Testspiel

Rückkehrer verhelfen Hertha zum Sieg gegen Wolfsburg

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Marcel Stein

Foto: Thomas Eisenhuth / picture alliance / dpa

Während sich Ronny verletzte, zeigten sich Lasogga, Kobiashvili und Janker wieder dem Publikum.

Der Nachmittag war so wie der ganze Mittwoch - vernieselt, trübe, einfach nichts, um freiwillig vor die Tür zu gehen und sich in ein kleines Fußballstadion zu stellen oder zu setzen. Wenn sich das Spiel dann auch noch den Wetterbedingungen anpasst, es sich dazu nur um einen Test handelt, scheint ein Anflug des Bereuens im Bereich des Möglichen.

Doch wer den Weg ins Amateurstadion von Hertha BSC auf sich nahm, und das taten bei freiem Eintritt immerhin 943 Zuschauer, der erlebte als Fan ein paar recht emotionale Stunden. Was freilich nicht an dem 2:1 (1:0) lag, dass der Zweite der Zweiten Fußballliga gegen die zweite Mannschaft des VfL Wolfsburg erkämpfte.

Distorsion im Sprunggelenk

Große Erwartungen an das Resultat trieben ohnehin die wenigsten an den Rasen angesichts des ersten Tests von Hertha nach dem Winterurlaub und erst einer Woche Training. "Es war eine erweiterte Trainingseinheit. Das Ergebnis ist nicht entscheidend", sagte auch Trainer Jos Luhukay. Die Wiedersehensfreude genoss weit mehr Bedeutung, schließlich hatten einige Spieler lange fehlt.

Auf dem Platz bekamen die Zuschauer Pierre-Michel Lasogga, Levan Kobiashvili und Christoph Janker aber vorerst nicht zu sehen. Trainer Jos Luhukay hatte zunächst die Mannschaft aufs Feld geschickt, die in der Hinrunde überzeugt hatte. Mit Ausnahme von Robert Andrich, der Amateur ersetzte den erkälteten Kapitän Peter Niemeyer.

Aus dem Stammensemble fehlte bald noch einer, das war dann der Teil des Nachtmittags mit den unschönen Emotionen. Auf der Tribüne war das Mitleiden greifbar, als Spielmacher Ronny beim Versuch einer Flanke im Rasen hängen blieb. Sofort zeigte er an, dass es für ihn nicht mehr weitergehen würde.

Nach kurzer Behandlung humpelte er in die Kabine. "Wie es aussieht, scheinen die Bänder wohl ok zu sein", sagte Luhukay anschließend. Eine leichte Kapsel-Distorsion im linken Sprunggelenk lautete die Diagnose. "Ronny wird eine Woche pausieren, kann dann wieder trainieren.", teilte Teamarzt Dr. Uli Schleicher mit.

Ein längerer Ausfall des Regisseurs würde Hertha nicht gut tun. Er ist der zentrale Punkt im Spiel der Mannschaft, das zeigte auch der Test gegen die Wolfsburger Amateure. Viel lief über ihn in der ersten Halbzeit, wenig über außen. Der Führungstreffer gelang dennoch erst, als Ronny gerade in die Kabine humpelte. Adrian Ramos hatte Sami Allagui bedient (40.).

Janker macht den solidesten Eindruck

Dann war es Zeit für den Teil mit den schönen Emotionen. Unter dem Beifall der Fans betraten Lasogga, Kobiashvili und Janker den Rasen wieder im Hertha-Trikot. "Das hat Spaß gemacht, mit der Mannschaft, mit den Zuschauern", sagte der Georgier Kobiashvili, der sieben Monate gesperrt gewesen war. Obwohl sich die lange Pause bei ihm noch bemerkbar machte.

Als defensiver Mittelfeldspieler hatte er einige Orientierungsschwierigkeiten. Als ihm Danko Boskovic in der Mitte entwischte, traf der zum Ausgleich (66.). Kobiashvili verlor danach die Balance, traf immer wieder falsche Entscheidungen. Darunter litt die Mannschaft, die in der zweiten Halbzeit überwiegend aus Ergänzungsspielern bestand. Hertha brauchte einige Zeit, um sich von dem Gegentreffer zu erholen.

In die Einzelkritik ging Trainer Luhukay anschließend nicht. "Man hat gesehen, dass sie Zeit und Rhythmus brauchen", sagte der Niederländer bezüglich der Rückkehrer. Von denen machte der lange an der Leiste verletzte Janker auf der rechten Abwehrposition in der Defensive den solidesten Eindruck. Nach vorn aber konnte er sich kaum einschalten. Immerhin aber hatte er den Ball oft.

Publikumsliebling Lasogga bekam ihn selten und hing oft in der Luft. Ein kleines Kunststückchen am Anfang, ein Schuss, das war es dann auch schon. Bis kurz vor dem Ende dann noch eine Flanke vom sehr aktiven Marvin Knoll knapp am ihm vorbeirauschte.

Nächster Test am Sonnabend

"Für mich ist es wichtig, die Minuten zu bekommen. Spielpraxis ist wichtiger als immer nur Training", sagte der Stürmer, den ein Kreuzbandriss lange außer Gefecht setzte: "Wir haben jetzt noch ein paar Wochen Zeit, da kann man sich immer weiter mit dem Team einspielen."

Die nächste Möglichkeit bietet sich am Sonnabend, dann reisen die Berliner nach Wolfsburg und treten dort gegen die Profimannschaft des Bundesligisten an. Gefühl und Timing bräuchten alle Spieler jetzt, sagte Luhukay noch. Und dass er sich trotzdem freue, dass Sandro Wagner in der Schlussminute noch das 2:1 gelang.