29. Spieltag

Hertha trotzt Gladbach einen Punkt ab

Beim 0:0 gegen das Team von Ex-Trainer Favre präsentierte sich Hertha stabil. Die Tabellensituation bleibt jedoch unverändert ernst.

Die allerletzte Minute lief. Ein letztes Mal mobilisierte Andreas Ottl die Kräfte, sprintete zurück und hechtete in die Flanke, die Gladbachs Mike Hanke vor das Hertha-Tor schlug. Ottl erreichte den Ball, schlug ihn aus der Gefahrenzone – und hielt sich den Fuß: Ein Krampf plagte den Herthaner, den er aber mit einem breiten Grinsen quittierte. Schlusspfiff, die Grätsche von Ottl sicherte Hertha BSC im Abstiegskampf ein wichtiges 0:0 bei Borussia Mönchengladbach. Nach dem frustrierenden 1:4 in der Vorwoche gegen Wolfsburg präsentierten sich die Berliner beim Champions-League-Anwärter Gladbach erstaunlich stabil und wahrten ihre Chancen im Kampf um den Klassenhalt.

In der Tabelle jedoch bleibt die Situation unverändert ernst. Der Aufsteiger ist bei fünf ausstehenden Begegnungen mit nun 27 Punkten weiter Vorletzter, zwei Punkte hinter Relegationsplatz 16 (Köln/29) und drei Zähler hinter dem rettenden Ufer. „Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie den Abstiegskampf hundertprozentig angenommen hat“, kommentierte Hertha-Trainer Otto Rehhagel die Leistung seines Teams.

Durch die Verletzung von Christoph Janker (Adduktoren-Probleme) musste Otto Rehhagel zum wiederholten Male die Defensive umbauen. Der Trainer-Routinier entschied sich für eine Innenverteidigung mit Roman Hubnik und Felix Bastians. Somit rückte Levan Kobiashvili auf die linke Abwehrseite, im defensiven Mittelfeld kehrte Andreas Ottl in die Starelf zurück. Für die 52.691 Zuschauer im Borussia-Park war es ein zähes Spiel mit wenig Niveau, für Hertha aber eine Anfangsphase, in der die Hausherren möglichst weit weg vom Berliner Tor gehalten werden sollten.

Lell mit der größten Hertha-Chance

Getreu dem Motto „Abstiegskampf tut weh“ brachte Christian Lell etwas Härte mit. Gleich in der Startphase erwischte der Verteidiger mit dem Knie Marco Reus am Oberschenkel. Mönchengladbachs Star, der im Sommer für 17 Millionen Euro zu Meister Dortmund wechseln wird, musste nach 20 Minuten gehen, für ihn kam Igor de Camargo. An den haben die Berliner schlechte Erinnerungen. Mit einer Schauspiel-Einlage hatte der Brasilianer mit belgischem Pass im Februar dafür gesorgt, dass Hertha das Viertelfinale im DFB-Pokal verlor (0:1 n.V.). Gleich bei dessen erster Aktion, de Camargo hatte Hubnik gefoult, geriet Peter Niemeyer mit dem Stürmer verbal aneinander.

Hertha verlegte sich zunächst darauf, eine große Schwäche dieser Saison zu vermeiden: Kein anderes Team kassiert vor der Pause so viele Gegentore wie die Gäste. Sicherheit zuerst, sobald ein Ball verloren ging, versuchte der Hauptstadt-Klub so rasch wie möglich sieben, acht Spieler hinter den Ball zu bringen. Gladbach spielt um die direkte Qualifikation für die Champions League, präsentierte sich ohne die Kreativität von Reus erstaunlich einfallslos. Die Mannschaft von Trainer Lucien fand gegen das Berliner Abwehrbollwerk kaum Mittel.

Gladbachs Juan Arango versuchte sich mit einem 30-m-Distanzschuss, der weit übers Tor ging (32.). Die einzig nennenswerte Gelegenheit erspielten sich die Hausherren durch Mike Hanke, der auf de Camargo vorlegte. Der ließ Aushilfs-Manndecker Bastians ins Leere laufen – zum Glück für Hertha schob der Gladbacher den Ball links am Tor vorbei (37.).

Die Berliner riskierten wenig. Die Statistiker registrierten den ersten Torschuss in der 45. Minute, ein harmloser Versuch von Ottl. Bis zur ersten Ecke dauerte es bis zur 53. Minute. Hertha wartete auf seine Gelegenheit – und sie bot sich nach 57 Minuten. Raffael steckte den Ball in den Gladbach Strafraum durch, wo Lell frei aufs Tor zulief. Der Verteidiger schob den Ball an Torwart Marc-Andre ter Stegen vorbei, doch Borusse Martin Stranzl klärte kurz vor der Linie.

Erstaunlich, dass die Borussia so gar keine Idee hatte, wie Druck gegen den Tabellen-Vorletzten aufzubauen war. Nach 80 Minuten wurde es sogar dem gutmütigen Publikum in Gladbach zuviel. Nach dem x-ten Rückpass zum eigenen Torwart setzte es ein gellendes Pfeifkonzert. In der Hertha-Defensive lieferten Hubnik, Ottl und Niemeyer und eine gute Partie. Im Vorwärtsgang setzte Raffael einen weiteren Nadelstich, seinen 20-m-Schuss klatschte ter Stegen zur Seite weg (85.).

Den letzten gefährlichen Angriff fuhren die Hausherren, doch Ottl rettete mit seiner Grätsche das 0:0. Kaum zu glauben, aber wahr: Es dauerte bis zum 15. Saison-Gastspiel, ehe Hertha auswärts erstmals zu Null spielte. Ein Resultat, das Torwarte mögen. „Es war wichtig, zu Null zu spielen“, sagte Hertha-Torwart Thomas Kraft. „Die Gladbacher haben es auch gut gemacht und wenig zugelassen. Deshalb ist der eine Punkt in Ordnung.“ Borussen-Trainer Lucien Favre sagte: „Es war ein spannendes Spiel. Es war schwer gegen Hertha. Insofern ist ein Punkt okay.“

Fürs Selbstbewusstsein war der Zähler im Westen wichtig für Hertha. Doch für das erklärte Ziel Klassenerhalt müssen Siege her. Schon am Dienstag will der Hauptstadt-Klub im Heimspiel gegen den SC Freiburg einen Erfolg einfahren.

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