Zwei Wochen trainiert Hertha BSC nun schon. Diese Zeit diente dem neuen Übungsleiter, dem Niederländer Jos Luhukay, zum einen dazu, seine neue Mannschaft kennenzulernen. Aber ebenso dazu zu erkennen, worauf er sich eingelassen hat. Oder genauer, wie schwer seine angepeilte Aufgabe, nämlich die Berliner nach dem Abstieg in die Zweite Liga wieder zurückzuführen in das Fußball-Oberhaus, tatsächlich werden könnte. Offenbar brachten ihn die ersten 14 Tage in Berlin diesbezüglich nicht aus dem Rhythmus. „Alle arbeiten sehr fleißig und engagiert“, zog Luhukay eine erste Bilanz. Sehr positiv sei seine Stimmung, zumal niemand verletzt ausfiel und alle von denen, die nicht noch im Urlaub weilten, das Programm mitmachen konnten.

Erfolgreiche Testspiele

Zum Vorbereitungsplan der Berliner zählten auch die ersten beiden Testspiele, die Hertha jeweils erfolgreich gestalten konnte; 3:0 hieß es gegen den Berlin-Ligisten Berliner SC, 2:1 gegen den dänischen Erstligisten FC Midtjylland. Für Marvin Knoll verliefen die beiden Partien auch persönlich recht gut, „ich habe viel gespielt und konnte viel zeigen“. Sogar einen Treffer steuerte er bei. „Ich denke, momentan mache ich meine Sache ganz gut“, sagt der 21-Jährige, der mit Hertha am Dienstag den dritten Test angeht – gegen den Oberligisten Viktoria 89 (18 Uhr, Bosestraße).

Von Null anfangen

Für Marvin Knoll ist es wichtig, sich zu zeigen, aufzufallen. Denn er will sich aufdrängen. Trainer Luhukay hat das registriert: „Er ist sehr motiviert.“ Im Training, in den Spielen ebenfalls. Ihm kommt die Situation bei Hertha entgegen, durch den Abstieg sind einige Positionen im Mittelfeld nicht mehr so fest vergeben wie zuvor, die interne Konkurrenz dürfte auch nicht mehr so stark sein wie in der Bundesliga. Dazu kommt in Luhukay ein neuer Mann auf der Trainerposition. „Das Gute ist, da fängt jeder von null an“, so Knoll.

Knoll will Ambitionen umsetzen

So ergibt sich für ihn kein großer Nachteil, denn der Linksfuß ist quasi auch neu bei Hertha. Zwar ist der Klub sein Heimatverein, vergangene Saison aber war Knoll ausgeliehen an den Zweitligisten Dynamo Dresden. Nun spielt Hertha in derselben Klasse wie die Sachsen, schöner wäre es da schon, sich unter mehr oder minder ähnlichen Voraussetzungen daheim zu profilieren. „Ich habe Berlin einfach in der Brust, ich hänge an dem Verein“, sagt Knoll. Die ersten beiden Wochen waren für ihn überaus ansprechend, ihn begleitet ein gutes Gefühl, dass sich seine Ambitionen umsetzen lassen. Das Training bereitet ihm Spaß, Luhukays Arbeit gefällt ihm. „Ich glaube, man kann viel von ihm lernen. Er macht einen guten Eindruck auf mich“, sagt Knoll.

Schwere Zeit in Dresden

Über seinen bisherigen Trainer erzählt er andere Dinge. Das Jahr in Dresden war irgendwie etwas verwirrend für ihn, mit Ralf Loose wurde er nie richtig warm. Dabei verlief der Start so vielversprechend. Sehr früh in der Saison empfing Dynamo den 1. FC Union, Dresden siegte 4:0 – angeführt von einem überragenden, Hertha im Herzen tragenden Marvin Knoll. „Das war für mich wie ein Derby, ich war sehr motiviert, das muss man echt sagen. Und dann hat alles geklappt“. Ein Tor erzielte er selbst, an den anderen drei Treffern war er beteiligt. Dieser Tag wird bei Knoll noch lange präsent sein. Doch schon dort deutet sich an, dass es keine einfache Saison für ihn werden würde.

Elf Einsätze für Dynamo

Anschließend weigerte sich Loose nämlich, den Spieler öffentlich entsprechend zu loben. Grund: Ihm würde so etwas nicht gut bekommen. „Wir hatten nicht das beste Verhältnis“, sagt Knoll, der sich selbst als bodenständigen Menschen sieht. Aber auch als jemanden, „mit dem man viel Spaß haben kann“. Wahrscheinlich gefiel diese lebensfrohe Art dem Trainer weniger, jedenfalls brachte es Knoll nur auf elf Einsätze für Dynamo. Ein Spiel wie das gegen den 1. FC Union war nicht mehr dabei.

Luhukay sieht Talent

Etwas überraschend wollte Dresden ihn dennoch behalten. „Fußballerisch halten sie sehr viel von mir, sie wollten das Potenzial ausschöpfen“, so Knoll. Die Erinnerung, dass selbst beste Trainingsleistungen nur selten in die Mannschaft führten, ließen ihn davon Abstand nehmen, in Dresden zu bleiben. Zumal bei Hertha eine völlig andere Sachlage entstanden ist als im Vorjahr. Und fußballerisch sieht auch Luhukay in dem Talent vieles, was er bei Hertha gebrauchen kann. „Marvin ist technisch gut, ballsicher, er hat Spielübersicht und einen starken linken Fuß. Das kann bei Standards und aus der Distanz wichtig werden“, erzählt der Trainer.

Nächste Wochen sind entscheidend

Welche Verwendung der Spieler im Detail finden könnte und mit wem er in Konkurrenz treten würde, darauf will sich Luhukay noch nicht ganz fest legen. Bislang bearbeitete Knoll in den Tests die linke Seite, eine „genaue Position wird sich in den nächsten Wochen verdeutlichen“, so der Coach. Er ist jemand, der es gern mit jungen Leuten probiert, ihnen die Möglichkeit gibt, sich zu entwickeln. „Hoffentlich setzt sich Marvin durch“, sagt der 49-jährige Luhukay, „seine Perspektive ist genauso gut wie bei allen anderen.“ Vor zwei Jahren hatte Marvin Knoll bei Hertha seine ersten Zweitligaeinsätze, zweimal durfte der frühere U17- und U20-Nationalspieler kurz mitmachen. „Es wäre etwas Besonderes, wenn ich hier jetzt viele Spiele bestreiten könnte“, sagt er. Sein Vertrag läuft noch ein Jahr. Die nächsten Wochen entscheiden insofern nicht nur darüber, ob er in dieser Saison für Hertha auflaufen wird, sondern wohl auch darüber, ob die Zukunft des Mittelfeldspielers in seinem Heimatverein liegen kann.