Bundesliga

Bayerns Schweinsteiger zerstört Herthas Traum

Nach sieben Partien ohne Niederlage unterliegen die Berliner 0:1 bei Bayern München. Der 25. Titel ist den Bayern praktisch nicht mehr zu nehmen. Immer spannender wird dagegen der Abstiegskampf.

Foto: Alexander Hassenstein / Bongarts/Getty Images

Nico Schulz wollte die dargebotene Hand von Trainer Pal Dardai nicht sehen. Der Mittelfeldspieler schüttelte den Kopf und setzte sich nach seiner Auswechselung frustriert auf die Bank. 0:1 (0:0) verlor Hertha BSC beim FC Bayern. Schulz hatte die Riesenchance auf dem Fuß, beim Stand von 0:0 den Außenseiter in Führung zu bringen, scheiterte jedoch freistehend an Bayern-Torwart Manuel Neuer (54.).

So reichte dem Tabellenführer eine einzige starke Aktion. Ausgerechnet Jens Hegeler, bei Hertha eingewechselt, um Stabilität zu bringen, ließ sich in der Schlüsselsituation der Partie düpieren. Hegeler wurde von Mitchell Weiser abgeschüttelt, der Münchener tanzte Genki Haraguchi, Per Skjelbred und Marvin Plattenhardt aus, legte zurück auf Bastian Schweinsteiger, der den Ball aus 14 Metern hoch in den rechten Winkel jagte, 0:1 (80.).

Trainer Dardai selbstkritisch

Ein Treffer, mit dem die stolze Hertha-Serie von zuvor sieben Spielen ohne Niederlage gerissen ist. Für die Bayern ein Erfolg, der mutmaßlich der letzte Schritt zur 25. Deutschen Meisterschaft war. Vorausgesetzt, Verfolger VfL Wolfsburg gewinnt heute nicht in Mönchengladbach, haben die Münchener den Titel sicher.

„Die erste Halbzeit hat gut ausgesehen“, sagte Hertha-Trainer Pal Dardai. „Als die Mannschaft in der zweiten Hälfte nachgelassen hat, wollte ich mit den Einwechslungen etwas Schwung reinbringen, aber das hat nicht so geklappt. Beim 0:1 hätten wir ein taktisches Foul machen sollen. Aber Glückwunsch an die Bayern und Glückwunsch zur Meisterschaft.“

Trainer Dardai hatte die gleiche Aufstellung wie gegen Köln (0:0) gebracht. Nur Sascha Burchert ersetzt den an der Rippe verletzten Torwart Thomas Kraft. Herthas Ersatzkeeper hatte gleich bei der ersten Aktion eine Schrecksekunde zu überstehen. Er wollte eine hohe Eingabe abfangen, wurde von Bayerns Robert Lewandowski unterlaufen, Burchert ließ den Ball fallen, direkt dem Torjäger vor die Füße. Schiedsrichter Guido Winkmann pfiff ab – Stürmerfoul (2.).

Der hohe Meisterschaftsfavorit hatte insgesamt 78,5 Prozent Ballbesitz, aber die fehlende Qualität machte sich doch bemerkbar. Dass Arjen Robben, Franck Ribéry und Holger Badstuber verletzt fehlten, war klar. Zudem zollte Bayern-Trainer Pep Guardiola dem Spielplan Tribut. Vier Tage nach dem Bayern-Spektakel in der Champions League (6:1 gegen Porto) und drei Tage vor dem Halbfinale im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund nahmen die Stammkräfte Xabi Alonso, Thiago und Juan Bernat zunächst auf der Bank Platz. Stattdessen durften die Youngster Mitchell Weiser, 21, und Gianluca Gaudino, 18, ran, später gab Sinan Kurt, 18, sein Bundesliga-Debüt.

Hertha zog sich weit zurück und überließ den Hausherren das Mittelfeld. So kreiselte der Ball im Stil von Breitwand-Fußball von rechts nach links und wieder zurück. 80 Prozent Ballbesitz für die Bayern verzeichnete die Statistik zur Pause. Die gefährliche Zone vor dem Tor von Burchert jedoch war eine Tabuzone. Da ließen Herthas Innenverteidiger Sebastian Langkamp und John Brooks sowie Fabian Lustenberger und Per Skjelbred nichts zu. Zudem spielte Peter Pekarik einen sehr aufmerksamen Außenverteidiger.

Die beiden einzigen Chancen im ersten Durchgang hatten die Gäste. Schulz setzte sich auf der linken Seite durch, seine Flanke nahm Valentin Stocker am zweiten Pfosten direkt, schob den Ball jedoch ins Aus (9.). Dann setzte sich Salomon Kalou im Bayern-Strafraum gegen Jerome Boateng und Sebastian Rohde durch, sein Schuss segelte am Bayern-Tor vorbei (23.).

Schulz hadert mit dem Fehlschuss

Nach dem Wiederanpfiff blieb der Spielverlauf der gleiche: Bayern feldüberlegen, die beste Gelegenheit aber erarbeitet sich Hertha. Nach Vorlage von Stocker startete Schulz im richtigen Moment und rannte 30 Meter allein aufs Bayern-Tor zu, brachte den Ball aber aus 14 Metern nicht am stark reagierenden Manuel Neuer vorbei. „Ich ärgere mich“, haderte Schulz. „Ich weiß, dass ich den machen muss. Ich hätte den Ball Manuel durch die Beine schieben müssen.“ Sein Trainer wollte jedoch nicht den Stab brechen. „Nico ist ein guter Junge. Er wird nächste Woche wieder spielen.“

Da empfängt Hertha am Sonntag, dem 3. Mai, Borussia Mönchengladbach und nimmt einen erneuten Anlauf, die fehlenden Punkte für den Klassenerhalt zu holen.