Die Forderung war drastisch, sie war radikal, sie war gnadenlos. Ein ganzes Jahr hätte Levan Kobiashvili aussetzen sollen, so beantragte es der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Noch nie hatte es eine derart harte Strafe gegeben gegen einen Profi. Genau dies trifft zwar immer noch zu, nachdem der Einzelrichter des DFB-Sportgerichts nun sein Urteil gefällt hat. Doch er blieb deutlich unter dem geforderten Strafmaß. Für siebeneinhalb Monate ist der Georgier von Hertha BSC wegen einer Tätlichkeit gegen den Schiedsrichter auf die Tribüne verbannt worden.

Eine lange Zeit, gewiss, bis zum 31. Dezember ist Kobiashvili nun nicht spielberechtigt, doch der Klub und auch der Spieler nehmen die Strafe hin. Gleiches trifft auf die Situation von Torhüter Thomas Kraft und Abwehrspieler Andre Mijatovic zu. Gegen sie wurde wegen Schiedsrichterbeleidigung eine Sperre von fünf und vier Partien beantragt, bekommen haben sie nun eine Auszeit von vier und drei Spielen. „Wir haben uns gemeinsam mit unseren Spielern unter Berücksichtigung der Sachverhalte und einer rechtlichen Einschätzung dazu entschlossen, diese Strafen zu akzeptieren. Damit ist das Sportgerichtsverfahren für die Spieler abgeschlossen, und wir können uns auf die neue Saison konzentrieren“, sagt Michael Preetz, der Manager des Klubs aus der Hauptstadt. Einen Einspruch wird es also nicht geben.

Vergehen nach dem Spielende

Der Grund für die Strafen liegt schon ein paar Wochen zurück. Am 15. Mai waren die Berliner in Düsseldorf angetreten, um im Rückspiel der Relegation den Klassenerhalt in der Bundesliga zu sichern. Die Partie war jedoch begleitet von chaotischen Umständen, wurde lange unterbrochen, einmal wegen eines Platzsturms der Düsseldorfer Fans. Hertha hatte versucht, die Spielwertung anzufechten, was in zwei Verfahren misslang. Ihre Unzufriedenheit mit dem Ablauf der letzten Minuten drückten einige Spieler von Hertha jedoch nach dem Schlusspfiff bereits sehr deutlich aus.

Am heftigsten ging dabei wohl der 34 Jahre alte Kobiashvili vor. Er versetzte Schiedsrichter Wolfgang Stark (Ergolding) laut dessen Aussage im Treppengang des Spielertunnels einen Faustschlag auf den Hinterkopf, wobei der Unparteiische ein Hämatom erlitt. Kraft und Mijatovic hatten Stark verbal beleidigt. Alle drei räumten ihre Verfehlungen schriftlich ein. Das Geständnis sei insbesondere bei der Bemessung der Sperre von Kobiashvili, der von Stark angezeigt worden ist und noch mit einem möglichen Zivilrechtsstreit rechnen muss, berücksichtigt worden. „Ich werde dieses Urteil akzeptieren, damit ich weiter Fußball spielen kann. Meine Familie und ich haben in der letzten Zeit sehr gelitten, daher bin ich jetzt sehr froh, dass das Verfahren abgeschlossen ist“, sagt Levan Kobiashvili. Er löst nun Timo Konietzka als Rekordsünder ab, der hatte 1966 in Diensten von 1860 München für sechs Monate zuschauen müssen.

Etwas irritierend wirkt allerdings, dass der Georgier, der mit 336 Einsätzen auch Rekordausländer der Bundesliga ist (mit Ze Roberto), zuletzt von Berliner Seite oft als mehr oder weniger unschuldig hingestellt worden ist. Unabhängig davon, dass Trainer Otto Rehhagel ihn vor der Tat als „fairsten Spieler seit dem Zweiten Weltkrieg“ bezeichnet hatte, beteuerte Präsident Werner Gegenbauer noch auf der Mitgliederversammlung des Klubs vor einer Woche, dass Kobiashvili „Stein und Bein“ schwöre, dass er nicht geschlagen habe. Insofern kommt ein Geständnis etwas überraschend.

Die Strafe trifft den Defensivspezialisten nicht nur sportlich. „Im Übrigen erleidet der Spieler durch die Sperre hohe Einkommensverluste“, sagte Hans E. Lorenz, Vorsitzender des DFB-Sportgerichts. Offenbar aber muss der Georgier nicht auf die Suche nach einem neuen Arbeitgeber im Ausland gehen. Denn der Klub plant wohl weiter mit Kobiashvili, dessen Vertrag bis 2013 läuft. „Ich habe die volle Rückendeckung von Hertha BSC und freue mich, dass ich ab Januar der Mannschaft auch auf dem Platz wieder helfen kann“, sagt er. Zur Rückrunde der neuen Saison dürfte er wieder mitwirken.

Manager Michael Preetz und der neue Trainer Jos Luhukay, die am Montag und Dienstag intensiv die Personalplanung diskutieren, hatten zuletzt mehrfach darauf hingewiesen, dass Kobiashvili genau wie Kraft als Stütze der Mannschaft vorgesehen sei. Bei Mijatovic, dessen Vertrag ausläuft, war das nicht so. Er wird also ebenso Thema zwischen Preetz und Luhukay sein wie Raffael. Mit dem Berater des Brasilianers traf sich der Manager am Montag um zu klären, ob es für Herthas Besten noch eine Zukunft in Berlin geben könne. Allerdings deutete Raffael bereits an, nicht gern in der Zweiten Liga spielen zu wollen.

Lell-Urteil in den nächsten Tagen

Hingegen wird Christian Lell kaum mehr zu Hertha zurückkehren. Der Außenverteidiger besitzt keinen Vertrag für die Zweite Liga, er ließ sich vor dem Sportgericht auch nicht durch Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt vertreten, sondern durch einen eigenen Rechtsbeistand. Lell soll den Düsseldorfer Assani Lukimya-Mulongoti angespuckt und ebenso Stark beleidigt haben. Das Urteil gegen ihn wird in den nächsten Tagen in der DFB-Zentrale in Frankfurt fallen. Beantragt sind sechs Spiele Sperre.