Hamburg – Sonnenfinsternis. Das gibt natürlich was her, wenn man am gleichen Tag auch noch das Abstiegsduell zwischen dem Hamburger SV (Platz 15) und Hertha BSC (Platz 14) beobachten kann. Düstere Zeiten und so. Die kosmischen Voraussetzungen waren also gegeben für ein paar schöne Kalauer. Aber dazu begann ja am Freitag auch noch der Frühling. Und nun war nur die Frage zu beantworten, für welchen Klub sich die Sonne im Abstiegskampf verdunkelt, und bei wem wieder nettere Zeiten anbrechen. Sonnenklare Erkenntnisse brachte die Partie allerdings hervor: Weil Hertha im Endspurt des Spiels noch einmal zulegen konnte und mit Sebastian Langkamp sechs Minuten vor Abpfiff den Siegtorschützen in den eigenen Reihen hatte, gewann das Team von Pal Dardai 1:0 (0:0) und macht im Kampf um den Klassenerhalt einen großen Schritt nach vorn.

Für Hertha ist der Frühling angebrochen. Man ist nun seit vier Spielen ungeschlagen. Für den HSV dagegen wird es duster. In solchen Fällen schreibt man gern das Wort „ausgerechnet“.

Hertha mit bewährter Startelf

Hier passte es sehr gut: Ausgerechnet Langkamp, denn der Innenverteidiger hatte einst im Amateurteam der Hamburger gespielt. Bei Hertha aber hatte er in seinen zwei Jahren kein einziges Tor erzielt. Dementsprechend euphorisch fiel sein Jubel an der Eckfahne aus. „Ich habe vor dem Spiel schon den einen oder andern Spruch bekommen, dass ich mal ein Tor machen müsste“, sagte Langkamp. „Der Freistoß von Marvin Plattenhardt kam punktgenau. Das ist ein Big Point gegen einen direkten Konkurrenten.“

Dardai sah keinen Grund, seine Mannschaft nach dem 2:2 gegen Schalke personell umzustrukturieren. Er ließ dieselbe Mannschaft auflaufen. Beim Gegner aus Hamburg stand ein Spieler in der Startelf, den Dardai demnächst ebenfalls aufstellen wird: Zoltan Stieber. Ihn hatte der Hertha-Trainer kürzlich in den Kader der ungarischen Nationalelf für die EM-Qualifikationspartie gegen Griechenland am 29. März berufen. Beim Verband seines Heimatlandes ist der 39-Jährige ja auch noch als Übungsleiter angestellt. Zunächst nicht beäugen konnte Dardai dagegen seinen alten Teamkollegen Pierre-Michel Lasogga. Der wiedergenesene Ex-Herthaner saß vorerst nur auf der Bank.

HSV wollte wieder Tore schießen

Beim HSV haben sie das Problem, keine Tore schießen zu können. 14 Mal waren sie zuvor schon ohne eigenen Treffer in dieser Saison geblieben.

Aber das Team von Trainer Joe Zinnbauer, für den es bei dieser Partie auch um seinen Job ginge, hieß es, hatte sich vorgenommen, das zu ändern: Stieber bewies seinem Nationaltrainer auf der Hertha-Bank, dass er kein Schlechter ist, und prüfte Thomas Kraft im Berliner Tor (6.). Sekunden danach köpfte Cleber übers Ziel hinaus. Beim zweiten Versuch des Brasilianers lag der Ball im Netz, aber Schiedsrichter Christian Dingert entschied auf Foulspiel – richtige Entscheidung (12.). Hertha setzte auf die bewährte Methode der vergangenen Wochen: tief stehen und kontern. Aber so richtig ambitioniert wurde es zunächst nicht.

Startschuss für die Schlussoffensive

Änis Ben-Hatira hob einen Ball über das HSV-Tor (16.). Mehr Gefahr war nicht im ersten Durchgang vor dem Hamburger Tor. Der HSV war die aktivere Mannschaft (hatte zur Halbzeit 63 Prozent Ballbesitz). Hertha spielte kampfstark, sachlich und ohne Risiko. Zur zweiten Hälfte nahm Dardai den schwachen Ben-Hatira vom Feld und brachte Genki Haraguchi. Ansehnlicher wurde es trotzdem nicht. Umso länger das Spiel dauerte, desto mehr verhärteten sich die Fronten vor beiden Strafräumen. Zinnbauer wählte deshalb die Brechstange und wechselte Lasogga unter Jubel der Heim- und Pfiffen der Auswärtsfans ein (63.). Aber die bis dahin beste Chance gab es für Lasoggas Ex-Klub Hertha: Roy Beerens flankte, Salomon Kalou köpfte, doch HSV-Torwart Rene Adler parierte (64.).

Aber irgendwie war das der Startschuss für eine Schlussoffensive beider Teams: Kraft musste gegen Ivica Olic, dem anderen ehemaligen Berliner Stürmer, raus. Lasogga fiel der Ball vor de Füße, doch eher der ihn ins leere Tor schieben konnte, war Langkamp zur Stelle und blockte den Schuss (69.).

Cleber sieht Gelb-Rot

Der HSV blieb weiter torlos und schwächte sich im Endspurt selbst: Cleber sah nach einem Griff ins Gesicht von Fabian Lustenberger die Gelb-Rote Karte (81.). Und dann schlug Hertha zu: Ein Freistoß von Marvin Plattenhardt flog in den Hamburger Strafraum, Langkamp stieg hoch und köpfte sich und Hertha ins Glück. „Diese Freistoß-Variante haben wir oft geübt“, sagte Plattenhardt, „dieser Sieg macht uns stolz und glücklich.“ Trainer Dardai sagte: „Kompliment an die Mannschaft. Sie hat sehr hart gearbeitet und das taktisch sehr gut gemacht.“

Kapitän Lustenberger sagte: „Wir haben jetzt vier Spiele nicht verloren, dabei dreimal zu Null gespielt, das ist ein guter Trend.“