Bundesliga

1:3 gegen Paderborn - Hertha rutscht in die Krise

Nach dem Pokal-Aus die nächste Pleite für Hertha in Ostwestfalen: Die Berliner haben beim Aufsteiger Paderborn verloren - 1:3. Ausgerechnet einer der Paderborner Treffer kam von einem Ex-Herthaner.

Foto: Thomas Starke / Bongarts/Getty Images

Fußballfans sind nachtragende Gesellen. Zumindest diejenigen von ihnen, die erleben müssen, dass ihre Mannschaft sie zum wiederholten Mal enttäuscht. Was die 1250 mitgereisten Hertha-Fans in der Paderborner Arena vom Dargebotenen ihres Teams am Dienstag im DFB-Pokal beim Drittligisten Arminia Bielefeld hielten, ließen sie die Berliner Profis schon vor Anpfiff der Bundesligapartie beim SC Paderborn am Sonntag wissen: „POKAL-VERSAGER“ stand auf einem Banner im Gästeblock. Das erneute Pokal-Aus schmerzt den Anhang. Deshalb schallte dem Team von Trainer Jos Luhukay ein grimmiges „Wir wollen euch kämpfen sehen“ entgegen, als es den Rasen gegen Paderborn betrat.

„Eine peinliche Leistung“

Fußballfans haben ein gutes Gespür für das aktuelle Leistungsniveau ihrer Mannschaft. Und so konnte jenes Versager-Plakat auch als Warnung verstanden werden: Wehe, es droht Pokal zweiter Teil in Ostwestfalen! Doch es half nichts: Auch im 50 Kilometer südlich von Bielefeld liegenden Erzbistum Paderborn präsentierte sich Hertha so ideenlos wie gegen die Arminia und verlor das Spiel gegen den Aufsteiger verdient mit 1:3 (1:1). Damit warten die Berliner saisonübergreifend seit elf Spielen auf einen Auswärtserfolg.

„Wir haben eine peinliche Leistung abgeliefert“, sagte Außenverteidiger Marcel Ndjeng. „Es gab klare Worte in der Halbzeit. Dann bekommen wir ein so banales Gegentor. Das war naiv, da fehlen mir die Worte.“ Den Wunsch danach, sein Team möge doch bitte wieder in den Kampfmodus zurückkehren, hatte auch Luhukay. Der Niederländer berief Peter Niemeyer in die Startelf – Hauptqualität: Kampfkraft. Zudem kehrte der wiedergenesene John Heitinga ins Abwehrzentrum zurück – ebenfalls einer von der Sorte „kampferprobt“. Aber auch mit solchen Haudegen begann Hertha nervös. Nach nur drei Minuten hätte es schon 2:0 für das Team von Trainer André Breitenreiter stehen können, wenn Berlins Schlussmann Thomas Kraft in seinem 75. Bundesliga-Spiel für Hertha nicht den Fernschuss von Moritz Stoppelkamp gerade noch so hätte abwehren können und hätte Elias Kachunga seine große Kopfballgelegenheit aus fünf Metern freistehend nicht vergeben.

Hertha, ohnehin das zweikampfschwächste Mannschaft der Liga, gewann in der ersten halben Stunde des Spiels nur knapp 30 Prozent der Zweikämpfe. Ein solches Defizit sorgt dafür, dass vorn nichts Gescheites zustande gebracht wird und hinten Gefahr droht. Ein Fehler Hajime Hosogais hatte Folgen: Der Japaner ließ den Ball im Strafraum genau vor die Füße von Paderborns Marvin Bakalorz abtropfen, der drosch ihn unhaltbar für Kraft zum 0:1 ins Netz (28.).

Kachunga trifft gegen seinen Ex-Klub

Lange Gesichter bei den Berlinern, freudige bei den meisten der 14.630 Zuschauer in der Arena. Das Verhältnis aber kehrte sich schlagartig um, als plötzlich der Ball im Paderborner Netz lag: Im Moment der größten Ratlosigkeit erinnerte sich Hertha an ein Mittel, das sich jüngst beim 1:0 gegen Wolfsburg bewährt hatte: Flanke von Marcel Ndjeng, Kopfball Salomon Kalou, Tor. Mit dem ersten vernünftigen Angriff gelang den Blau-Weißen der 1:1-Ausgleich (41.). Kurz vor der Pause hatte Hertha zweimal Glück, als ein abgefälschter Freistoß von Alban Meha knapp am Pfosten vorbei strich und dann Kraft sehenswert einen Kopfball von Uwe Hünemeier parierte (45.).

Jener letzte Eindruck bestätigte sich auch nach Wiederanpfiff. Paderborn drückte auf die Führung und bekam sie: Jens Wemmer schoss aus spitzem Winkel, Kachunga schob seine Stirn dazwischen – der Ball sprang vom Innenpfosten zum 1:2 in Tor (52.). Kachunga war vor zwei Jahren bei Hertha gescheitert und nach nur einer Hinrunde entnervt gegangen. Dies war seine persönliche Genugtuung. Luhukay wechselte offensiv, brachte Ronny und Genki Haraguchi. Das Spiel machte weiter Paderborn und belohnte sich für den Aufwand: Mehas 20-Meter-Flachschuss landete im Netz, 1:3 (76.).

Fans verlieren die Contenance

War das Versager-Plakat im Hertha-Fanblock während des Spiels noch freundlicherweise irgendwo verstaut worden, wurde es nun wieder wütend hervorgeholt. Vom Kämpfen wollte die Anhängerschaft jetzt nichts mehr wissen und brüllte stattdessen resignierend: „Wir haben die Schnauze voll.“

Mit zwei miserablen Auftritten innerhalb von fünf Tagen hat Hertha dafür gesorgt, dass die Stimmung bei den Fans gekippt ist. Statt einer Woche, die zur Aufbruchstimmung genutzt werden soll, steht Hertha vor unruhigen Wochen bis zum Jahresende.

„Wir laufen nicht zusammen offensiv und nicht zusammen defensiv. Die Räume waren zu groß“, haderte Per Skjelbred. „Wir haben viel zu einfache Tore bekommen. Wir müssen immer 100 Prozent Gas geben. Wenn wir das nicht tun, wird das auch nichts.“

Trainer Luhukay sagte: „Ich hoffe, dass die Mannschaft kein Mentalitätsproblem hat. Wir haben das Spiel nicht angenommen. Ich habe vorher mit der Mannschaft darüber gesprochen, was uns erwartet. Paderborn war mit viel mehr Leidenschaft in den Zweikämpfen. Ich habe Herz und Leidenschaft vermisst. Wenn man so spielt, hat man es nicht verdient zu gewinnen.“