Zweite Liga

Hertha kämpft um den Hauptsponsor und Verstärkung

Im Aufstiegsrennen um die Bundesliga geht es für Hertha um TV-Millionen, den Hauptsponsor Deutsche Bahn und die Führungsmannschaft.

Foto: Annegret Hilse / picture alliance / Annegret Hils

Auf den ersten Blick kann nichts mehr schief gehen: Der beste Angriff, die beste Abwehr und ein Trainer, der Sympathieträger ist, dazu beruhigende zehn Punkte Vorsprung auf Platz drei – der Weg zum Aufstieg von Hertha BSC scheint breit und komfortabel. Zumal keine komplette Rückrunde ansteht, sondern nur noch 15 Partien. Und der Auftaktgegner am Sonntag heißt Jahn Regensburg, Tabellenletzter der Zweiten Liga. Alles andere als die sofortige Rückkehr in die Fußball-Bundesliga wäre eine Sensation.

Wer Geld auf den Hauptstadtklub wetten will, ist mit einem Sparkonto auf der Sparkasse besser bedient. In der Rubrik „welcher Zweitligist steigt auf“ zahlt Wettanbieter Bwin bei Hertha BSC für einen eingesetzten Euro am Saisonende 1,03 Euro. Damit wird dem Liga-Zweiten sogar mehr zugetraut als Überraschungs-Tabellenführer Eintracht Braunschweig (1,05 Euro). Beim Dritten Kaiserslautern gibt es bereits neun Euro. Der Liga-Siebte Union gilt als krasser Außenseiter (51 Euro).

Luhukay bekämpft Überheblichkeit

Mehr Aufstiegsfavorit als Hertha geht nicht. Was aber auch bedeutet: Kein anderer Zweitligist tanzt in einer so extremen Fallhöhe wie die Berliner. Sowohl Präsident Werner Gegenbauer als auch Finanzchef Ingo Schiller haben deutlich gemacht: „Einen Kraftakt wie in dieser Saison können wir nur einmal stemmen.“

Sollte die Mission Aufstieg wider Erwarten schief gehen, müssten sich die Berliner im kommenden Spieljahr als biederer Zweitligist irgendwo im Feld einreihen – vorausgesetzt, Hertha würde die Lizenz erhalten. Im Morgenpost-Blog „Immer Hertha“ wird über dieses Horrorszenario bereits gekalauert. Sollte sich Hertha die Blamage des Nicht-Aufstieges leisten, wäre das Motto für die dann anstehende Saison: „Wir können alles – außer Fußball“.

Aber natürlich wird im Verein mit Hochdruck daran gearbeitet, dass die Saison ein positives Ende nimmt. Gleichwohl ist Trainer Jos Luhukay, der bereits mit Mönchengladbach (2008) und Augsburg (2011) aufstieg, der erste Mahner: „Noch haben wir nichts erreicht. Und es gibt keinen Automatismus, dass es so erfolgreich weitergeht.“ Manager Michael Preetz will von Überheblichkeit mit Blick auf den Start beim Schlusslicht nichts wissen. „Wir lassen uns den Blick nicht vernebeln. Wir nehmen die Aufgabe Regensburg ernst. Ein guter Start ist wichtig.“

Noch mehr sportliche Qualität

Die Berliner gehen mit nochmals gestiegener sportlicher Qualität ins neue Jahr. Mit Maik Franz, Peter Pekarik, Levan Kobiashvili, Änis Ben-Hatira und Pierre-Michel Lasogga kehren nach langen Pausen ehrgeizige Profis zurück. Der Trainer setzt jedoch zunächst auf die gewachsene Mannschaft, die seit 17 Spielen in Folge ungeschlagen ist. Es wird spannend sein zu beobachten, ob jeder der 25 Akteure bereit ist, im Zweifel das eigene Ego mal zurückzustellen – zugunsten der Gruppe. Im ersten Saisonabschnitt war die eindrucksvolle Stabilität eine entscheidende Stärke von Hertha (und Braunschweig).

Auch für die Entwicklung des Klubs ist eine souveräner Auftritt unabdingbar. Bekanntlich läuft der Vertrag mit Hauptsponsor Deutsche Bahn aus. Bei den Verhandlungen über einen neuen millionenschweren Vertrag würde es die Position von Hertha stärken, wenn das blau-weiße Schiff auch im Frühjahr klar den Kurs Richtung Aufstieg halten könnte.

Auch im Ringen um die eine oder andere Verstärkung für die kommende Saison gilt die Maxime: Je früher ein Verein mit der Perspektive erster Liga locker kann, desto leichter verhandelt es sich. „Wir dürfen nicht den Fehler machen, uns jetzt schon mit der Bundesliga zu befassen“, sagt Manager Preetz. „Die Reihenfolge ist wichtig. Aber klar, im Hintergrund laufen die Vorbereitungen. Uns hilft es, wenn wir früher Klarheit haben.“

Mehr Geld aus dem Fernseh-Topf

Ein schlagendes Argument für die Rückkehr in die Eliteliga sind die anstehenden finanziellen Veränderungen. Ab Sommer beginnt der neue TV-Vertrag der Deutschen Fußball-Liga. Der beschert allen Klubs deutlich mehr Geld. So kann Hertha als Bundesligist 2013/14 mit Fernseh-Einnahmen von gut 20 Millionen Euro kalkulieren. Zum Vergleich: Im aktuellen Zweitliga-Jahr erhalten die Berliner aus dem TV-Topf 7,8 Millionen.

Diese Differenz ist gewaltig. Zumal der Haupstadt-Klub das erneute Abenteuer Zweite Liga erneut mit einem Minus abschließen wird. Schon im vergangenen Sommer hatten sich die Verbindlichkeiten auf 42 Millionen Euro addiert. Ein Abbau dieses ungesunden Schuldenberges kann Hertha nur mit Einnahmen aus der Bundesliga angehen.

Führungsmodell auf dem Prüfstand

Nicht zuletzt steht in den verbleibenden vier Monaten das Führungsmodell von Hertha auf dem Prüfstand. Präsident Werner Gegenbauer, Manager Preetz und Finanzchef Schiller wollen seit Juli 2009 in der hektischen Profibranche mit Ruhe und Kontinuität bestehen. Jeder soll sich um seinen Bereich kümmern, ein Mr. Überall (wie Vorgänger Dieter Hoeneß) ist nicht gefragt. Doch in der turbulenten Vorsaison liefen die Geschehnisse mit dem zweiten Abstieg binnen drei Jahren plus diverser Trainer-Querelen plus Problemen bei der Außendarstellung zeitweise aus dem Ruder. Das darf sich nicht wiederholen.

Noch einmal hat Hertha im vergangenen Sommer alle Kräfte für die Konstellation mobilisiert. Präsident Gegenbauer führt nach innen, hält sich öffentlich aber extrem zurück. Auch Michael Preetz findet ausgeprägte Selbstdarstellung wenig wichtig, er versteht sich in preußischer Tradition als „erster Diener des Vereines“. Der mediale Frontmann ist zumeist Jos Luhukay mit seiner unaufgeregten Art. Vor der Frage, ob man mit diesem Führungsmodell ein etablierter Erstligist werden kann, steht zunächst die Herausforderung, bis zum 19. Mai (letzter Spieltag der Saison), erst mal den Wiederaufstieg festzuzurren.