Manchmal kommt es doppelt hart. Hajime Hosogai kann seit Donnerstag ein Lied davon singen. Herthas japanischer Defensiv-Allrounder musste im Vormittagstraining einiges einstecken. Zunächst einen Schuss auf den Allerwertesten – ausgerechnet von Ronny, Herthas Mann mit der gefürchteten linken Klebe. Als wäre das nicht schmerzhaft genug, wurde Hosogai anschließend auch noch seelisch getroffen. Fitness-Coach Henrik Kuchno beorderte Hosogai in die langsamste Laufgruppe, wo sich der 29-Jährige noch hinter Ronny einreihte. Jenem Spieler, dem der Ruf anhängt, das Laufen nicht gerade erfunden zu haben.
Eine Szene mit Symbolcharakter: Hosogai ist hinten dran bei Hertha – und wird froh gewesen sein, dass am Nachmittag eine launige Rafting-Tour auf dem Plan stand.
Acht Bewerber für drei Plätze
Dass Hosogai derzeit wenig zu lachen hat, liegt vor allem an der Konkurrenzsituation im Mittelfeld. Trainer Pal Dardai möchte künftig mit drei zentralen Mittelfeldspielern agieren, die ständig rotieren. Drei Plätze, für die es jetzt schon fünf Bewerber gibt – neben Hosogai auch Per Skjelbred, Jens Hegeler, Darida und Nachwuchsmann Florian Kohls.
Wenn Tolga Cigerci (derzeit im Aufbautraining) wieder fit ist und Fabian Lustenberger nicht mehr als Innenverteidiger aushelfen muss, kommen zwei weitere Spieler mit Stammplatzpotenzial hinzu. „Dann“, sagt Trainer Dardai, „wird es für Haji sehr, sehr schwer.“
Seine Topform hat Hosogai schon länger verloren
Peter Niemeyer, der bei Hertha ebenfalls unter Vertrag steht, derzeit aber bei der U23 trainieren muss, ist nicht mal mitgerechnet. Gänzlich abgeschrieben hat der Ungar Hosogai nicht. Er träume noch immer „von dem Hajime Hosogai, den ich von der Tribüne gesehen habe“, sagt der Coach. Zu Beginn der Saison 2013/14 hatte Dardai, damals Nachwuchstrainer, Hosogai als „Herthas besten Einkauf“ bezeichnet. Die Form der damaligen Hinrunde erreichte Hosogai jedoch nie wieder. Auch hat er in seinen zwei Jahren bei Hertha nie richtig Anschluss gefunden. Meist ist er mit seinem Landsmann Genki Haraguchi zu sehen.
Welches Mittelfeld-Trio derzeit die Nase vorn hat, ließ Dardai im Testspiel gegen den FC Fulham (2:2) durchblicken, als er eine potenzielle A-Elf aufbot. Skjelbred als Sechser, Darida auf der Acht – Hegeler und Kohls übernahmen je 45 Minuten den offensiven Part. „Das haben die drei optimal gemacht“, lobte Dardai ein bisschen zu überschwänglich. Im Vergleich zum Testspiel gegen den SV Grödig (2:2) war seine Begeisterung allerdings verständlich. Da hatte sich Hosogai mit seinen Kollegen Hegeler und Shawn Kauter lediglich das Prädikat „bemüht“ verdient.
Vertrag bis Juni 2017
Damit stellt sich die Frage, ob Hertha überhaupt noch Verwendung für Hosogai hat, dessen Vertrag in Berlin bis Juni 2017 läuft. Der „Kicker“ berichtet, dass Spieler, Berater und Klub einen Wechsel sondieren. Der Trainer wollte das weder bestätigen noch dementieren.
Deutliche Worte fand der Ungar trotzdem. „Jeder trainiert gleich“, sagte Dardai. „Einige haben schon ein gutes Niveau, andere noch nicht. Da muss man sich fragen, wer daran schuld ist – der Trainer oder etwas anderes.“ So, als wolle er Hosogai unbedingt in Berlin halten, klang das nicht.




