichen Bereich unter der Südtribüne hervorgeholt worden war.
Ohnehin ist es schwer, die Fans davon abzuhalten, Pyrotechnik und Raketen mit ins Stadion zu bringen. Sie sind klein und einfach zu verstecken. Nur mit Nacktscannern wie auf einem Flughafen ginge das, was allerdings bei der großen Anzahl von Fans kaum umzusetzen und rechtlich schwierig wäre.
Wird man die Schuldigen finden?
Schwierig. Zwar waren HD-Kameras im Einsatz, welche die Zeit auf der Armbanduhr jedes Ultras erkennen können. Aber die Hansa-Chaoten vermummten sich unter einem Banner. Ob unter den gewaltbereiten Hertha-Ultras jemand zu identifizieren sein wird, bleibt abzuwarten. Wenn ja, hat der Verein die Möglichkeit, die Schuldigen strafrechtlich verfolgen zu lassen.


