Bundesliga

Sascha Burchert überzeugt souverän gegen die Bayern

Hertha-Trainer Pal Dardai lobt Ersatztorwart Burchert: „Ich habe eine neuen Torwart gefunden.“ Und rüffelt die Naivität seiner Spieler beim Gegentor von Bayern München: „Das will ich nie wieder sehen“

Foto: Gebert / dpa

Am Tag danach lief Sascha Burchert in der großen Gruppe mit. Das Tempo war gemächlich, auch Manager Michael Preetz, 47, joggte in kurzen Hosen mit. Derweil lobte Hertha-Trainer Pal Dardai seinen Torwart. „Ich habe in München einen neuen Sascha Burchert gefunden.“

Was Dardai meint: Burchert ist intern bei Hertha berühmt für seine exzellenten Trainingsleistungen und ein wenig berüchtigt für den Druck, den er sich selbst macht, wenn er spielt. „Sascha war früher manchmal übermotiviert“, sagte Dardai, „aber gegen die Bayern hat er Ruhe ausgestrahlt und seine Sache gut gemacht.“

Hoher Aufwand, null Ertrag

Burchert erging es persönlich so, wie der Mannschaft von Hertha insgesamt: Er lieferte beim Deutschen Meister eine gute Vorstellung ab, konnte aber nicht verhindern, dass die Berliner die Heimreise mit leeren Händen antraten. 0:1 unterlag Hertha nach einem Dribbling, bei dem Bayern-Youngster Mitchell Weiser gleich vier Herthaner düpierte (Jens Hegeler, Genki Haraguchi, Per Skjelbred, Marvin Plattenhardt) und Bastian Schweinsteiger die Vorlage zum einzigen Tor des Tages verwerte (80. Minute).

„Ich bin zufrieden mit dem Auftritt der Mannschaft“, sagte Manager Preetz. „Und enttäuscht über das Ergebnis, weil es möglich war, dort zu punkten.“ Ausdrücklich lobte Preetz Herthas Ersatztorwart, der die Position des an der Rippe verletzten Thomas Kraft übernommen hatte. „Sascha war souverän und hat Sicherheit ausgestrahlt. Er hat gehalten, was zu halten war. Beim Gegentor konnte er nichts machen.“

Kaum Spielpraxis bei den Profis

Die Laufbahn von Burchert verläuft speziell. Er hat nur selten die Gelegenheit hat, seine Qualitäten zu zeigen. Dafür wird aber bei niemandem so genau hingeschaut wie bei ihm. Im September 2009 fand die verhängnisvolle Partie gegen den Hamburger SV statt (1:3). „Sascha hat damals alles richtig gemacht“, erinnert sich Preetz an die Kopfball-Paraden außerhalb des Strafraumes, aber die Kollegen hätten ihren Torwart im Stich gelassen, beide von Burchert geköpften Bälle landeten als direkte Abnahme aus der Distanz im Hertha-Netz.

Das Leben als zweiter Mann ist undankbar. Burchert ist (nach Nico Schulz) der dienstälteste Herthaner im Team, seit 2002 dabei. Sechs Jahre nach jenem Spiel bestritt Burchert in München erst sein siebtes Bundesliga-Spiel.

Lob von Kapitän Lustenberger

Burchert war einerseits froh. Er hatte schon in der Woche zuvor mit Herthas U23 in der Regionalliga gespielt (1:0 gegen Meuselwitz). „Spielpraxis bringt immer etwas, auch wenn es nur in der Regionalliga ist“, sagte Burchert. „Es hat Spaß gemacht. Es war schön, sich auf das Spiel komplett vorbereiten zu können, und nicht aus der Not eingewechselt zu werden.“ Kapitän Fabian Lustenberger sagte: „Sascha hat ein fehlerfreies Spiel gemacht. Die Leistung war eine Bestätigung seiner Arbeit, die er seit langem im Training zeigt.“

All’ die freundlichen Worte ändern jedoch nichts daran: Hertha kassierte bei den Bayern die 14. Saisonniederlage und steckte in der Bundesliga weiter mitten im Überlebenskampf.

Thomas Kraft weiterhin verletzt

Das vermeidbare Gegentor lag dem Trainer auch am Sonntag noch schwer im Magen. „Das war naiv verteidigt“, sagte Dardai. Er gab seiner Mannschaft eine Aufgabe mit für den freien Montag: „Jeder soll sich diese Szene drei-, viermal anschauen. Und dann will ich so ein Gegentor nie wieder sehen.“

Noch offen ist, ob Stammtorwart Kraft für das Bundesliga-Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach am kommenden Sonntag rechtzeitig fit wird (Olympiastadion, 17.30 Uhr). „Eine Rippenprellung kann genauso schmerzhaft sein wie ein Rippenbruch“, sagte Dardai. „Heute ist Thomas noch gehumpelt. Wir müssen sehen, wie es unter der Woche aussieht.“

Jarstein und Gersbeck in der Warteschleife

Allerdings stellte der Trainer Sascha Burchert keinen Freifahrtsschein aus. „Thomas Kraft ist unsere Nummer eins“, sagte Dardai, „dahinter haben wir mehrere Torwarte, die sehr gute Arbeit liefern.“ Gemeint sind Rune Jarstein, Nationaltorwart von Norwegen, der zuletzt wegen einer Rückenverletzung ausfiel, sowie Marius Gersbeck.

Dennoch darf man vermuten, dass Burchert auch gegen Gladbach die erste Wahl sein wird, falls Kraft passen muss.

Sonntag kommt Mönchengladbach

Durch die Resultate der Konkurrenten (im Tabellenkeller siegte der HSV, Paderborn, Stuttgart und Freiburg holten Punkte) ist der Vorsprung von Hertha auf die bedrohte Zone von sieben auf sechs Zähler geschmolzen. Die Berliner haben noch anspruchsvolle Aufgaben zu lösen mit Gladbach (3. Mai/Heimspiel), Borussia Dortmund (9./ auswärts), Eintracht Frankfurt (16./ h) und die TSG Hoffenheim (23./a).

Manager Preetz gibt sich zuversichtlich: „Wir haben keine Angst vor dem Restprogramm. Wir haben schwere Aufgaben, aber wir haben gegen die Bayern gezeigt, dass wir in der Lage sind, überall zu punkten.“