Hertha BSC

Streit um Manager Preetz bestimmt Präsidiumswahl

Ex-Hertha-Profi Michael Sziedat ist einer der 14 Bewerber für das Präsidium. Sollte er gewählt werden, will er Manager Preetz feuern. 

Foto: DAPD

Der Regierende Bürgermeister bewies Solidarität in schwerer Stunde. Klaus Wowereit erschien auf dem Empfang in der Spielbank Berlin, den Hertha BSC für 250 Sponsoren ausrichtete. Hertha-Präsident Werner Gegenbauer bedankte sich für Unterstützung und Vertrauen. Trotz des (mutmaßlichen) Abstieges in die Zweite Liga, dem zweiten binnen drei Jahren, warb Gegenbauer: „Ich stehe für Kontinuität, mit den Leuten weiterzuarbeiten, die es in meinen Augen vernünftig machen.“ Damit gemeint war die Geschäftsführung und hier insbesondere der viel kritisierte Manager Michael Preetz. Zeitgleich zu dem Sponsoren-Treffen meldete sich bei TV Berlin in der Sendung „Querpass“ Ingmar Pering, Präsidiumsmitglied von Hertha mit genau der entgegengesetzten Meinung zu Wort. Der Anwalt sagte: „Michael Preetz muss verantworten, zweimal abgestiegen zu sein. So erfreulich der Aufstieg war: Wir haben drei chaotische Jahre hinter uns. Wir haben Kardinalfehler gemacht. Es passiert nicht zufällig, dass wir jetzt zum zweiten Mal in drei Jahren in der Zweiten Liga sind. Das passiert auch nicht durch böse Schiedsrichter oder böse Medien. Da sind die Fehler hausgemacht. Wenn ich ins neue Präsidium gewählt werde, müssen wir alles auf den Prüfstand stellen.“

Am kommenden Dienstag, dem 29. Mai 2012, steht unterm Funkturm eine Mitmitgliederversammlung samt Neuwahl des Präsidiums an. Wie es aussieht, wird es eine klassische Richtungswahl. Derzeit ist der Wahlkampf im vollen Gange. 14 Kandidaten bewerben sich um bis zu neun Plätze im Präsidium. Das Thema, das am meisten polarisiert, ist die Frage, ob Preetz weiter Geschäftsführer Sport und Medien/Kommunikation bleiben soll. Einer, der gewählt werden möchte, ist Michael Sziedat (59), der von 1971 bis 1980 für Hertha in der Bundesliga spielte. Sziedat fordert unverhohlen die Entlassung des Managers. „Die ganzen Trainerverpflichtungen waren alles Eigentore. Er stand nie hundertprozentig hinter seinen Trainern. Die Außendarstellung, für die er zuständig ist, ist eine Katastrophe. Die Strukturen im Verein sind nicht bundesligatauglich. Wenn es jetzt mit dem neuen Trainer Jos Luhukay einen Neuanfang geben soll, müssen neue Strukturen her.“

Telefonat mit Beiersdorfer

Auf den diversen Fan-Treffen, wo sich die Kandidaten derzeit vorstellen, wiederholt sich der immergleiche Ablauf. Die Anhänger fragen: Wie hältst du es mit Michael Preetz? Bei einer Veranstaltung am Sonntag in Moabit waren elf der 14 Aspiranten vor Ort. Die Abfrage endete 3:8 – gegen Preetz. „Das spiegelt das wider, was die große Mehrzahl der Mitglieder denkt“, behauptet Pering.

Dem steht gegenüber, wie sich Werner Gegenbauer positioniert. Der Präsident sagte vor den Sponsoren, er setze auf Kontinuität. Er wolle unbedingt vermeiden, dass Hertha in der wichtigsten Planungsphase der Saison, wenn der Kader zusammenzustellen ist, ohne den sportlich Verantwortlichen dastehe. Es heißt, dass sich auch der neue Trainer Jos Luhukay ausdrücklich für Preetz einsetzt. Dem entgegen steht, dass einige der Präsidiumskandidaten bereits Kontakt zu einem möglichen Preetz-Nachfolger aufgenommen haben. Dem Vernehmen nach handelt es sich um Dietmar Beiersdorfer, den ehemaligen HSV-Manager. Gegenbauer und Preetz haben in der Sache mit Beiersdorfer telefoniert. Wie zu hören war, habe sich Beiersdorfer entschuldigt.

