Fußball

Hoffenheim beendet Siegesserie von Hertha

Die Kraichgauer gewinnen in Sinsheim zum fünften Mal in Folge und klettern damit auf Platz drei der Tabelle.

Hoffenheims Steven Zuber (l) und Berlins Genki Haraguchi kämpfen um den Ball

Hoffenheims Steven Zuber (l) und Berlins Genki Haraguchi kämpfen um den Ball

Foto: Uwe Anspach / dpa

Peter Pekarik ist am Sonntag 30 Jahre alt geworden. Glückwunsch. Das Problem war nur, dass dem Slowaken keiner 19 Kilogramm und 18 Zentimeter mehr geschenkt hatte. So stand Pekariks Trainer, Pal Dardai, am Sonntagabend da und musste fast grinsen, als er über die spielentscheidende Szene sprach, die zur 0:1 (0:1)-Niederlage von Hertha BSC bei der TSG Hoffenheim geführt hatte: „Vom Gewicht her war das ein komisches Duell“, sagte der Berliner Trainer, nachdem Hertha erstmals seit fünf Pflichtspielen wieder aus dem Gleichgewicht geraten war und Tabellenplatz drei an Hoffenheim verloren hatte.

Torwart Rune Jarstein bester Herthaner

Das komische Duell fand zwischen Pekarik – 1,76 Meter klein, 70 Kilogramm leicht – und Hoffenheims Niklas Süle – 1,94 Meter groß, 89 Kilogramm schwer – nach einem „Hammerfreistoß“ (Dardai) von Kerem Demirbay statt. Wobei, ein richtiges Duell war es nicht, weil Süle Pekarik einfach wegdrückte, wie ein Tanklaster einen Trabi von der Autobahn schieben kann, und das 0:1 zum Sieg der Kraichgauer köpfte. ­Pekarik war zudem ausgerutscht.

Doch nicht allein diese Szene war der Grund für die zweite Saisonniederlage der Blau-Weißen. Die Gründe lagen in einem seltsamen Bruch des Berliner Spiels Mitte der ersten Hälfte, sowie in der Ratlosigkeit im Angriff. Dass die Partie am Ende so knapp ausging, hatte Hertha allein Stammkeeper Rune Jarstein zu verdanken. Der Norweger parierte mehrfach bravourös gegen freistehende Hoffenheimer.

„Wir haben es nicht geschafft, die Bälle zu halten“, sagte Rechtsverteidiger Mitchell Weiser. „Hätten wir mehr Mut gehabt, wäre mehr drin gewesen. Nur lange Bälle zu spielen, ist eigentlich nicht unser Spiel. Das hat uns um die Punkte ­gebracht“, so Weiser.

Dardai entschied sich beim Personal für die Variante ­„weniger riskant“: Für den verletzten Linksverteidiger Marvin Plattenhardt begann nicht Nachwuchsmann Maximilian Mittelstädt (19), sondern Rechtsverteidiger Pekarik. Der von einer Beckenprellung genesene Fabian Lustenberger rückte in die Innenverteidigung. Im zentralen Mittelfeld setzte Dardai zum zweiten Mal auf den Brasilianer Allan von Beginn an. „Ich glaube, er wird dem Gegner wehtun“, so Dardai vor der Partie.

Dass Lustenberger wieder dabei war, sollte sich auszahlen: Nur 150 Sekunden waren gespielt, da kratzte er schon einen Süle-Kopfball von der Linie (3.). Fortan konnte auch der Schweizer nicht verhindern, dass Hoffenheim die Partie an sich riss wie eine lange vermisste Geliebte: In einem 3-5-2-System dominierten die Kraichgauer das Mittelfeld, auch weil sich Dardais Bauchgefühl mit Allan als falsch ­herausstellen sollte. Der 19-Jährige tat eher der eigenen Mannschaft weh, weil er taktisch überfordert wirkte. Zunächst scheiterte Lukas Rupp noch an Jarstein freistehend (27.). Dann klatschte ein Kopfball von Pavel ­Kaderabek an die Latte (29.).

Danach kam das „komische Duell“, Süle stieg hoch: 1:0 (31.). Und hätte Jarstein nicht noch einmal stark gegen den völlig freien Rupp pariert (33.), es hätte zur Pause schon 0:2 gestanden. Wie entspannt die Hoffenheimer den ersten Durchgang erlebten, zeigte der Umstand, dass TSG-Trainer Julian ­Nagelsmann sogar kurz vor der Pause das stille Örtchen ­aufsuchen konnte.

Dardai dürfte den Seitenwechsel dazu genutzt haben, seiner Elf kräftig die Leviten zu lesen. Jedenfalls begann Hertha nun viel bissiger: Vedad Ibisevic, der zwischen 2007 und 2012 für die TSG auf Torejagd gegangen war, scheiterte mit einem Schuss an Oliver Baumann im TSG-Tor (51.). Aber das blieb die einzige echte Chance der Herthaner im gesamten Spiel. „Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Aber heute hat etwas gefehlt“, sagte Dardai.

Erst in der zweiten Halbzeit wurde es das erwartete Kampfspiel auf Augenhöhe von 28.015 Zuschauern. Der ehemalige Herthaner Sandro Wagner, ­dieses Mentalitäts-Männchen, verstrickte die halbe Berliner Defensive immer wieder in rassige Zweikämpfe und hatte die große Chance zur Entscheidung: Aber wieder reagierte Jarstein prächtig (71.). Nur sechs Minuten später rettete der 32-Jährige erneut – diesmal vor Andrej Kramaric. Natürlich war der auch freistehend vor dem Hertha-Torwart aufgetaucht. Als Jarstein zum Schluss nochmals gegen Kramaric klärte (87.), wusste Dardai, dass diese Niederlage mehr als verdient war. „Vielleicht war es an der Zeit, einmal zu verlieren“, sagte der Ungar.

Wichtig sei, dass sich sein Team bis Freitag sammle. Dann kommt Mönchen­gladbach ins Olympiastadion.