2. Liga

3:0 - Hertha BSC zähmt die Münchner Löwen

Die Berliner haben im Kampf um die Aufstiegsplätze einen wichtigen Sieg gelandet. Sie gewannen 3:0 gegen 1860 München.

Foto: Clemens Bilan / dapd

Da waren sie wieder, die Sprechchöre: „Sieg. Sieg. Sieg“. Die Banner mit der Aufschrift: „Echte Liebe kennt keine Liga“. Die Fans, die am Freitagabend trotz der nasskalten Witterung im Berliner Olympiastadion oben ohne in der ersten Reihe standen. Die Uffta, die Freuden-Choreographie, die die Mannschaft minutenlang mit den Anhängern in der Ostkurve feierte. Alle Spieler, inklusive der Reservisten, hüpften mit, Änis Ben-Hatira schwenkte eine große Fahne.

82 magische Sekunden hatte Hertha BSC in den Freitagabend gemalt. 82 Sekunden, die als Kampfansage aus Berlin an die gesamte Zweite Liga gehen. Mit einem Doppelschlag durch Tore von Adrian Ramos (55.) und Änis Ben-Hatira (57.) sorgte Hertha für die Vorentscheidung in einem bis dahin packenden Spitzenspiel. Am Ende sorgte Ben-Hatira mit seinem zweiten Treffer für den 3:0-Endstand gegen 1860 München (77.).

Es war nicht nur das Ergebnis gegen einen Mitbewerber im Aufstiegsrennen, das die Konkurrenz aufhorchen lassen wird. Die Löwen kassierten in 90 Minuten im Olympiastadion nicht nur ihre erste Saisonniederlage, sondern auch so viele Gegentreffer wie in allen acht vorangegangenen Saisonspielen zusammen. Mehr noch imponierte die durchgehend aktive Spielweise der Berliner. Löwen-Trainer Rainer Maurer war beeindruckt: „Hertha ist die Topmannschaft der Liga. Ich schätze sie stärker ein als den 1. FC Kaiserslautern, das 3:0 war verdient.“

Die hart umkämpfte Partie entschied sich kurz nach der Pause. Marcel Ndjeng flankte von der rechten Seite, Adrian Ramos schraubte sich sieben Meter vor dem Tor in die Höhe und köpfte den Ball unten rechts neben den Pfosten, das erlösende 1:0. Wie ein Flummiball sprang er Richtung Fans, zeigte seine Fäuste und riss die Augen weit auf. So ausgelassen hatte der Kolumbianer, der Hertha bis Ende August noch unbedingt hatte verlassen wollen, lange kein Tor mehr gefeiert. Schon bis zu diesem Zeitpunkt war Ramos der auffälligste Akteur auf dem Platz gewesen. Und benötigte knapp 80 Sekunden, um inmitten des Publikumsjubels und der Stadionansage zum neuen Spielstand erneut zu glänzen. Ramos steckte im richtigen Moment den Ball zwischen den Löwen-Innenverteidigern durch, dem sprintenden Ben-Hatira direkt in den Lauf. Der Herthaner wartete, bis der Ex-Herthaner Gabor Kiraly spekulierte und in die rechte Ecke tauchte – über den fallenden Torwart hinweg löffelte Ben-Hatira den Ball, 82 Sekunden nach dem 1:0 landete er zum zweiten Mal im Netz.

Nun herrschte Feierstimmung allerorten. Hertha spielte wie im Rausch, die Gäste wussten nicht, wie ihnen geschah. Wie es um das Selbstbewusstsein der Berliner bestellt war, belegte der schönste Treffer des Abends. Nach einer Vorlage von Peer Kluge lief erneut Ben-Hatira über 30 Meter aufs Münchener Tor zu. Der Deutsch-Tunesier griff zur Königsdisziplin der Stürmer, einem Heber aus vollem Lauf. Von der Strafraumgrenze lupfte Ben-Hatira den Ball über den 1,91 Meter großen Torwart hinweg, 3:0.

Glück in Halbzeit eins

So deutlich das Resultat ausfiel, in der ersten Hälfte hätte sich die Waage zu beiden Seiten neigen können. Die Hausherren begannen stark, Sami Allagui traf das Außennetz (9.), Ramos scheiterte an Kiraly (23.). 1860 versuchte Hertha mit Härte zu beeindrucken. Und erspielte sich zwei exzellente Möglichkeiten. Daniel Halfar zog aus 14 Metern ab, Torwart Thomas Kraft lenkte den Ball aber mit den Fingerspitzen an den Pfosten (22.). Zwei Minuten vor der Pause hatte Hertha Glück, dass Benjamin Lauth frei vor dem Hertha-Tor auf dem nassen Rasen ausrutschte, dahin war die Großchance.

Nach der Pause legten die Hausherren noch einmal zu, die neu formierte Abwehr mit Fabian Lustenberger und John Brooks harmonierte gut, stand gut. Der 19-Jährige, mit dem Trainer Jos Luhukay noch vor zwei Tagen lange eindringlich gesprochen hatte, stand erstmals seit dem 12. August in der Anfangself. Vor 32.547 Zuschauern behielt der amerikanische Junioren-Nationalspieler die Ruhe und spielte einen sachlichen Innenverteidiger. Nach dem Spiel sagte Brooks: „Es fühlt sich super an. Ich bin dem Trainer dankbar, dass er mir das Vertrauen geschenkt hat.“

Ein Extralob verdiente sich als Antreiber und Kämpfer Peter Niemeyer. Der Kapitän strahlte: „Ich bin stolz auf die Mannschaft. Der Gegner hat endlich mal mitgespielt. Dann ist es für uns auch einfacher.“

Manager Michael Preetz sagte mit Blick auf die vielen Verletzungsausfälle. „Das war überraschend gut. Nach den vielen Umstellungen, die der Trainer vornehmen musste, war das keine selbstverständliche Leistung.“ Trainer Luhukay blieb kritisch, er hatte noch Etliches ausgemacht, was zu verbessern wäre. Aber er registrierte die Euphorie und freute sich „für die Zuschauer, die eines unser besten Heimspiele gesehen haben“.

Hertha hat mit dem fünften Saisonsieg 1860 München überholt und steht mit nun 18 Zählern für zumindest eine Nacht auf Tabellenplatz zwei. Der berechtigt am Saisonende bekanntlich für den Aufstieg in die Bundesliga. Der Respekt vor dem Hauptstadt-Klub ist bei der Konkurrenz angekommen. 1860-Kapitän Lauth sagte: „In Berlin kann man verlieren. Hertha ist der Aufstiegsfavorit.“ Wenn sie so spielt wie Freitagabend – auf jeden Fall.