Der Sieg im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid, die Party danach im Mannschaftshotel, der Empfang mit rotem Teppich am Flughafen München am Tag darauf, und die Euphorie der Fans beim 2:0 im Bundesligaheimspiel gegen den VfB Stuttgart am vergangenen Wochenende.

Ja, es waren schon einige Eindrücke, welche die Spieler des FC Bayern München zuletzt über sich ergehen lassen durften. Der Meistertitel aber ist längst verspielt, und so ist auch die Partie beim 1. FC Köln am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky und hier im Liveticker von Morgenpost Online) für die Platzierung der Bayern ohne Belang.

Sie bleiben auch bei einer Niederlage Zweiter – und wollen trotzdem gewinnen. „Wir werden das Spiel seriös angehen“, sagt Trainer Jupp Heynckes. Gut für Hertha. Die Berliner sind im Kampf um den Relegationsplatz auf die Schützenhilfe der Münchner angewiesen. Sie können hoffnungsvoll sein, der FC Bayern ist aus sechs Gründen motiviert.

Mario Gomez

Die Mannschaft will ihrem Stürmer ermöglichen, zum zweiten Mal in Folge die Torjägerkanone zu gewinnen. Das gelang zuletzt Ulf Kirsten von Bayer Leverkusen (1997 und 1998).

Mit 26 Treffern liegt Mario Gomez derzeit ein Tor hinter Schalkes Star Klaas-Jan Huntelaar. „Natürlich schiele ich auf die Kanone. Ich werde in Köln wieder versuchen zu treffen“, so Gomez.

Wie sehr seine Kollegen ihm das gönnen, bewies das 1:0 gegen Stuttgart. Nationalspieler Thomas Müller stand frei vor dem Tor, legte aber trotzdem auf Gomez ab. „Wir müssen Mario in Köln ein paar Tore auflegen, damit er es schafft“, so Müller.

Abwehr

Die Bayern haben Sonnabend die Chance, einen Rekord einzustellen. Mit 21 Gegentreffern haben sie derzeit die beste Abwehr aller 18 Klubs.

In der Bundesliga-Geschichte ist es erst einer Mannschaft gelungen, diese Marke bis zum Saisonende zu halten: Dem FC Bayern, 2008 mit Oliver Kahn im Tor.

Vor allem für Nationaltorhüter Manuel Neuer ist es ein Ansporn, dies ebenfalls zu schaffen. Nach seinen Elfmeterparaden in Madrid wäre ein Spiel zu Null in Köln der krönende Abschluss seiner ersten Spielzeit bei den Bayern.

Champions League

Die zweite Garde will sich empfehlen. Für das Finale der Königsklasse gegen Chelsea am 19. Mai in München sind die Verteidiger Holger Badstuber, David Alaba und Mittefeldspieler Luiz Gustavo nach ihrer dritten Gelben Karte gesperrt.

Trainer Heynckes muss seine Defensive umstellen, und die Partie in der Domstadt ist ein Casting.

Abschied

Ivica Olic wechselt nach drei Jahren an der Isar im Sommer zum VfL Wolfsburg. Der kroatische Angreifer will sich mit einem Tor verabschieden, selbst wenn er nur eingewechselt wird.

Gleiches gilt für Sturmtalent Nils Petersen und Takashi Usami, die den Verein wohl ebenfalls verlassen werden.

Freundschaft

Auf dem Bankett nach dem Sieg in Madrid begrüßte Klubchef Karl-Heinz Rummenigge den früheren Bayern-Profi Martin Demichelis als Ehrengast und sagte: „Wer einmal zur Bayern-Familie gehört hat, gehört immer dazu.“

Auch die Hertha-Profis Christian Lell, Andreas Ottl und Thomas Kraft haben in München gespielt und bis heute Kontakt zum FCB. Bayern-Kapitän Philipp Lahm ist mit Ottl sehr gut befreundet.

Auch viele andere würden sich freuen, die ehemaligen Kollegen künftig in der Bundesliga zu sehen.

Ehre

Die Bayern wollen sich nicht den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung gefallen lassen müssen. Vor allem Präsident Uli Hoeneß fordert, dass die Mannschaft keine für sie noch so unbedeutende Partie abschenkt.

Ganz im Sinne des „Mia san Mia“-Selbstverständnis sagt Kapitän Lahm: „Wir sind Profisportler. Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Dann bringt es immer mehr Spaß.“

Jeder Erfolg bringe mehr Selbstvertrauen, egal gegen wen. Und dies können die Bayern vor dem Endspiel im DFB-Pokal (12. Mai) und dem Finale in der Königsklasse gut gebrauchen.

Die Bilanz der vergangenen Jahre macht Hertha Mut: 2010 siegten die Bayern am letzten Spieltag in Berlin 3:1, obwohl sie sich schon am Spieltag zuvor den Meistertitel gesichert hatten.

Auch 2008 war ihnen die Schale nicht mehr zu nehmen – die Münchner siegten 4:1, auch damals gegen Hertha.