DFB-Pokalspiel

A-Jugendtorwart Philip Sprint bleibt im Hertha-Tor

Seinen Profi-Einstand gab der 19-Jährige gegen Frankfurt - und kassierte drei Tore. Trotzdem scheint Sprint die Nummer 2 im Tor zu werden.

Foto: dpa-zentralbild

Der junge Mann, mit dem alle sprechen wollten, hatte keine Zeit. „Ich muss zur Schule, ich bin echt zu spät“, sagte Philip Sprint (19), als er, ein großes Ballnetz auf dem Rücken, im zügigen Dauerlauf an den Medienvertretern vorbei in Richtung Kabine rannte. Sprint hatte am Tag zuvor beim FSV Frankfurt seinen Einstand bei den Profis gegeben. Das Resultat seiner ersten Zweitliga-Erfahrung war deprimierend: 40 Minuten Einsatzzeit, drei Gegentore. Allerdings traf den A-Jugendtorwart keine Schuld an Herthas 1:3 beim FSV Frankfurt. Das 1:1 war ein Elfmeter von Schlicke (50.), dem die Rote Karte für Hertha-Torwart Sascha Burchert nach einer Notbremse vorausgegangen war. Beim 1:2 stürmte der Frankfurter Leckie über 50 Meter allein auf Torwart Sprint zu (63.). Und beim 1:3 ließ Hertha-Manndecker Roman Hubnik FSV-Stürmer Verhoek gänzlich ungehindert köpfen. „Wir haben Frankfurt zu allen drei Toren eingeladen“, ärgerte sich Trainer Jos Luhukay. Kurios, aber wahr: Die Leistung von Sprint war solide. Er hielt seine Mannschaft mit einer schnellen Fußparade gegen Kapllani zu jenem Zeitpunkt überhaupt noch im Spiel (60.).

Burchert (22) indessen hat sich mit seinem Fehlgriff wahrscheinlich um seine Zukunft bei Hertha gebracht. Eigentlich hätte er vier Spiele lang den Stellvertreter des noch gesperrten Stammkeepers Thomas Kraft geben sollen, um seinen Status als Nummer 2 zu festigen. Vier Mal die Chance, um den Ruf dieses einen unseligen Spiels vom Oktober 2009 gegen den HSV (1:3) endgültig los zu werden.

Fiedler und die Ersatztorleute

Stattdessen ist Burchert gesperrt. Das DFB-Sportgericht belegte ihn mit einer Sperre für das Meisterschaftsspiel gegen Regensburg. Damit zieht Sprint in der internen Hierarchie an Burchert vorbei. Trainer Luhukay legte bereits am Montag fest, dass Sonntag im DFB-Pokal in Worms nicht Burchert, sondern Sprint eingesetzt wird. „Philip soll Spielpraxis bekommen.“

Grundsätzlich fällt auf, dass sich bei Herthas Torwartriege im vierten Jahr in Folge das gleiche Problem wiederholt. Seitdem Christian Fiedler (37) die Torleute trainiert, gerät der Klub jedes Mal ins Schlingern, wenn die Nummer eins ausfällt. Im Herbst 2009 begann der verhängnisvolle Strudel, der am Ende zum Abstieg führte, mit einer Verletzung von Jaroslav Drobny. Weder Burchert noch der nachverpflichtete Timo Ochs konnten die Lücke füllen. Im Jahr darauf gab es keine starken Vertreter, als Maikel Aerts mit einer Knieverletzung ausfiel, Ersatzmann Marco Sejna kassierte im Oktober 2010 im DFB-Pokal in Koblenz ein 61-Meter-Tor und flog bei 1860 München mit Rot vom Platz, damals musste Fabian Lustenberger ins Tor. Nun stellt sich erneut die Frage nach der mentalen Stärke bei den Kraft-Vertretern. Torwarttrainer Fiedler wollte am Montag gegenüber Morgenpost Online keine Stellung beziehen.

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