Bundesliga

Gegen den Trend: Warum Herthas Valentin Stocker schwächelt

Vergangene Saison war Valentin Stocker einer der wenigen Lichtblicke bei Hertha. Inzwischen gilt der Schweizer jedoch als Sorgenkind. Warum nur?

Schwerer Stand: Valentin Stocker, 26, hier im Zweikampf mit dem Kölner Pawel Olkowski

Schwerer Stand: Valentin Stocker, 26, hier im Zweikampf mit dem Kölner Pawel Olkowski

Foto: Jan Kuppert/SVEN SIMON / picture alliance / Sven Simon

Berlin.  Natürlich hat sich Valentin Stocker gefreut, auch wenn er nur Beobachter war. Dass sich die Schweiz für eine Europameisterschaft qualifiziert, ist schließlich keine Selbstverständlichkeit. Dreimal erst liefen die Eidgenossen bei einer Endrunde auf – einmal waren sie als Co-Gastgeber automatisch qualifiziert.

Als seine Teamkollegen am Freitag also ein 7:0-Feuerwerk gegen San Marino abbrannten und Gruppenkonkurrent Slowenien kurz vor Schluss den Ausgleich gegen Litauen kassierte, kurz: als die Schweiz ihre EM-Teilnahme perfekt machte, da strahlte Stocker. Dass er selbst nicht dabei war und stattdessen seine strapazierten Glieder schonte? „Das“, sagt Stocker, „war ja mehr oder weniger meine Entscheidung.“

Auf dem Flügel wird der Schweizer zur Randerscheinung

Selbstbestimmt oder nicht: Die Episode passt gut ins Bild. Denn während seine Teamkollegen momentan die großen Gewinne einfahren, bleibt Stocker meist nur der Part des stillen Teilhabers. Bei Hertha BSC, als Tabellenvierter eine der bislang größten Überraschungen der Bundesliga-Saison, hat er seinen Stammplatz zuletzt abtreten müssen. Klammert man die verletzten Profis wie Torwart Thomas Kraft aus, ist der 26-Jährige der Einzige, der sich dem Trend des allgemeinen Aufschwungs bei Hertha verweigert.

Kurios ist diese Entwicklung allemal, schließlich war Stocker in der vermaledeiten Rückrunde der Vorsaison der größte Lichtblick im faden Hertha-Spiel. Mehr noch: Durch den Trainerwechsel erlebte Stocker zusammen mit Linksverteidiger Marvin Plattenhardt den größten Leistungsschub. In den ersten elf Spielen unter Pal Dardai erzielte er drei Tore und bereitete fünf weitere Treffer vor, schwang sich hinter den Spitzen zum Impulsgeber der Offensive auf. Darüber, ob die Berliner auch ohne Stocker die Klasse gehalten hätten, lässt sich trefflich spekulieren.

Mit Vladimir Darida ändert sich die Statik

Nach der Vorbereitung sei Stocker jedoch in ein „körperliches Loch“ gefallen, sagt Trainer Dardai, der schon im Sommer eine „Riesensteigerung“ von seinem Offensiv-Allrounder gefordert hatte. Die Zeit der Eingewöhnung sah der Trainer ablaufen; das Potenzial des 3,12-Millionen-Einkaufs von 2014 ist aber längst noch nicht ausgeschöpft.

Weil Dardai mit Vladimir Darida seinen Wunschspieler bekam, verschob sich allerdings die Statik seines Teams. Ein klassischer Zehner ist der Tscheche zwar nicht, aber auch auf der Position Acht derart spielstark, dass Dardai auf einen zusätzlichen Spielmacher verzichtete. Die Folge: Stocker wurde wieder zu dem Linksaußen, als der er eigentlich geholt worden war, verlor so aber die Bindung zum Spiel.

„Wenn Valentin zentral spielt, hat er mehr Möglichkeiten, Tore zu machen“, sagt Dardai, „aber er hat auch schon von außen Tore vorbereitet.“ Festlegen will sich der Ungar nicht. Weil er aber Gefallen am Zusammenspiel der Angreifer Salomon Kalou und Vedad Ibisevic gefunden hat und mit dem lange Zeit verletzten Alexander Baumjohann ein gelernter Spielgestalter in die Startelf drängt, wird Stocker – zumindest taktisch betrachtet – wohl dauerhaft zur Randerscheinung.

Schwieriges Verhältnis zu den Medien, nicht aber zum Trainer

Zuletzt kam der WM-Teilnehmer zweimal nur von der Bank. Das wiederum hängt auch mit seiner Physis zusammen. Vor vier Jahren wurde eines seiner Kreuzbänder mit einem Stück seiner Patellasehnen geflickt. Als die Belastung während der englischen Woche Mitte September stieg, meldete sein Körper Bedenken an. In der Länderspielpause wurde Stocker daher geschont. „Das hat ihm gutgetan“, sagt Dardai, „er sieht wieder frischer aus.“

Weiterhin angespannt ist indes Stockers Verhältnis zu den Medien. Dass fälschlicherweise über „muskuläre Probleme“ berichtet wurde, konnte er ebenso wenig nachvollziehen wie die Meldung, er liege mit Nationaltrainer Vladimir Petkovic im Clinch. „Wenn man selbst nicht viel sagt, dann nimmt so etwas schnell Eigendynamik an“, sagt Stocker. Die Kritik an seiner Leistung betrachtet er hingegen nüchtern, sagt: „Man wird an dem gemessen, was man gebracht hat.“

Ende der Woche möchte Stocker körperlich wieder bei 100 Prozent sein, um sich für die Partie bei Schalke 04 zu empfehlen. Ob er in Gelsenkirchen mehr sein wird als ein Beobachter, zeigt sich am Sonnabend ab 15.30 Uhr.