Kommentar

Luhukays Wutrede verpufft wirkungslos

Zwar braucht Hertha Zeit, um unter dem neuen Trainer in Schwung zu kommen. Aber der Druck ist jetzt schon brutal hoch, meint Uwe Bremer.

Hertha ist die tragische Truppe des deutschen Fußballs. Das hat die Wochenzeitschrift „Die Zeit“ jüngst festgehalten. In der Tat ist kaum zu glauben, wie es auch der blau-weiße Jahrgang 2012 schafft, in minimaler Zeit maximalen Druck aufzubauen. Eigentlich versteht jeder Fan, dass die weitgehend neue Mannschaft mit dem neuen Trainer etwas Zeit braucht, um in Schwung zu kommen. Jos Luhukay ist als großer Hoffnungsträger in Berlin angetreten. Aber bisher greifen die Rädchen nicht ineinander: nicht zwischen Trainer und Team, siehe Luhukays Wutpredigt nach dem 1:3 beim FSV Frankfurt. Die verpuffte wirkungslos. In der Mannschaft wird nach Stabilität gesucht. In Frankfurt stand keine Einheit auf dem Platz. In Worms nahm Luhukay sechs Änderungen vor. Resultat: Aus in Pokalrunde eins bei einem Viertligisten.

Nach dem Bundesliga-Abstieg samt Relegationschaos und Imageschaden ist die neue Saison gerade drei Wochen jung. Dennoch hat Hertha es geschafft, den Druck für die kommenden Aufgaben brutal zu erhöhen. Die heißen Regensburg am Freitag. Dann geht es zu Union. Der gesunde Menschenverstand legt nahe, dass selbst der Zeitpunkt nach dem Berliner Derby – es handelt sich erst um den vierten Spieltag – viel zu früh ist für eine Bilanz. Doch die Fragen kommen schon jetzt: Erreicht Luhukay die Mannschaft? Ist der Kader gut zusammengestellt? Behält Manager Michael Preetz die Nerven? Alles fatal, braucht Hertha doch jetzt vor allem eines: Ruhe.