Bei Nacht und Nebel ziehen sie los. Bereits um halb zwei Uhr morgens werden die Mitglieder der "Hertha-Freunde Berlin-Süd" am Sonnabend in ihren Bus steigen, um die Fahrt nach Köln anzutreten. Anders geht es nicht: Der Fahrer ist verpflichtet, zwischen Hin- und Rückfahrt neun Stunden Pause einzulegen.

Wie wichtig ein ausgeschlafener Busfahrer sein kann, zeigte sich am Sonntag auf der A3. Ein Gruppe Kölner Hooligans drängte mit mehreren PKWs einen Gladbacher Fanbus von der Autobahn. Auf einer Raststätte attackierten die vermummten Täter - ein Großteil wird der Ultra-Gruppierung "Wilde Horde" zugeordnet - das Gefährt samt Insassen mit rot-weiß bemalten Steinen, Eisenstangen und Baseballschlägern. Die Gladbacher, darunter Frauen, Kinder und ältere Männer, mussten Todesängste ausstehen. Nur der Geistesgegenwart des Fahrers war es zu verdanken, dass niemand verletzt wurde. Der 38-Jährige drückte aufs Gas und rettete seine Reisegruppe Richtung Köln. "Ich habe nur gedacht: Du musst hier heil raus mit den Leuten", sagt er der "Bild-Zeitung" am Dienstag.

Die Polizei ermittelt inzwischen gegen zehn Personen. Und am heutigen Sonnabend müssen die Hertha-Fans zum Abstiegsduell an den Rhein. "Ich kann verstehen, wenn sich die Berliner Fans Sorgen machen", sagt FC-Fansprecher Rainer Mendel, verweist aber auf die Maßnahmen gegen die Angreifer. Den Mitgliedern der "Wilden Horde" hat der Verein sämtliche Privilegien gestrichen. So durfte die Gruppierung bislang Arbeitsräume des FC nutzen, um dort Banner und weitere Utensilien zu lagern. Zudem wurde gegen die beteiligten Personen, von denen die Hälfte aus der Ultra-Gruppierung stammt, ein bundesweites Stadionverbot ausgesprochen und Mitglieder aus dem Club ausgeschlossen.

Bei den "Hertha-Freunden Berlin-Süd" halten sich die Bedenken in Grenzen. "Ich war von dem Angriff wenig überrascht", sagt Daniel Trousil, der erste Vorsitzende. Die Rivalität zwischen Gladbachern und Kölnern sei ja bekannt. Zudem rechnet der Fanclub auch wegen seiner frühen Anreise nicht mit Zwischenfällen. "Wir haben mit den Kölnern in der Vergangenheit auch schon mal ein Bierchen getrunken und in der Stadt übernachtet", sagt Trousil.

Andere machen sich mehr Sorgen. In einem Internet-Forum schreibt ein Fan, dass die Aktion vom Sonntag "schon sehr bedenklich sei". Ein Weiterer will schon gar nicht mehr nach Köln: "Ich habe keine Lust, mich vermöbeln zu lassen."

Die Fanabteilung von Hertha BSC will Ruhe bewahren. „Wir haben keine besonderen Maßnahmen geplant. Die Fahrt steht auch schon länger fest“, sagt Herthas Fanbeauftragter Donato Melillo. Für das Spiel in Köln rechnet der Verein mit rund 2000 mitgereisten Fans. Um das Verhalten der eigenen Anhänger macht sich Melillo keine Gedanken. Nach den Ausschreitungen im Heimspiel gegen Nürnberg 2010 habe man den Dialog mit den Fans gesucht und ein vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut. Zudem sei die Beziehung zu den Kölnern als neutral einzuschätzen. „Es wird kein hochbrisantes Spiel, allerdings auch nicht freundschaftlich.“ Den Angriff auf die Gladbach-Fans verurteilt Melillo: „Das hat nichts mit Fußball zu tun und macht den Sport kaputt.“