Zweite Liga

Herthas Hoffnungsträger Kluge und Franz sind zurück

Die Rückkehr der beiden Berliner Führungsspieler wurde nach dem Debakel in Frankfurt sehnlichst erwartet. Doch viel Zeit bleibt nicht.

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Der Blick auf die Tabelle lässt jeden, dessen Herz für Hertha BSC schlägt, nicht wirklich begeistert zurück. Auf dem Relegationsplatz ist der Bundesliga-Absteiger zu finden. Nein, nicht auf dem zum Oberhaus, sondern unten, auf Rang 16, dem Relegationsplatz zur Dritten Liga.

Verstärkt wird das mulmige Gefühl zudem durch die in Wort und Ton gleichermaßen deutliche wie in dieser Form schon zum jetzigen Zeitpunkt unerwartete Schelte von Jos Luhukay. Leitwölfe habe der Trainer vermisst, Profis, die in schwierigen Situationen wie zuletzt in Frankfurt vorangehen und vor allem den jungen Spielern Rückhalt geben.

Jene Akteure, denen Luhukay zuletzt das Vertrauen schenkte, sind derzeit Teil des Problems. Der Brasilianer Ronny, mit einem Tor und einer Vorlage zum Auftakt gegen Paderborn (2:2) noch gefeiert, stand in Frankfurt völlig neben sich. Begriffe wie Stehgeiger machten im Anschluss die Runde. In der Innenverteidigung sollte Roman Hubnik der Leitwolf für die jungen John Brooks und Nico Schulz sein.

Doch auch der mit 23 Einsätzen dekorierte tschechische Nationalspieler und EM-Teilnehmer blieb weit hinter den Erwartungen. Hertha im August 2012 – ein Klub auf der Suche nach Führungsspielern.

„Ich will Erfolg”

Da trifft es sich gut, dass sich vor dem Pokalspiel am Sonntag bei Wormatia Worms zwei erfahrene Akteure wieder zurückmelden. Einer ist Peer Kluge. Er hatte in Frankfurt wegen einer Verletzung am Sprunggelenk gefehlt, ist jedoch schon wieder im Training. Mit seinen 218 Bundesligaspielen für den 1. FC Nürnberg und Schalke 04 kann der 31-Jährige zur ordnenden Hand im Mittelfeld werden. Der andere, Maik Franz, ist der Hoffnungsträger für die Defensive, zumal Hubnik durch seine Rote Karte vom Pokalviertelfinale gegen Mönchengladbach im Februar ohnehin gesperrt ist. „Hoffnungsträger, das möchte ich gern sein“, sagt Franz. In jedem seiner Worte ist zu spüren, wie sehr er auf seine Rückkehr auf den Platz brennt. Acht Monate ist es her, dass den 31-Jährigen ein Kreuzbandriss außer Gefecht gesetzt hatte. „So lange war ich noch nie verletzt“, blickt der Verteidiger nur kurz zurück. Groß ist der Wunsch, seiner Mannschaft endlich helfen zu können.

Und er bringt das mit, was man zuletzt beim Auftritt am Bornheimer Hang bei den Berlinern vermisst hat: Siegeswille. „Ich will Erfolg“, sagt Franz. Wohl wissend, welche Rolle von ihm erwartet wird. „Wir haben junge, talentierte Spieler. Aber es liegt an uns erfahrenen, den jungen Spielern zu helfen“, sagt der Blondschopf. Dass dies nicht immer von heute auf morgen geht, liege in der Natur der Sache. Zum einen „sind wir ja erst wenige Wochen zusammen, dass da noch nicht alle Abläufe hundertprozentig funktionieren können, ist doch klar“, erklärt Franz. Aber: „Wenn die jungen Spieler glänzen, können auch wir erfahrenen glänzen und damit die gesamte Mannschaft.“

Geduld für Hertha

Dann ist da die veränderte Situation. Vom komplett defensiven System wie in der Bundesliga auf ein komplett offensives umzustellen, sei eben auch für einen Aufstiegsfavoriten nicht so einfach. „Die Gegner stellen sich auch von Beginn an hinten rein, das macht die Sache noch schwerer“, so Franz: „Erst recht, wenn du auf dem Platz nicht das machst, was verlangt wird.“ Vor diesem Hintergrund findet Franz die lautstarke Kritik von Trainer Luhukay auch keineswegs überzogen. „Es heißt doch: Wehret den Anfängen. Und der Trainer hat mit seiner Kritik versucht, alle wachzurütteln“, sagt Franz. Er selbst sieht ein einfaches Mittel, wie die Herthaner schnell wieder auf den Erfolgsweg zurückfinden können: „Wir müssen mehr über den Kampf kommen. Wenn wir in diesem Punkt den gleichen Level erreicht haben wie unser Gegner, dann können wir auch unsere spielerischen, fußballerischen Mittel einsetzen.“

Was so einfach klingt, scheint derzeit bei den Berlinern jedoch nur schwer umzusetzen zu sein. Deshalb fordert Franz Geduld von allen Seiten für die Mannschaft. „So ein Spiel wie in Frankfurt hat man immer mal. Doch deshalb sollten wir jetzt nicht gleich alles schwarzsehen“, sagt Franz. Und ist sich sicher: „Wir haben Qualität im Kader, und ohne vermessen zu klingen: Wir zählen zu den Topteams der Liga. Denn wenn wir unser System umsetzen können, wird es schwer sein, uns zu schlagen.“ Auch für sich selbst erhofft er sich Zeit, um auf dem Platz wieder ganz der alte Maik Franz zu werden. „Ich brauche schon noch zwei, drei Spiele, um das richtige Timing zu finden. Aber die Zeit will ich mir auch geben“, sagt er. Dass die Mannschaft diese Zeit kaum bekommen wird, um wieder in die Erfolgsspur zu finden, dürfte jedoch auch ihm klar sein.

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