Bundesliga

Hertha entdeckt die Freude am Fortschritt

Zwei Pflichtspiele, zwei Siege, zwei mal zu Null: Dennoch benötigt der Bundesligist aus Berlin bis Ende August noch Verstärkung.

Auswärtssieg: Fabian Lustenberger (v.l.), Peter Pekarik und Jens Hegeler beglückwünschen Torschütze Salomon Kalou (Nr. 8)

Auswärtssieg: Fabian Lustenberger (v.l.), Peter Pekarik und Jens Hegeler beglückwünschen Torschütze Salomon Kalou (Nr. 8)

Foto: Stefan Puchner / dpa

Berlin.  Noch 14 Tage ist die Transferliste in diesem Sommer geöffnet. Eine Phase, in der von den Beteiligten das unfallfreie, gleichzeitige Fahren auf zwei Gleisen gefordert ist. Einerseits geht es um die Gegenwart bei Hertha BSC, das hart erkämpfte 1:0 zum Liga-Start in Augsburg (Salomon Kalou per Elfmeter/48.). Auf der nächsten Ebene wissen alle Beteiligten, dass sich der Berliner Kader bis Ende August noch ändern wird, sowohl auf der Zugangs- als auch auf der Abgangsseite. Trainer Pal Dardai etwa lobte die Mannschaft, „die ein aggressiv geführtes Spiel angenommen und gewonnen hat.“

Dardai trat selbstbewusst vor die Medienrunde. Schließlich war ihm im ersten Anlauf gelungen, was sein Vorgänger Jos Luhukay unbedingt gewollt, aber nie erreicht hatte: ein Sieg in Augsburg, wo Luhukay von 2009 bis 2012 gewirkt hatte. Es war eine harte und hektische Partie, wie die Platzverweise gegen Augsburgs Raul Bobadilla (45.+2) und Roy Beerens (66.) belegen.

Beerens räumt Fehler ein

Der Niederländer von Hertha war einsichtig: „Als ich bei der Grätsche abgesprungen war, wusste ich schon in der Luft: Das ist dumm, Roy, das gibt Gelb.“ Da es sein zweiter Karton war, sah Beerens die Ampelkarte. „Es gibt keine Sanktion gegen Roy, aber ich ­habe ihm gesagt, dass er nicht über­motiviert sein darf. Das schadet der Mannschaft“, ­sagte Dardai.

Der Trainer hatte sowohl die Fortschritte registriert, wie mehr Ballbesitz und mehr Sicherheit im Passspiel in der ersten Hälfte. Aber auch die Probleme, in die seine Mannschaft nach der Führung geraten war. „Das war sie blockiert. Diese Unsicherheit kommt noch von der letzten Saison“, sagte Dardai. Er war zufrieden, dass Hertha – den Sieg im Pokalspiel in Bielefeld (2:0) mitgerechnet – in dieser beginnenden Saison „drei konzentrierte Halbzeiten gespielt hat“.

Lustenberger und Darida als Führungsspieler gefordert

Und sah gleichzeitig die Schwächen, die noch zu beheben sind. Dardai: „In so einer Phase sind Fabian (Lustenberger/d.Red.), Vladimir (Darida) und Jens (Hegeler) als Führungsspieler gefragt, wir dürfen da nicht so die Kontrolle abgeben.“

Als Sieger der Partie nahm er auch die verbalen Rempeleien an der Seitenlinie mit Augsburgs Trainer Markus Weinzierl und Manager Stefan Reuter, die sich permanent über die Spielleitung beschwerten, mit Augenzwinkern wahr: „Theater gehört zum Fußball.“ Und nach dem Abpfiff sei es auch gut mit der Aufregung. „Markus hat mir gratuliert“, sagte Dardai. Eine Geste, zu der sich Reuter jedoch nicht durch­ringen konnte.

Ein Spielgestalter wird gesucht

Auch Kapitän Lustenberger bespielte das Hier und Jetzt. „In Berlin wird eh’ alles so negativ gesehen“, sagte Lustenberger, „Wir sind mit zwei Siegen in die neue Saison ­gegangen, beide mal zu Null. Das ­hat uns niemand zugetraut.“ Er freue sich auch für Thomas Kraft. Der Schlussmann von Hertha hatte mit diversen spektakulären Paraden den Sieg gerettet. „Das hilft uns in der Verteidigung, wenn der Torwart hinter uns die Bälle anzieht, wie Thomas bei dem Schuss von Esswein in der Nachspielzeit.“ Auch Lustenberger wusste: „Der Start war gut, aber wir wissen, dass noch viel zu arbeiten ist.“

Damit ist die zweite Ebene gemeint. Auch in Augsburg wurde einmal mehr deutlich, woran es dem aktuellen ­Hertha-Jahrgang noch fehlt. Jens ­Hegeler ist weiterhin nicht der Spielgestalter, den die Berliner brauchen. Hier ist Manager Michael Preetz auf der ­Suche. Ebenso wird nach einem ­zusätzlichen Stürmer gefahndet.

Ronny fühlt sich einsam

Ronny demonstrierte ungeachtet der Schwüle, die beim Auslaufen herrschte, wie kalt er das Leben um ihn herum wahrnimmt. Der Brasilianer hat bei beiden Pflichtspielen nicht eine Minute gespielt und soll unbedingt abgegeben werden. Am Sonntag lief Ronny als einziger auf dem Schenckendorff-Platz in langärmliger Trainingsjacke.

Von Nico Schulz, 22, ist bereits bekannt, dass er Hertha verlassen wird. Montag haben die Profis frei. Gut möglich, dass der U21-Nationalspieler dann seinen Medizincheck in Gladbach absolviert. Der Champions-League-Starter will den Linksfuß mit einem Drei-Jahres-Vertrag ausstatten und Hertha vier Millionen Euro Ablöse zahlen.

Dzsudzsak kommt nicht

Hertha hat im Aufgebot theoretisch sechs Profis, die die linke Bahn bespielen können: ­Beerens, Genki Haraguchi, Valentin Stocker, Mitchell Weiser, ­Sami Allagui und Änis Ben-Hatira. Gleichwohl hat Hertha mit dem ­Abgang von Schulz ein Defizit an ­Geschwindigkeit. Wer die Topteams in den vergangenen zehn Tagen beobachtet hat, weiß: Speed wird immer wichtiger. Deshalb sucht die sportliche Leitung auch auf der Außenbahn nach einer Verstärkung. Nicht kommen wird Dardais Wunschspieler Balazs Dzsudzsak, 28. Der Kapitän der ungarischen Nationalelf wechselt in die ­Türkei zu Bursaspor.