Erbost zeigte sich Gegenbauer gegenüber Morgenpost Online über Pering. Der hatte kritisiert, dass der Präsident darauf beharrt, am Manager festhalten zu wollen („'Wer mich wählt, wählt Michael Preetz', das halte ich für gefährlich“.) Dazu sagte Gegenbauer: „Dass jemand für einen Rausschmiss des Geschäftsführer Sports wirbt, einem anderen vorwirft, dass der eine Haltung hat, das ist ein Witz.“

Die Richtungswahl am Dienstag wird spannend. Gegenbauer pokert hoch, um sein Ziel zu erreichen. Er ist seit 2008 Präsident und einziger Kandidat für das höchste Amt im Klub. Aber er wird nicht über zwei Wahlgänge antreten, so wie es die Satzung ermöglicht. Wie Morgenpost Online erfuhr, strebt Gegenbauer im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit an. Verfehlt er sie, steht Gegenbauer nicht weiter zur Verfügung. Doch selbst, wenn der bisherige Präsident die gewünschten ‚50 Prozent plus X' erhalten sollte, ist nicht sicher, dass er bleibt.

Im Anschluss werden die Vizepräsidenten (zwei Bewerber mit Jörg Thomas und Torsten Manske) und dann die Präsidiumsmitglieder gewählt. Bei der obligatorischen dreiminütigen Kandidatenvorstellung vor den Mitgliedern wird jeder die Preetz-Frage zu beantworten haben: ‚Sag mir, wo Du stehst'. Sollte es so sein, dass im neuen Präsidium Gegenbauers Haltung ‚pro Preetz' eine Minderheitsmeinung ist, wird der frischgekürte Präsident sein Amt niederlegen.

Land Berlin stundet Stadion-Miete

Ex-Profi Sziedat sagt dazu: „Na und? Dann ist Gegenbauer auch weg. Das ist sein Problem, aber bestimmt nicht der Untergang von Hertha BSC. Ich habe schon oft schwere Zeiten hier erlebt. Wir haben andere Leute im Verein, die das auch können.“ Sziedat kritisiert weiter: „Schon jetzt haben wir nach den Hoeneß-Festspielen die Gegenbauer-Preetz-Festspiele. Da platzt mir der Kragen.“

Leichtfertig sollte die Angelegenheit indessen nicht entschieden werden. Dafür hat Gegenbauer zu viele Millionen in den Verein gesteckt. Unabhängig von der personellen Konstellation: Wer die Verantwortung bei Hertha übernimmt, muss erklären, wie er den Klub mit seinen 37-Millionen-Euro-Schulden handlungsfähig halten und für die Zukunft entwickeln will. Die Anti-Preetz-Fraktion hat blaue T-Shirts drucken lassen. Auf den steht: „Die Zeit für Veränderungen ist gekommen“. Klingt flott. Aber Veränderungen wohin? Mit wem? Und wer bezahlt das? Hertha BSC ist mittlerweile ein 70-Millionen-Euro-Unternehmen geworden. Unter den Anwärtern vermittelt jedoch kaum jemand den Eindruck, dass er tatsächlich in der Lage ist, einen Verein dieser Größenordnung zu beaufsichtigen.

Noch-Präsident Gegenbauer hat sich ausdrücklich bei den Unterstützern bedankt. Besonders bei der Deutschen Bahn, die ihr Hauptsponsoring auch in der Zweiten Liga aufrecht erhält. Und beim Regierenden Bürgermeister. Das Land Berlin hilft, dass Hertha BSC die kommende Saison (wahrscheinlich) im Unterhaus ordentlich finanzieren kann. Wie Morgenpost Online erfuhr, wird der Senat Hertha BSC die Miete für das Olympiastadion sowie den Olympiapark stunden. Eigentlich zahlt der Verein für den Schenkendorff-Platz sowie angrenzende Felder 75.000 Euro im Jahr. Die Miete für die Akademie beträgt 48.000 Euro im Jahr, usw. Bereits vor zwei Jahren hatte der Senat Hertha die Stadionmiete von 2,55 Millionen Euro gestundet. Mittlerweile ist der Betrag vollständig gezahlt worden.