Wow, das wird ein tolles Champions-League-Finale: Juventus Turin gegen den FC Barcelona. Auch wenn viele ein Endspiel von Real Madrid gegen Barca erwartet haben: Ich bin nicht überrascht. Real hat zwar die spektakuläreren Spieler, aber Juventus hat zwei starke Halbfinals gespielt und zu Recht das Endspiel im Olympiastadion erreicht.
Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass ein Finale beides ist: das einfachste Spiel der Saison und das schwerste. Es gibt, mit Ausnahme eines WM-Finales, weltweit keine größere Bühne, um sich zu präsentieren als ein Endspiel in der Königsklasse. Das ist das Größte, was man als Spieler erreichen kann. Es ist der Höhepunkt deines Lebens. Es ist auch egal, ob man zum ersten oder zum wiederholten Mal dort aufläuft. Jeder Spieler weiß: Wenn du gewinnst, bleibt der Sieg für immer.
Ronaldo und Ibrahimovic haben nie die Königsklasse gewonnen
Außerdem gehört man zu einer Elite. Es gibt exzellente Spieler wie den brasilischen WM-Torschützenkönig Ronaldo oder Zlatan Ibrahimovic, deren Qualitäten außer Zweifel stehen – aber sie haben nie die Champions League gewonnen.
Zugleich ist ein Finale schwer. Wenn man an diesem einen Tag als Mannschaft seine Leistung nicht auf den Punkt bringt, kann es sein, dass man nie wieder die Gelegenheit bekommt.
Juventus wird ähnlich spielen wie wir mit Chelsea
Ich hatte das Glück, zwei Endspiele zu spielen. 2010 in Moskau haben wir mit Chelsea im Elfmeterschießen gegen Manchester United verloren. Ich war zur Verlängerung eingewechselt worden und habe im Elfmeterschießen getroffen. Wir haben verloren, weil Nicolas Anelka seinen Versuch leider nicht verwandelt hat. Zwei Jahre später in München war ich in der Startelf dabei. Wir waren mit Chelsea Außenseiter gegen den FC Bayern. Ich bin sehr glücklich, dass wir im Elfmeterschießen gewonnen haben.
Die Rollenverteilung morgen im Olympiastadion erwarte ich ähnlich wie bei uns damals. Barcelona ist Favorit. Sie werden die meiste Zeit des Spiels den Ball durch ihre Reihen laufen lassen und sich Chancen erarbeiten. Aber Juventus gehört zu den wenigen Mannschaften, die sich davon nicht beeindrucken lassen. Man hat es im Halbfinale gegen Real Madrid gesehen. Sie haben eine starke Defensive, angeführt von Arturo Vidal. Und Juve kann im Vorwärtsgang mit Paul Pogba, Carlos Tevez und Alvaro Morata jede Abwehr der Welt in Schwierigkeiten bringen.
Der Kampf zwei verschiedener Spielsysteme
Es wird also ein interessantes Finale, weil zwei komplett verschiedene Spielsysteme aufeinandertreffen. Dazu definiert sich Barcelona sehr über seine Superstars Lionel Messi, Neymar und Luis Suarez, auf die alles zugeschnitten ist. Turin kommt über die Kompaktheit, ist robust und tritt als geschlossenes Team auf.
Wichtig ist das Finale noch aus einem anderen Grund. Jede Mannschaft, die in Berlin antritt, hat in dieser Saison bereits 50 oder 55 Pflichtspiele bestritten, die Länderspiel-Einsätze nicht mal mitgerechnet. Aber egal, was in den vergangenen elfeinhalb Monaten gelaufen ist, egal, wie viel Siege oder Titel man geholt hat: Für jeden einzelnen Spieler entscheiden die 90 oder 120 Minuten im Olympiastadion, wie die Ferien werden: Ob man sich im letzten Winkel der Erde verkriechen will – oder ob man drei sensationelle Urlaubswochen vor sich hat.
Salomon Kalou, 29, ist aktuell der einzige Profi bei Hertha BSC, der die Champions League gewonnen hat. Morgen folgt Teil zwei seiner Kolumne in der Morgenpost. Kalou betreibt mit seinem Bruder Bonaventure die Stiftung „Fondation Kalou“. Sie unterstützt Projekte in der Heimat der Brüder, der Elfenbeinküste. Etwa zur besseren Versorgung bei Nierenerkrankungen sowie den Bau von Sportanlagen und Sport-Workshops, um die Bevölkerung zu einem aktiveren Lebensweise zu animieren.



