Bundesliga

Furiose Hertha schlägt Borussia Dortmund

Überragender Spieler für Hertha war wieder einmal Salomon Kalou. Die Berliner können jetzt von der Champions League träumen.

2:1 gegen den BVB: Jubel bei Hertha nach dem Treffer von Marvin Plattenhardt

2:1 gegen den BVB: Jubel bei Hertha nach dem Treffer von Marvin Plattenhardt

Foto: Reuters

Als auch die letzte Patrone des BVB verpuffte, wussten sie es. Diesmal würde es reichen, kein Patzer und kein gegnerischer Geniestreich würde das noch verhindern, auch keine übertrieben in die Länge gezogene Nachspielzeit. In jener Sekunde, als Dortmunds Ousmane Dembélé in der 90. Minute einen Freistoß weit an Herthas Tor vorbeidrosch, setzte sich die Gewissheit im blau-weißen Lager, dass es im dritten Anlauf dieser Saison endlich zu einem Sieg reichen würde gegen den Favoriten. Als dann der Schlusspfiff ertönte, verwandelte sich die Ostkurve in eine einzige Partyzone.

Mit 2:1 (1:0) bezwang der Berliner Bundesligist am Sonnabend den BVB in einem Spiel, das viele denkwürdige Geschichten produzierte. Die von Salomon Kalou etwa, Herthas Angreifer, der beim dramatisch knappen Pokal-Aus in Dortmund mit einem Tor und einem verschossenen Elfmeter zur tragischen Figur avanciert war und diesmal die Führung erzielte (11. Minute). Oder die von Mitchell Weiser, der nach 84 Tagen Verletzungspause sein Comeback gab und als Joker prompt einen Freistoß herausholte, den Marvin Plattenhardt spektakulär zum Sieg verwandelte (71.). In der Vorwoche hatte Plattenhardt mit einem haarsträubenden Ballverlust die Niederlage beim Hamburger SV verschuldet. Nun machte er den Ausgleich durch Pierre-Emerick Aubameyang (55.) vergessen.

"Wir haben uns fest vorgenommen, mehr als ein Tor zu schießen", sagte Kapitän Vedad Ibisevic, der den Führungstreffer vorbereitet hatte. "Eins hat in der Vergangenheit ja nicht gereicht." Im Hinspiel und im Pokal hatten die Berliner jeweils 1:0 geführt, den Vorsprung aber nicht ins Ziel bringen können. Diesmal gelang die Sensation gegen den Champions-League-Viertelfinalisten. Neben reichlich Anerkennung verdiente sich Hertha so auch die Saisonzähler 38, 39 sowie 40 und rückte damit bis auf drei Punkte heran an Dortmunds Champions-League-Rang drei. Hertha ist Fünfter.

Plattenhardt verwandelt einen Freistoß zum Sieg

"Es war bis zur letzten Minute ein Superspiel von uns", sagte Plattenhardt. "Dortmund hat zwar Druck gemacht, aber wir waren griffig und haben mutig nach vorne gespielt. Das war stark." In Zahlen: Hertha hatte 16, der BVB sogar 18 Schüsse Richtung Tor.

"Wenn der Schiri anpfeift, ist Alarm", hatte Herthas Co-Trainer Rainer Widmayer vor dem Spiel prognostiziert, und er sollte Recht behalten. Bis die Berliner erstmals im Dortmunder Sechzehner auftauchten, dauerte es nicht mal 50 Sekunden – bis zum ersten Torschuss der Gäste keine zwei Minuten. Pass Kagawa, Abschluss Schürrle, doch der Weltmeister verzog den Ball gen Marathontor. Zwei Minuten später gleich die nächste Großchance für des BVB: Ecke von rechts, Kopfball Matthias Ginter, knapp drüber.

Hertha ließ sich jedoch nicht beeindrucken. Ibisevic klaute Ginter den Ball, passte auf Kalou, und der Ivorer schob zum 1:0 ein. "Ein wunderschönes Tor", schwärmte Trainer Pal Dardai. Der sechste Saisontreffer des Ivorers, es sollte zugleich der Startschuss einer eindrucksvollen Kalou-Show sein. Wo immer der 31-Jährige auftauchte, sorgte er für Gefahr, sei es mit seinem Distanzschuss, den BVB-Keeper Roman Bürki über die Latte lenkte (15.) oder einem gedankenschnellen Abschluss nach einer Ecke, den Verteidiger Raphael Guerreiro stoppte (16.).

"Mut" und "Zutrauen" waren die beiden Schlüsselbegriffe, die Trainer Dardai seiner Mannschaft nach dem zahnlosen Auftritt der Vorwoche eingebläut hatte. Mit Erfolg. Hertha, zeigte sich kampflustig und bissig, allerdings ohne dabei die defensive Disziplin zu vernachlässigen. Immer wieder stand ein blau-weißes Bein in den Passwegen der Borussia, sorgfältig schliffen die Berliner die Dortmunder Angriffsspitzen ab, trauten sich zudem in Eins-gegen-eins-Situationen. Kurz vor der Pause hatte Kalou sogar die Riesengelegenheit zum 2:0, verpasste eine Hereingabe von Plattenhardt aber um Haaresbreite (45.).

Weiser gibt Comeback und leitet das 2:1 ein

Mit Wiederanpfiff erwachte Dortmund: Toptorjäger Aubameyang schien die Kräfteverhältnisse zehn Minuten nach der Pause geradezurücken. Nach Vorarbeit von Kagawa schoss der Gabuner den Ball aus der linken Strafraumhälfte ins lange Eck – 1:1 (55.). "Dortmund hat 20 Weltklassespieler", sagte Dardai, "du kannst nicht alles verteidigen." Die Chance zum Doppelschlag ließ Aubameyang jedoch aus (69.). Hertha war im Glück.

Mit der Einwechslung des umjubelten Weiser (66.) keimte dann neue Hoffnung. "Er kam zur rechten Zeit", sagte Ibisevic. Mit Chuzpe wagte der Joker ein Solo, das Ginter nur mit einem Foul an der Strafraumkante stoppen konnte. Ideal für Plattenhardt, der den Ball ins Torwarteck zirkelte. Danach fiel Dortmund nicht mehr viel ein, und Hertha hielt diesmal bis zum Ende stand. "Das ist fantastisch", sagte Dardai stolz, "ein geiles Gefühl."

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