Hertha BSC

Ben-Hatira bleibt „für Familie, Stadt und Verein“ in Berlin

Der Mittelfeldspieler hört auf sein Herz und bleibt auch in der Zweiten Liga bei Hertha BSC. Eine Entscheidung für „meinen Verein“.

Foto: DAPD

Bis weit in die Nacht muss Änis Ben-Hatira gegrübelt haben. Dann ging er ins Internet und gab zuerst, wie er es versprochen hatte, seinen Fans Bescheid: Kurz vor Mitternacht kündigte er auf seiner Facebook-Seite an, einen neuen Vertrag bei Hertha BSC zu unterschreiben. „Am Ende habe ich mich gegen alle anderen sehr lukrativen Angebote entschieden und einfach auf mein Herz gehört und mich für meine Familie, meine Stadt und meinen Verein entschieden“, teilte der 23-Jährige mit.

Verdienst halbiert

Hertha hatte dem Mittelfeldspieler einen Vertrag zu deutlich reduzierten Bezügen angeboten, der bis 2014 laufen, sich im Aufstiegsfall um zwei weitere Jahre verlängern und dann sowohl für die Erste als auch für die Zweite Fußball-Bundesliga gelten wird. „Ich bin froh und erleichtert, dass wir uns einigen konnten. Ich freue mich wahnsinnig darauf, wieder mit der Mannschaft zu trainieren“, sagte der Offensivspieler, der zuvor in der Bundesliga etwa 600.000 Euro verdiente. Jetzt dürfte es nur noch etwa die Hälfte sein, dafür stand er schon am Mittwochnachmittag mit den Kollegen auf dem Schenckendorff-Platz.

Luhukay erleichtert

Gerade rechtzeitig für die offiziellen Mannschaftsfotos, die geschossen werden, kehrt Ben-Hatira also in den Kreis der Hertha-Familie zurück. „Für ihn ist es wichtig, dass er wieder in den Rhythmus kommt“, sagte ein sichtlich erleichterter Jos Luhukay nach dem gestrigen Morgentraining. An dem hatte Ben-Hatira noch nicht teilgenommen: Der Vertrag war da noch nicht unterschrieben – „und er muss ja auch noch untersucht werden“, sagte Luhukay.

Vorbereitungen angehen

Nachdem das erledigt war, endete für den tunesischen Nationalspieler die Phase, in der er sich allein vorbereitet hat. Im Fitnessstudio sei er ein paar Mal gewesen. „Und ich habe mit meinen Jungs viel Fußball im Käfig gespielt“, sagte er nach der ersten Einheit mit Hertha. Allein laufen sei aber nicht so sein Ding, deshalb „habe ich es ein bisschen ruhiger angehen lassen“. Negativ aufgefallen ist der gebürtige Berliner, der bereits in der Jugend acht Jahre bei Hertha spielte und im Sommer 2011 vom Hamburger SV nach Berlin zurückkehrte, deshalb am Mittwoch aber nicht. Da die Liga bald beginnt, sei es jedoch wichtig, so Luhukay, dass er nun endlich mit dem Team die Vorbereitung angehen kann.

Offensiv und dominant

Bereits vor anderthalb Wochen hatte Luhukay ein „positives Gespräch“ mit dem Profi und der Übungsleiter glaubt, dass Ben-Hatira auch dabei die Einsicht gefunden habe, dass es besser ist, in Berlin zu bleiben. „Das Gespräch war sehr intensiv“, erzählt Ben-Hatira. Der Coach hat ihm dabei erklärt, was für einen Fußball er spielen lassen will. „Das hat mir gefallen.“ Offensiv und dominant soll Hertha unter dem Niederländer auftreten.

„Änis ist torgefährlicher“

Der Trainer sieht in Ben-Hatira einen Schlüsselspieler für das Projekt Wiederaufstieg. „Änis ist ein sehr vielseitiger Spieler, der hier bei Hertha schon auf mehreren Positionen sowohl auf den Flügeln als auch in der Zentrale gespielt hat“, so Luhukay, dessen Kaderplanungen damit aber noch nicht abgeschlossen sind: „Wir werden sicherlich unsere Augen weiter auf den Transfermarkt richten. Auch mit dem Hintergedanken, wie lange Raffael und Adrian Ramos bleiben.“ Wenn Raffael und Ramos gehen, soll laut Luhukay Ersatz kommen, wobei der Coach auch Ben-Hatira die Rolle von Raffael hinter den Spitzen zutraut. „Vielleicht ist Änis sogar noch ein Stück torgefährlicher“, sagte Luhukay, der von den Qualitäten des U21-Europameisters von 2009 überzeugt ist: „Er hat das Kreativvermögen, er hat den Pass, er hat den Abschluss.“

Schuldgefühl wegspielen

Das muss Ben-Hatira in der kommenden Saison aber häufiger zeigen als zuletzt. Nur 17 Mal kam er 2011/2012 zum Einsatz und lediglich vier Mal spielte er über die volle Distanz. Dabei schwankten seine Leistungen zwischen Vorstellungen wie beim 3:1 über Hoffenheim am letzten Spieltag, als Ben-Hatira mit zwei Treffern den Relegationsplatz sicherte, und Auftritten wie vier Spieltage zuvor gegen Freiburg (1:2), als der schnelle Offensivspieler immer wieder kopflos in des Gegners Hälfte stürmte und sich dort festrannte.

Fast tragisch war sein persönlicher Saisonabschluss, erst erzielte er beim Relegations-Rückspiel in Düsseldorf das 1:1, dann musste er mit Gelb-Rot vom Platz. Das hat ihn lange beschäftigt. „Ich habe mich verantwortlich gefühlt nach dem Abstieg“, sagt Änis Ben-Hatira. Jetzt kann er mithelfen, Hertha BSC zu rehabilitieren und sich so das Schuldgefühl aus seinem Kopf spielen.

Pa/augenklick

Ich bin froh und erleichtert, dass wir uns einigen konnten. Ich habe mich verantwortlich gefühlt nach dem Abstieg.

Änis Ben-Hatira, Offensivspieler von Hertha BSC