Bundesliga

Mit Duda und Weiser kehrt bei Hertha der Zauber zurück

Ondrej Duda und Mitchell Weiser fehlten Hertha lange verletzt. Nun sollen die Kreativspieler den Berlinern ein Trumpf im Endspurt sein.

Ondrej Duda (l.) kam im Sommer für 4,2 Millionen Euro zu Hertha, fehlte dann aber wegen eines Knochenödems im Knie

Ondrej Duda (l.) kam im Sommer für 4,2 Millionen Euro zu Hertha, fehlte dann aber wegen eines Knochenödems im Knie

Foto: dpa Picture-Alliance / City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Der Scout hatte sich bestens platziert. Direkt in Reihe eins, direkt neben einer Trainerbank im Stade Geoffroy-Guichard in Saint Étienne. Prächtige Sicht auf das Spiel zwischen der Slowakei und England bei der EM. Prächtige Sicht auch auf Ondrej Duda, den er bald in seinem eigenen Team würde begrüßen können. Aber das wusste Pal Dardai damals noch nicht.

Die Geschichte, wie Duda und Hertha zueinander fanden, hat auch mit Zufall zu tun. Dardai sagt, mit "Schicksal". Oft wurde erzählt, Herthas Cheftrainer habe den offensiven Mittelfeldspieler selbst entdeckt. Das stimmt nicht. Duda ist ihm gewissermaßen passiert. Dardai war im Juni 2016 als TV-Experte bei der EM. Er sah das 0:0 der Slowaken gegen England, bei dem Duda als Mittelstürmer auflief.

Er fand den 22-Jährigen gut, die Beine und Gedanken flink. Das war das Wichtigste. Aber er dachte dann erst einmal nicht mehr daran. Bis Michael Preetz anrief. "Wir könnten Duda haben. Was denkst du?", fragte Herthas Manager. Dardai dachte "Schicksal" und stimmte zu.

Nur drei Pflichtspiele in achteinhalb Monaten

Achteinhalb Monate später sitzt Ondrej Duda auf einem gelben Hocker in Herthas Geschäftsstelle und schmunzelt über diese Geschichte. Im Fußball passieren einem ständig Sachen – positive und negative. Ob Zufall oder Schicksal. Duda weiß das. In den achteinhalb Monaten bestritt er nur drei richtige Pflichtspiele. Je eines in der polnischen Liga und der Champions-League-Qualifikation mit Legia Warschau, kurz bevor er Ende Juli 2016 für 4,2 Millionen Euro nach Berlin wechselte. Und dann das vom Sonntag gegen den HSV.

Da durfte Duda 38 Minuten nach Einwechslung spielen. Die Sekunden, als er eine Woche zuvor gegen Frankfurt in der Nachspielzeit eingesetzt wurde, waren für die Seele. Das jetzt war ein erstes Ankommen. "Endlich auf dem Platz zu stehen, war das beste Gefühl der Welt", sagt Duda.

Ondrej Duda war für Hertha lange wie ein Sportwagen, den man in Vorkasse bezahlen musste, dann aber monatelang bis zur Auslieferung auf ihn wartet. Viel Geld ausgegeben ohne direkte Gegenleistung, aber mit der Hoffnung, dass er irgendwann richtig Spaß machen werde. Duda fehlte seit Sommer wegen einer komplizierte Knieverletzung. "Diese Zeit war schlimm", sagt er. "Nicht so sehr für den Körper, aber für meinen Kopf. Wenn ich nicht Fußball spielen kann, weiß ich nicht, was ich machen soll."

Dardai: "Duda hat Handlungsschnelligkeit wie Topstars"

Jetzt kann er wieder spielen und soll Hertha im letzten Saisondrittel mit seiner Spielintelligenz helfen. "Dudas Handlungsschnelligkeit ist so hoch wie bei den Topstars", sagt Dardai. Der Trainer glaubt, dass er ein vorzüglicher Vorbereiter wird, "aber dafür braucht er noch etwas Zeit". So lange ist Duda gewissermaßen Herthas Bankvermögen. Es soll sich auszahlen – bei jeder Einwechslung und auf lange Sicht.

Mitchell Weiser vor anderthalb Jahren zu verpflichten, hat sich für Hertha schon lange ausgezahlt. Der Flügelspieler ist wie Duda ein Mann für überraschende Aktionen auf dem Feld. Einer dieser wenigen Eins-gegen-Eins-Spieler, die Hertha hat. Einer, für den die Leute ins Stadion kommen. Ein Mann für die Magie.

Aber wie Duda fehlte auch der 22-Jährige den Blau-Weißen lange, weil eine Nervenirritation im Rücken auf den Oberschenkel ausstrahlte. Seit Mitte Dezember musste Hertha ohne den U21-Nationalspieler auskommen, der als rechter Verteidiger oder als rechter Mittelfeldspieler auflaufen kann. Zuvor fehlte er bereits drei Spiele. Dennoch ist Weiser mit vier Vorlagen zusammen mit Salomon Kalou Herthas bester Vorbereiter. Dardai sagt: "Mitch ist unser Spielmacher von Rechtsaußen, mit seinen Pässen, Flanken und Dribblings tut er uns gut. Er hat keine Angst vor Fehlern, und so soll es sein." Dieser Mut fehlte Hertha ohne ihn in Hamburg (0:1).

Weiser kann gegen den BVB schon in der Startelf stehen

Auffälliger noch ist seit dem Rückrundenstart aber der Mangel an Überraschungsmomenten in der Offensive. Die Gegner haben zunehmend verstanden, dass sie Herthas Kombinationsspiel unterbinden können, wenn sie früh den Spielaufbau am Berliner Strafraum zustellen, wie es der HSV tat. Da braucht es Spieler, die Unerwartetes machen – Spieler wie Weiser und Duda. Auch Weiser ist nun endlich wieder fit und wird beim Heimspiel gegen Borussia Dortmund am Sonnabend (15.30 Uhr) spielen. Vielleicht von der Bank, vielleicht sogar von Beginn an. Duda wird eingewechselt. Beide sollen Hertha ein Trumpf im Endspurt sein.

Dardai hat neulich gesagt, dass Duda irgendwann ein Idol in Berlin werden kann. Dudas Blick fällt auf den Boden, als er das hört. Seinen Trainer hatte er schon damals im Stadion von Saint Étienne beeindruckt. Nun soll er das in Berlin tun. Wer ist sein eigenes Idol? "Heute Mesut Özil", sagt Duda. Natürlich Spieler für die Magie.

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