Hertha BSC

Plattenhardt wehrt Angriff von rechts ab

Herthas Siegtorschütze gegen den BVB gerät unfreiwillig zum Unterstützer der AfD und distanziert sich klar. Rechtliche Schritte erwägt er nicht.

Marvin Plattenhardt mit Afd-Abgeordnetem Frank Scheermesser (l.)

Marvin Plattenhardt mit Afd-Abgeordnetem Frank Scheermesser (l.)

Foto: Twitter / BM

Berlin.  Marvin Plattenhardt ist kein sonderlich politischer Mensch. Aber so etwas hatte dann doch die Kraft, ihm einen Tag zu vermiesen, der bis dahin so wunderbar gelaufen war.

Am späten Sonnabend erhielt Herthas Linksverteidiger einen Anruf, der die ganze Euphorie des 2:1 gegen Borussia Dortmund samt seines Freistoßtreffers zum Sieg verjagte. Hatte Plattenhardt sich tatsächlich mit diesem AfD-Politiker fotografieren lassen? Was bitte sollte das? Der 25-Jährige öffnete Twitter auf seinem Handy und erblickte dort ziemlich irritiert ein Foto von sich: Es zeigte ihn auf einer Couch im Vip-Bereich des Berliner Olympiastadions kurz nach dem Ende der Bundesligapartie. Neben ihm ein fülliger Mann mit Glatze und Fliegerdaumen für die Kamera. "Unser Abgeordneter mit dem Siegtorschützen. Langsam wird die Serie unheimlich", hieß die Bildbeschreibung. Gesendet von der AfD-Fraktion Berlin.

Herthas Marvin Plattenhardt: "Foto bitte sofort löschen!"

Der Fliegerdaumen-Mann war Frank Scheermesser, früher mal bei der CDU, dann bei der FDP, seit 2013 Mitglied der rechtspopulistischen AfD und heute Chef des Kreisverbandes Friedrichshain-Kreuzberg. Seit 2016 ist er Hinterbänkler im Berliner Abgeordnetenhaus.

Gegenbauer sicherte rechtliche Unterstützung zu

Wer da neben ihm auf dem Sofa saß und um ein gemeinsames Foto bat, hatte Plattenhardt jedoch nicht gewusst. Am Sonntagmorgen sagte er: "Ich habe gleich reagiert und mich distanziert. Ich habe die Person nicht erkannt, und er hat sich auch nicht vorstellt."

Noch am Sonnabend twitterte Plattenhardt an die Adresse der AfD-Fraktion: "Foto bitte sofort löschen! Ich hatte keine Ahnung, wer sich da mit mir fotografieren lässt. Ich distanziere mich klar." Bis Sonntagabend war das Foto mit Scheermesser und Plattenhardt allerdings immer noch zu finden auf der Twitter-Seite der AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Plattenhardt hatte am Sonntag ein Gespräch mit Herthas Präsidenten Werner Gegenbauer, der Unterstützung zusicherte, falls der Spieler rechtliche Schritte einleiten wolle.

Aus Plattenhardts Umfeld ist zu hören, dass man dies allerdings nicht tun werde, "um der Partei nicht noch eine größere Plattform zu bieten". Sonst würde der Hang zum Populismus belohnt.

Auch Kalou wurde schon Opfer der AfD

Bleibt noch die Frage zu klären, warum die AfD ihr Plattenhardt-Foto samt Scheermesser als Fanboy mit dem Hashtag "#Glücksbringer" versah. Scheermesser scheint sich gern als ausgemachter Hertha-Anhänger zu präsentieren. Die AfD wiederum nutzt die Popularität der Berliner Bundesligaprofis für ihre Zwecke.

Bereits am 18. Februar, als Hertha erst in der 96. Minute den 1:1-Ausgleich gegen den FC Bayern im Olympiastadion hinnehmen musste, ließ sich Scheermesser mit Torschütze Salomon Kalou im Vip-Bereich fotografieren. Wieder gab es den Fliegerdaumen. Wieder schaute ein Hertha-Profi ahnungslos in die Kamera. Wieder ein AfD-Tweet: "Bayern einen Punkt abgerungen. Tolle Leistung @HerthaBSC. Unser Abgeordneter war dabei", stand damals unter dem Bild – versehen mit dem Hashtag "#GlücksbringerAfD". Nur bemerkte das keiner.

Nachdem die unsägliche Sache geklärt war, konnte sich Plattenhardt am Sonntag doch noch freuen. Über seinen insgesamt siebten Freistoßtreffer in der Bundesliga. Ein feiner Hieb mit errechneten 98 Stundenkilometern aus 17 Metern in den rechten, oberen Torwinkel war das. Und er hatte eine Vorgeschichte: "Der Trainer hatte mir unter der Woche gesagt, ich solle mal wieder in die Torwartecke schießen." Gesagt, getan. Plattenhardt traf und zeigte Richtung Pal Dardai auf der Trainerbank. "Wir müssen mehr solcher Freistöße herausholen", fand Mitspieler Kalou. "Platte hat da eine Extraqualität." Und demnächst wohl weniger Lust auf Fotos.

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