Das Wörtchen Aufbruch klingt so vielversprechend. Schluss mit dem Alten, auf zu Neuem. Beim VfB Stuttgart ist der Begriff derzeit Programm: #aufbruch1893 heißt der Hashtag, mit dem der Bundesligist seinen Auftritt bei Twitter – vor allem aber die neue Mentalität im Klub kommuniziert.

Im Mittelpunkt der Aktion steht der neue Trainer Thomas Schneider, der morgen mit dem VfB bei Hertha BSC antritt (20.30 Uhr, Olympiastadion). Nach zwei Wochen Amtszeit hat der 40-Jährige die Aufbruchsstimmung nicht nur mit einem 6:2 über Hoffenheim, sondern auch mit Sätzen wie diesem ausgelöst: „Ich habe es mir auf die Fahnen geschrieben, dass die jungen Spieler wieder ein besseres Standing bekommen, als es zuletzt der Fall gewesen ist.“

Solche Aussagen kommen gut an, gerade weil Schneiders Vorgänger Bruno Labbadia oft die mangelnde Integration der Talente angekreidet wurde. „Boah, ist das ein Thema hier“, stöhnte Labbadia einst bei der Frage nach Einsatzzeiten für die Nachwuchskräfte und bemängelte stattdessen, dass er nicht die gewünschte Transfers bekomme.

Stuttgart liebt seinen Nachwuchs

Ein Fehler. Denn die Jugendarbeit ist seit jeher der große Stolz der Schwaben. Sechs Prozent aller Bundesligaspieler stammen aus der VfB-Jugend, so viele wie von keinem anderen Klub. Im aktuellen Kader sind es acht von 27 Spielern. Dass Schneider nun auf die Eigengewächse setzen will, geht vielen in Stuttgart runter wie Spätzle. Beim ersten Saisonsieg gegen Hoffenheim verhalf er dem 17-jährigen Timo Werner zum Startelf-Debüt. Der dankte es mit zwei Vorlagen und einem überragendem Spiel.

Bei Hertha ist man auf den frischen Wind aus Stuttgart vorbereitet. „Sie sind unter ihrem neuen Trainer mit mehr Selbstbewusstsein aufgetreten“, weiß Trainer Jos Luhukay, der seit seinem Amtsantritt in Berlin ebenfalls einen Verjüngungsprozess vollzogen hat. Ein wichtiger Teil seiner Arbeit, denn wie dem VfB wurde Hertha oft die Verschwendung der eigenen Ressourcen vorgeworfen.

Luhukay gelingt die Integration

Doch während Stuttgart den Wandel nun mitten in der Saison praktiziert, hatte Luhukay in Liga zwei ein ganzes Jahr Zeit dazu. In der Folge konnten sich Talente wie Nico Schulz, John Brooks und Hany Mukhtar etablieren. Besonders dem verletzten Mukhtar hätte Luhukay ob der aktuellen Personalsituation im Mittelfeld morgen gern eine Chance gegeben. Der 18-Jährige kennt sich übrigens aus mit dem Gegner: 2012 gewann er mit Herthas U17 die Deutsche Meisterschaft – gegen den VfB Stuttgart unter dem damaligen Trainer Thomas Schneider.

Der muss nun dafür sorgen, dass aus dem Jugend- kein Größenwahn wird. VfB-Präsident Bernd Wahler träumt bereits von einer Rückkehr zu Zeiten der jungen Wilden, als Stuttgart mit Spielern wie Sami Khedira und Serdar Tasci Deutscher Meister wurde. In drei bis fünf Jahre wolle man in die Champions League, so Wahler. Schneider ist nicht ganz so forsch: „Dies war erst der erste Schritt der Aufbruchstimmung. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns“, sagte er nach dem Sieg gegen Hoffenheim.

Mitarbeit: ub