Nach den Zuschauer-Krawallen beim Pokal-Duell zwischen Hansa Rostock und Hertha BSC hat der DFB-Kontrollausschuss Ermittlungen gegen beide Fußball-Clubs aufgenommen. Die Verantwortlichen des Drittligisten von der Ostsee und des Berliner Bundesligisten zeigten sich hilflos ob der Fan-Eskalation am Montagabend. Bayerns Innenminister äußerte sich schockiert und forderten Konsequenzen. Die Rostocker Polizei erhob schwere Vorwürfe gegen Hansa.
Beim Erstrundenspiel im DFB-Pokal hatten Berliner Anhänger immer wieder Feuerwerkskörper und auch Raketen gezielt Richtung Rostocker Zuschauer gezündet. Die Hansa-Ultras setzten ein vor etwa drei Jahren entwendetes großes Hertha-Banner und Sitze in Brand. Schiedsrichter Robert Hartmann musste die Partie zweimal unterbrechen, einmal für zwei Minuten, in der 76. Minute sogar für 18 Minuten.
"Über vereinseigene Strukturen und mit Wissen von Vereinsoffiziellen"
Es liege „die Vermutung nahe, dass das Banner über vereinseigene Strukturen und mit Wissen von Vereinsoffiziellen ins Stadion gelangen konnte“, sagte Rostocks Polizeichef Michael Ebert am Dienstag. Obwohl die Partie als Hochsicherheitsspiel eingestuft worden war, konnten die Auseinandersetzungen nicht verhindert werden.
Hansa-Vorstandschef Robert Marien sagte: „Wenn man sieht, dass hier 1700 Polizisten und über 300 Ordner unterwegs waren, dass Spürhunde und HD-Kameras im Einsatz sind. Da wird im Bereich der Kontrolle alles getan, was getan werden kann. So etwas kann man sicher nur gesamtgesellschaftlich lösen, nicht allein als Drittligist.“
Zu den Vorwürfen der Polizei sagte er am Mittwoch in einer offiziellen Vereinsmitteilung: „Schuldzuweisungen und pauschale Verurteilungen von Vereinsmitarbeitern und Vereinsoffiziellen unmittelbar in der Nacht der Ereignisse sind sicherlich in keiner Weise hilfreich, dienlich und gerechtfertigt.“
Preetz: "So kann es absolut nicht mehr weitergehen“
Marien will die Vorkommnisse gemeinsam mit Polizei und den Ordnungsdiensten aufarbeiten: „Wie sind die Dinge ins Stadion reingekommen, was haben wir vielleicht falsch gemacht.“ Das aber sei nur eine Maßnahme, das Problem müsse viel großflächiger angegangen werden. „Da muss man präventiv ansetzen.“
Hertha-Manager Michael Preetz sagte: „Das wird alle in den kommenden Tagen und Wochen beschäftigen - Verbände, Vereine, Fans. So kann es absolut nicht mehr weitergehen.“
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann forderte die Vereine auf, sich deutlich von der Ultra-Szene zu distanzieren. „Das hat ja wirklich mit Fußball überhaupt nichts mehr zu tun. Und in der Tat sind da im Ultra-Bereich auch Leute, die natürlich auch Bezüge in die extremistische Szene insgesamt haben“, sagte der CSU-Politiker dem Sat.1-Frühstücksfernsehen, wovon allerdings nur der zweite Satz ausgestrahlt wurde.
Der FC Hansa war gerade vom DFB-Sportgericht wegen diverser Vorfälle auf den Tribünen zu zwei Auswärtsspielen ohne Fans verurteilt worden, spielte zudem auf Bewährung. „Da gibt es 20 bis 50 Vollchaoten, die so weit denken können wie von der Tapete bis zur Wand und machen den Fußball kaputt“, erklärte Marien, dessen Club nun weitere drastische Strafen drohen.
Für die vom Gästefan-Ausschluss betroffene Partie beim 1. FC Magdeburg hatten Hansa-Anhänger bereits angekündigt, die Strafe zu umgehen. Die Fanszene Rostock hatte in einem Brief mitgeteilt, dass die eigentlich für das Spiel am 9. September ausgeschlossenen Anhänger an fast 1000 Eintrittskarten gekommen seien. „Wir haben das zur Kenntnis genommen und prüfen das“, sagte Magdeburgs Pressesprecher Norman Seidler.
In dem Rostocker Brief hieß es: „Gemeinsam mit der Fanszene aus Magdeburg werden wir am 9. September ein Zeichen setzen. Jegliche Rivalität wird an diesem Tage außen vor bleiben und es wird Ziel sein u.a. dieses beispielhafte Urteil ad absurdum zu führen.“ Die Fans sprechen von einer „Bestrafungsspirale des DFB“, welche vom Verband weiter manifestiert werde. Bundesweit wird der DFB derzeit von Fans wegen harter Strafen und Kommerzialisierung kritisiert.
BM/dpa


