Bundesliga

0:0 in Mainz - Hertha muss für Europa nachsitzen

Hertha rutscht am letzten Spieltag nach einem 0:0 in Mainz auf den siebten Tabellenrang und muss nun in die Qualifikation für Europa.

Der Mainzer Cordoba im Duell mit Herthas Brooks

Der Mainzer Cordoba im Duell mit Herthas Brooks

Foto: Torsten Silz / dpa

Mainz. Mitchell Weiser sank zu Boden, ebenso wie Fabian Lustenberger und Marvin Plattenhardt. John Brooks schüttelte den Kopf, Vladimir Darida war genervt – bei Hertha BSC herrschte Enttäuschung. Trotz einer ansprechenden Leistung mussten sich die Berliner beim FSV Mainz mit einem 0:0 begnügen. Benötigt hätte Hertha einen Sieg, um die Europa League auf direktem Weg zu erreichen.

>> Kommentar: Herthas steiniger Weg

Den internationalen Wettbewerb feierten lautstark die Gegner. „Europapokal, Europapokal“, skandierten die 33.800 Mainzer Anhänger. Der FSV beendete die Saison auf Rang sechs und hat sich somit zum ersten Mal in seiner 111-jährigen Vereinsgeschichte direkt für Europa qualifiziert.

Allein Kalou vergibt drei hochkarätige Torchancen

Hertha, punktgleich als Siebter eingelaufen, aber mit dem schlechteren Torverhältnis ausgestattet, muss nun noch zwei Qualifikationsrunden zur Europa League bestreiten. Damit werden die Berliner das erste Pflichtspiel der Saison 2016/17 vier Wochen vor dem Bundesligastart bestreiten, am 28. Juli.

Während Hostessen tablettweise riesige Biergläser auf den Rasen schleppten, wo die Mainzer Spieler mit den Fans ihre Saison und den Abschied von Manager Christian Heidel feierten, gaben frustrierte Hertha-Profis Interviews. „Ich bin enttäuscht“, sagte Torwart Rune Jarstein.

„Wir hatten genügend Chancen, um dieses Spiel zu gewinnen. Ich werde noch etwas Zeit brauchen, um zu sehen, dass wir insgesamt eine gute Saison gespielt haben.“ Trainer Pal Dardai sagte: „Die Leistung war okay, von der Einstellung und auch taktisch. Die Einstellung war Weltklasse, wir hatten eine gute Körpersprache. Probleme habe ich mit den letzten paar Spielen. Da waren wir blockiert.“

Stark und Darida versuchen, Spiel anzuschieben

Nur die Anfangsphase hatte den Gastgebern gehört. Zweimal parierte Hertha-Torwart Jarstein glänzend: gegen einen 13-Meter-Schuss von Karim Onisiwo (3. Minute) sowie nach acht Minuten, als Stürmer Jhon Cordoba sechs Meter vor dem Berliner Tor frei an den Ball kam.

Dann aber übernahmen die Gäste das Kommando. Drei Meter neben der Bank stand ein Verbindungsmann, der dem Trainer-Team alsbald zurief, dass Schalke 2:0 in Hoffenheim führte. Hertha lag nun auf Rang sieben, nur ein Sieg in Mainz würde daran etwas ändern.

Niklas Stark und Darida versuchten immer wieder das Spiel anzuschieben. Hertha hatte deutlich mehr Ballbesitz, drängte die Hausherren immer weiter zurück in deren Hälfte.

Die erste Chance hatte Valentin Stocker auf dem Fuß. Der Schuss des Schweizers wurde aber auf der Linie vom Mainzer Gaetan Bussmann geblockt (16.). Salomon Kalou ging leichtfertig mit einem Geschenk um. Der Torjäger luchste FSV-Torwart Loris Karius, der in der kommenden Saison zum FC Liverpool wechselt, weit außerhalb des Strafraums den Ball ab.

Haraguchi und Schieber kamen

Nun war das Spielgerät aus 35 Metern nur noch ins leere Mainzer Tor zu befördern, doch Kalou gelang lediglich ein Holper-Schüsschen, die FSV-Abwehr konnte ohne Mühe klären (31.). Hertha drängte auf die Führung. Weiser schickte Kalou, doch erneut zeigte der Ivorer Nerven und schob den Ball am linken Pfosten vorbei (41.).

Die Ausgangslage in der zweite Hälfte war die gleiche: In Hoffenheim führte Schalke mittlerweile 3:1, in Mainz war Hertha weitgehend im Vorwärtsgang. Der FSV zog sich weit zurück, erspielte sich nur noch eine Gelegenheit. Ein Kopfball von Cordoba strich knapp am Tor vorbei (59.).

Trainer Dardai brachte mit Genki Haraguchi (für Pekarik) und Julian Schieber (für Stocker) seine letzten Offensivkräfte. Die Intensität war hoch, es war hektisch und ging hart zur Sache. Der unsichere Schiedsrichter Sascha Stegemann bestrafte ein Allerweltsfoul von Niklas Stark mit dessen zweiter Gelber Karte – Platzverweis (88.). Dardai klatschte höhnisch Beifall in Richtung des vierten Offiziellen.

Eine letzte Chance hatte Kalou, der den Ball aus 15 Metern erneut nicht an Torwart Karius vorbeibrachte (90.+1). Kritik an Kalou, mit 14 Treffer Herthas bester Stürmer, mochte der Trainer nicht äußern: „Salomon hat viele wichtige Tore gemacht, wir wollen jetzt nicht unzufrieden sein.“

Für Weiser und Stark ist der Traum von Olympia in Gefahr

Für Mitchell Weiser und Niklas Stark bedeutet der vorgezogene Saisonstart wohl, dass Hertha seine Youngster nicht für die deutsche Olympia-Mannschaft freigeben wird. So hat es Manager Michael Preetz gesagt. „Mit mir hat noch niemand geredet“, meinte Stark, „aber an Rio habe ich während des Spiels auch nicht gedacht.“

Eine bessere Platzierung hat Hertha im Saison-Endspurt verspielt. Von 21 möglichen Punkten aus den letzten sieben Partien haben die Berliner lediglich zwei geholt. Abwehrchef Sebastian Langkamp gab sich fatalistisch: „Es ist wie es ist.“ Ab Dienstag wird Hertha die Saison auf Mallorca verarbeiten. Preetz hat das Team eingeladen.

Die Partie im Minutenprotokoll